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In diesen Tagen wäre sie 80 Jahre alt geworden: Ein neues Box-Set und ein Tribut-Album feiert die Chanson-Queen Hildegard Knef.

Von Jan Gebauer

Selten wurde der runde Geburtstag einer deutschen Künstlerin so gebührend gefeiert wie der in diesem Jahr von Hildegard Knef. Zum 80. regnet es Veröffentlichungen, Aufführungen und Ausstellungen. Die Anfang 2002 verstorbene Schwulen-Ikone hätte es gefreut: In dieser Woche stellen wir das 4-CD-Box-Set "Ich bin den weiten Weg gegangen" und das Tribut-Album "Ihre Lieder sind anders" vor. "Da ist eine Zeit zu lachen und zu leben" hat sie einst gesungen. Und genauso sind auch die versammelten Lieder auf der vorliegenden Veröffentlichung. Das Set dokumentiert die Chanson-Sängerin und Texterin erstmals Label-übergreifend vom Beginn ihrer Karriere in den Fünfziger Jahren bis zu ihrem Tod. So entsteht ein chronologisches, faszinierendes Portrait einer deutschen Künstlerin und ihrer Zeit. Präsentiert werden neben hinlänglich Bekanntem auch viele rare Tracks, wie zum Beispiel ihre Kollaborationen mit Autor Boris Vian oder Jazzgrößen von Kurt Edelhagen bis Till Brönner. Besonders beachtenswert: Die luftig leichten Aufnahmen gemeinsam mit dem legendären Bert Kaempfert. Viele dieser Titel sind bislang noch nie auf CD veröffentlicht worden oder seit Längerem vergriffen. Das 40-seitige Booklet beinhaltet detaillierte Linernotes zu jedem Track, Zitate vieler Zeitgenossen der Knef, sowie Fotos und Coverabbildungen.

Auf dem Sampler "Ihre Lieder sind anders" verbeugen sich namenhafte Protagonisten der hiesigen Musikszene, darunter Michel van Dyke, Paula, Stereo Total, Richard v. d. Schulenburg, Tom Liwa, Kissogram, Jan Plewka, Justus Köhnke und Regy Clasen. Ob diese Künstler wirklich echte Knef-Fans sind und das Repertoire der (un)umstrittenen Legende wirklich kennen, sei dahingestellt, jedoch haben sich die Leute Mühe gegeben. So unterschiedlich das Knefsche Repertoire, so bunt ist auch die Mischung auf dem Sampler: von zärtlichen, melancholischen Interpretationen über ironisch chansonhafte Ausführungen, schwelgerische Elegien, Lo-Fi-Adaptionen, elektronisch Modernisiertes bis zur mitreißenden Powerpop-Nummer. Da heißt es entdecken und vergleichen. Gegen die Originale der Knef kommt aber keine der noch so aufgepeppten Nummern an. Daher ist die Sammlung sicher nur für Hardcore-Fans und Sammler interessant.

16. Dezember 2005