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  • 22. September 2003, noch kein Kommentar

Schwul der eine (gespielt von Dirk Bach), hetero der andere (Thorsten Nindel), arbeiten zwei Männer ihre Vergangenheit auf. Das Stück „Klassentreffen“, das am 21. September im Berliner Theater am Kurfürstendamm Premiere hatte, ist eine Zeitreise auf dem Bonanzarad.

Ich dachte, die Achtziger sind gerade in der Retromaschinerie, und jetzt ein Stück über das Lebensgefühl der Siebziger, wie kömmt's?

Es ist halt ein Stück über meine Generation, und die ist in den Siebzigern groß geworden. Es ist aber kein Nostalgiestück, es ist die Geschichte zweier Männer, die sich nach 20 Jahren wieder sehen, und aufarbeiten, was da damals an Liebe zwischen Ihnen war.

Also keine Product Placement-Parade mit Tri-Top und Co?

Nein, ich erwähne nur die Tri-Top-Flasche im Stück einmal, weil ich mich an die gemeinsamen Sexspiele im Keller erinnere, wo diese Flaschen standen.

Gibt es bestimmte Dinge oder Ereignisse der Siebziger, die Dich besonders prägten?

Ach Gott, da gibt es so Vieles, das ist ja das Verrückte an diesem Jahrzehnt. Es fängt ja so unschuldig an mit der Musik, die man für sich entdeckt hat, den Glam und die Rockmusik. Dann die Pubertät in einer sehr liberalen Zeit, wo man die Früchte der 60er und ihrer sexuellen Revolution ernten konnte. Und gegen Ende der Siebziger dann auch das politische Erwachen, Deutschland im Herbst mit dem Terror von links und einem Staat, der Amok lief.

Das klingt fast ein bisschen verklärt…

Ja, vielleicht, aber es war nicht verkehrt, in dieser Zeit groß zu werden. Ich bin in Köln in einem sehr liberalen Elternhaus aufgewachsen und hatte sehr viele Möglichkeiten, mich frei zu entwickeln.

Lass uns noch ein bisschen in Erinnerungen schwelgen: Was war Deine Lieblingsserie?

„Bezaubernde Jeanny“ war natürlich ganz klasse und den blonden Sammy bei „Flipper“ fand ich auch ganz reizend. „Onkel Bill“ war auch schön. Und kürzlich habe das „Haus am Eaton Place“ wieder gesehen. Da gibt es eine Folge, in der sich die Tochter von Lady Marjorie Bellamy scheiden lassen muss von ihrem Dichter-Ehemann, weil der homosexuell ist.

Wie sehr hat Dich Dr. Sommer aus der Bravo beeinflusst?

Der weniger, aber es gab in der Zeit eine Aufklärungsbroschüre gemeinsam von Bravo und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die würde heute gar nicht mehr gedruckt, weil es als Pornographie eingestuft würde. Darin waren Bilder von einem erigierten Schwanz zu sehen. Das ist typisch Siebziger für mich, weil da so was möglich war. Ich konnte mit 15 auch in den Männerbuchladen gehen und mich dort umschauen, was es an homosexuellen Titeln gab. Das war sehr aufregend.

Also ein fröhliches Leben für Schwule in den Siebzigern?

Man darf das natürlich nicht glorifizieren, nicht alles war in Ordnung. Mit dem Film „Die Konsequenz“ wurde 1977 eine sehr unglückliche Liebesgeschichte erzählt, aber halt eine sehr authentische. Es war eine kämpferische Zeit. Darauf aufbauend gibt es heute viel mehr, selbst schwule Jugendzentren. Aber ich fand es besser als in den langweiligen Achtzigern, als es zwar abging, aber niemand wusste, wohin.

Spielzeit bis 16. November
Karten und Service: 030 – 88 59 11 88



Die Dirk Bach Box

Zum ersten Todestag des Komikers wurden die Serien "Die Dirk Bach Show" und "Hella & Dirk" erstmals auf DVD veröffentlicht.