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Von Micha Schulze

Somrak, der 50-jährige Lehrer aus dem thailändischen Grenzort Nong Khai, gerät ins Schwärmen, wenn er von Laos spricht. So süß seien die Jungs dort und so günstig, nur 100 Baht, umgerechnet zwei Euro. Etwa alle zwei Wochen fährt Somrak über die "Brücke der Freundschaft" ins Nachbarland, um sich zu vergnügen. "Aids-Brücke" nennt man den erst 1994 eröffneten Grenzübergang auf der anderen Seite des Mekong-Flusses.

Verkehrte Welt: Während Millionen von Sextouristen aus Europa und Amerika jedes Jahr nach Thailand pilgern, zieht’s die thailändischen Männer nach Laos, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, um mal mächtig einen drauf zu machen. Die Schattenseite, seit das sozialistische Land seinen Bambusvorhang gelüftet und sich dem Westen geöffnet hat.

Und doch erinnert in der laotischen Hauptstadt Vientiane (noch) nichts an Patpong und Reeperbahn. Statt Gogobars sieht man Wasserbüffel und Ziegen, die friedlich am Straßenrand grasen. Keine Schlepper wollen Touristen in zwielichtige Lokale zerren. Im größten Dorf Asiens stehen die Einheimischen bis zu den Oberschenkeln im trüben Wasser des Mekong, um ihre Netze nach Fischen auszuwerfen.

Einfache Pfahlhäuser und verwitterte Kolonialvillen, sozialistische Plattenbauten und neobarocke Prachtpaläste soweit das Auge blickt. Keine Hochhäuser, keine Staus. Drei parallel zum Fluss verlaufene Straßenzüge bilden das Stadtzentrum: die Uferpromenade Quay Fa Ngum, die Pagodenstraße Thanon Setthathorath und die Einkaufsmeile Thanin Samsenthai. In diesem Viertel liegen die meisten Sehenswürdigkeiten und auch die Gästehäuser, in denen man ab fünf US-Dollar ein ordentliches Zimmer bekommt. Die 14 Tage, die man mit einem Visa-on-arrival im Land bleiben darf, gilt es auszuschöpfen für einen Kur-Aufenthalt, der auch den Geldbeutel schont.

Es ist dunkel in der kleinen Hütte auf Stelzen. Aus einem Loch im Boden steigt heißer, nach Zitronengras und Eukalyptus riechender Dampf, der einem den Schweiß aus allen Poren zieht. Die traditionelle Kräutersauna des Kung-Fu-Meisters Ajaan Amphone in der Anou Street (Foto rechts oben) ist nicht nur ein herrlicher Ort zum Entspannen (Eintritt: 7.000 Kip, ca. 70 Cent), sondern auch in der lokalen Szene als Treffpunkt bekannt. Sex gibt’s hier nicht, Blicke und Gespräche umso mehr. Wer nach dem Saunagang auf der Holzterrasse bei einem Kräutertee aus der großen verbeulten Emaillekanne entspannt, wird erbarmungslos ausgefragt.

Das schwule Nachtleben konzentriert sich auf zwei Clubs in der Sakkarind Road, die direkt nebeneinander liegen: Das "Puck Luck”, das auf ein Namensschild verzichtet, ist eine Bar mit kleiner Tanzfläche, die trotz oder wegen seines lesbischen, Eminem-liebenden DJs angesagt ist. In der gemischten Disco "Chess Club" nebenan fallen angetrunkene Hetero-Thais immer mal wieder auf die laotischen Animier-Transen herein. In Vientiane geht man früh aus, denn eine halbe Stunde vor Mitternacht erlischt in beiden Läden das Licht. Kurort eben.

Homosexualität ist in Laos nicht verboten, doch nur wenige leben offen schwul. Sexualität insgesamt gilt als Privatsache, über die nicht gesprochen wird. Dennoch ist es einfach, Kontakte zu knüpfen – und nur wenige schwule Laoten erhoffen sich von der Begegnung mit einem westlichen Touristen ein finanzielles Entgegenkommen. Viele sind neugierig auf eine fremde, unerreichbare Welt und können im Gegenzug einen Einblick in einen uns unbekannten Alltag gewähren.

Wer sich darauf einlässt, kann die besonderen Seiten einer Stadt entdecken, in der es geröstete Käfer am Spieß ebenso gibt wie bestes französisches Baguette als Erbe der Kolonialzeit. Der findet urige Kräutersaunen in alten Tempelanlagen, die nicht in "Spartacus" und "Lonely Planet" stehen. Der kann schwule Garküchen fernab des Stadtzentrums ebenso kennen lernen wie den schönsten Platz für einen romantischen "Sundowner" am Mekong.

"Weißt Du eigentlich was ‚Lao PDR’ heißt?", fragt mich mein Begleiter Pratt. "People’s Democratic Republik", sage ich, sozialistisch geschult. "Falsch", lächelt er: "Laos - Please Don’t Rush!"

18. Dezember 2003, 12:15 Uhr



#1 ThommiAnonym
  • 03.04.2004, 18:10h
  • Viantiane ist wirklich eine schnuckelige Stadt und auf jeden Fall eine Reise Wert. Zwar bekommt man ein Visa-on-Arrival an der Grenze, ich empfehle jedoch, das Visum schon in Bangkok zu besorgen. Das besorgen viele Reisebüros an der Khao San Road innerhalb von 2 Tagen recht günstig. An der Grenze kostet es 30 Dollar. Zahlt man an der Grenze, sollte man auf jeden Fall Dollar dabei haben. Wer nur thailändisches Geld hat, muss 1.500 Baht zahlen - und das sind dann sogar 38 Dollar
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