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Ein Standpunkt zum Familienbild des Bundespräsidenten

Von Jürgen Friedenberg

"Das Glücke kommt selten per posta zu Pferde, es gehet langsam Schritt für Schritt ..." Wie in diesem alten Lied vollzieht sich auch der Bewusstseinswandel, der dem sozialen Fortschritt vorangehen muss, Schrittchen für Schrittchen. Offenbar hat auch unser Staatsoberhaupt das begriffen, denn alle seine bisherigen Reden zeigten den Willen zur Erneuerung, gleichzeitig aber Augenmaß, wohl wissend, dass mit Parforceritten hierzulande nichts zu erreichen ist.

So spricht Köhler der gleichgeschlechtlichen Family ebensolche Erziehungsqualitäten zu wie der traditionellen Vater-Mutter-Kind-Familie, scheut aber (noch) davor zurück, für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und damit auch für gleichgeschlechtliche Erziehungsgemeinschaften genau dieselben Rechte und Pflichten zu fordern wie sie verschiedengeschlechtlichen Ehen und Familien gewährt werden.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Die Geschichte der Emanzipation von Minderheiten lehrt aber, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die volle Gleichberechtigung erreicht sein wird. Denn ein bisschen Gleichberechtigung ist keine. Allerdings kommt der Fortschritt nicht von alleine, man/frau muss schon kräftig mithelfen und immer wieder Druck machen, damit der Gesetzgeber endlich der Lebenswirklichkeit Rechnung trägt.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, ist doch eine kinderfreundliche, gezielt die Zukunft unseres Volkes sichernde Familienpolitik erklärtermaßen ein Grundpfeiler der schwarz-roten Bundeskoalition. Genauer betrachtet, ist hier wie auch auf anderen Politikfeldern eine gewisse Sozialdemokratisierung unübersehbar. Was nach der Überbetonung neoliberaler Denk- und Verhaltensweisen der vorangegangenen Bundesregierungen kein Schaden ist. Kein Wunder, dass nun aus der konservativen Ecke Widerspruch laut wird und Angst um das eigene Profil keimt. Die Traditionalisten in Parteien, Kirchen und Gesellschaft werden jedoch auf Dauer die rechtliche Gleichstellung von Homos und Heten nicht verhindern können, weil im Rechtsstaat für alle, die gleiches tun, gleiches Recht gelten muss.

20, Januar 2006



#1 VOLKSERZIEHUNGSHELFER mit EichenlaubAnonym
  • 20.01.2006, 19:02h
  • recht gelungene beschreibung eines vorgangs mit decouvrierender wortwahl

    ....Rechte und Pflichten....gewährt werden...
    (obige hat man, vive la republique !)

    ...gezielt die Zukunft unseres Volkes sichernde Familienpolitik .....
    (oh ja, und wir schwulen basteln schwarz-rot-gülden mit, für´s nächste leckerlie)

    boah, schwul und statsmännisch: du bist deutschland...du bist angekommen...du bist
    dabei !!! - oder warst noch wie weg ?
    mit völk.... gruss ?
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#2 uliAnonym
  • 20.01.2006, 19:21h
  • @VOLKSERZ....usw.

    ."...Genauer betrachtet, ist hier wie auch auf anderen Politikfeldern eine gewisse Sozialdemokratisierung unübersehbar...."

    allerdings.. beim autor auch.

    "wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich.." (SPD 1914)

    ...und leisten ehrerpusslig unseren erziehungsbeitrag für die große zukunft unseres volkes...
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#3 ORIENTEXPRESSAnonym
  • 20.01.2006, 19:43h
  • das ideologische umfeld der verhinderten
    flak-helfer-generation kann man auf folgender seite besichtigen:

    www.frieling.de/Gesamtkatalog/bookSearch

    dort teilen andere in buchform noch anderes mit.

    der familienvater friedenberg weiß um die nöte des volkes und um die quellen schöner bilder.
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#4 rudolfAnonym
  • 25.01.2006, 18:28h
  • Wenn unser Staat von Menschen wie Köhler repräsentiert wird, wenn er sich in den UN für schwule und lesbische Rechte einsetzt, dann ist Patriotismus keineswegs verwerflich. Die moderne Schwulenbewegung wurde übrigens auch in Berlin von einem deutschen Juden und königlich-preußischen Sanitätsrat begründet. Es gibt in diesem Land eben auch viele positive Traditionen.

    Mit der Pflege von neurotischem Selbsthaß stellt sich die Linke selbst ein Bein. Das wußten früher nicht nur deutsche Sozialdemokraten, sondern auch deutsche Kommunisten. Aber früher hatten die ja auch noch analytische Köpfe...
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#5 metinAnonym
  • 28.01.2006, 16:19h
  • @) rudolf

    wer war dieser sanitätsrat ?
    wer waren die analytischen Köpfe der Kommunisten ?
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#6 björnAnonym
  • 28.01.2006, 16:30h
  • @ rudolf

    ich stimme dir zu

    Max Reimann erklärte analytisch:

    "Wir lehnen das Grundgesetz ab, weil es die Spaltung Deutschlands bedeutet."

    Am 23.5.1949 wurde das Grundgesetz nach Unterzeichnung durch die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder, der Landtagspräsidenten und der Mehrheit der Mitglieder des Parlamentarischen Rats in Kraft gesetzt.

    Die KPD-Fraktion verweigerte ihre Unterschrift und Max Reimann erklärte:
    "Sie, meine Damen und Herren, haben diesem Grundgesetz, mit dem die Spaltung Deutschlands festgelegt ist, zugestimmt. Wir unterschreiben nicht. Es wird jedoch der Tag kommen, dass wir Kommunisten dieses Grundgesetz gegen die verteidigen werden, die es angenommen haben."

    Und so ist es denn auch gekommen. Das Grundgesetz ist in der Zwischenzeit an nahezu 100 Stellen entscheidend verändert worden. Ich erinnere an die Remilitarisierung und an die Einführung der Bundeswehr. Die Kommunisten sind es gewesen, die immer konsequent und mit vielen Opfern verbunden die demokratischen Inhalte des Grundgesetzes gegen die reaktionären Veränderungen verteidigt haben.

    Rudolf was meinst Du, ist das KPD-Verbot
    immer noch in Kraft wegen der anlytischen Köpfe ?
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#7 holga-waldaAnonym
  • 30.01.2006, 10:24h
  • @) björn

    Ernst Thälmann, KPD, erklärte:
    Wer Hitler wählt, wählt Krieg !

    .....deutschen Juden und königlich-preußischen Sanitätsrat ........

    Das ist der vielleicht unbewußte Versuch
    die Unwissenheit der Jüngeren zu nutzen,
    sie mit dem Begriff Nation zu versöhnen,
    weil man die Zeit für gekommen hält.
    Die Frage ist für was ?
    Es geht wohl um M. Hirschdeld.
    .".......1918/19 unterstützte Hirschfeld die Noske-Fraktion der SPD, die den Weltkrieg mit angezettelt hatte und 1919 die Rückgabe der deutschen Kolonien in Afrika verlangte, weil diese zum Überleben der deutschen Arbeiterklasse notwendig seien und weil die Arbeiter an der "Kulturarbeit der weißen Rasse in Afrika" beteiligt werden müßten.

    Daß er und so viele seiner Mitstreiter Opfer des Antisemitismus waren, ließ sie dennoch nicht grundsätzlich an ihrer eigenen Selektionsexualitätstheorie zweifeln, obwohl sie als Verfolgte die Auswirkungen von "Minderwertigkeit" und Selektion persönlich spürten. Viele von ihnen fühlten sich als Teil des deutschen Bildungsbürgertums, dessen irrationales Denken Lucács so trefflich als Vorfeld des Nationalsozialismus analysiert hat. Viele waren auch zu Atheisten geworden, so daß sie ihre Zuordnung zum Judentum durch die extreme Rechte zurückwiesen. Die Aktivisten der Ärztlichen Gesellschaft für Sexualforschung und Eugenik waren oftmals dieselben wie die der berüchtigten Berliner Anthropologischen Gesellschaft, einige von ihnen machten unter den Nazis Karriere, viele andere mußten emigrieren. Die Reihen der Ärztlichen Gesellschaft wurden gelichtet durch tragische Schicksale, von denen das des Eugenikers Arthur Czellitzer, der sich offen zum Judentum bekannte, vielleicht das extremste, bei weitem aber nicht das einzige Beispiel ist: er forderte die Einführung von "Sanitätspässen" (Gesundheits- und Ahnenpässen, wie den Ehetauglichkeitsbescheinigungen) und starb nach gescheiterter Emigration im KZ Sobibor - als Opfer seiner eigenen Theorie, die die Nazis gegen ihn wendeten.
    Man fragt sich, warum in der jetzigen neoimperialistischen Phase, in der Europa erneut durch deutschen Kriegseinsatz aufgeteilt wird (im Südosten, wo schon die Alldeutschen begehrlich waren), in der zur Rechtfertigung der Kriegseinsätze das Gedenken an die Opfer des Faschismus instrumentalisiert wird und in der eine seit den 30er Jahren nicht mehr gesehene gigantische Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums weg von den Projekten zum Schutz der Schwachen (z. B. in der Gesundheits-, Behinderten-, Altersrentenpolitik) hin zu den Modernisierungsvorhaben der Kapitalverwerter stattfindet, einhellig die Forderung erhoben wird, eine Stiftung zur "Wiedergutmachung" der Nazi-Verbrechen an den Homosexuellen (und nicht etwa auch z. B. an den Behinderten) ausgerechnet nach Magnus Hirschfeld zu benennen, einhellig von der Frauen- und Lesbenpolitikerin der PDS Christina Schenk (43) bis zu Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (44) Die Historisierung des Faschismus dient der Wiederverwertung einzelner Politikelemente. Der brave Hans-Georg Stümke hat es wohl anders gemeint, als er im Juli 1999 schrieb: "Der Aufklärer Hirschfeld war kein Vordenker der Nazis. Er war Sozialdemokrat." ...." ( Peter Kratz)

    home.snafu.de/bifff/IfSw1.htm
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