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  • 29. Dezember 2003, noch kein Kommentar

Die Wahl eines anglikanischen Bischofs ist gewöhnlich nur von lokalem Interesse. Doch Gene Robinson ist schwul - ein Kirchenskandal. Wir sprachen mit ihm.

Von Dennis Klein

Seit Anfang November ist Gene Robinson anglikanischer Bischof der Diözese New Hampshire (USA). Der 56-Jährige ist der erste offen schwul lebende Gottesmann in diesem Amt. Nach seiner Wahl im Sommer ist in der 77-Millionen Mitglieder zählenden Kirche ein heftiger Streit über Homosexualität entbrannt. Seit 1989 lebt Robinson mit seinem Partner Mark zusammen. Davor war er verheiratet und hat mit seiner Ex-Frau das gemeinsame Sorgerecht über zwei Kinder.

Der Erzbischof von Nigeria nannte Ihre Wahl zum Bischof einen "Angriff des Satans auf Gottes Kirche". Überrascht Sie die Kritik an Ihrer Person?
Ich hätte nicht so viel Gegenwind erwartet. Ich denke, jeder sollte in seinem Hinterhof gucken, bevor er andere kritisiert. Denn es gibt unzählige soziale Probleme auf der Welt, es gibt Obdachlosigkeit und Hunger. Darüber müsste man sprechen.

Viel Kritik kam auch aus den USA. Einige konservative Diözesen sprechen bereits von Abspaltung, weil sie sagen, die Bibel verurteile Homosexualität.
Meiner Meinung nach wird eine treue, monogame Beziehung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen in der Bibel einfach nicht angesprochen. Die Stellen, die immer wieder zitiert werden, handelt von heterosexuellen Männern, die sich homosexuell verhalten, was nicht ihrer Natur entspricht. Das Konzept von Homosexualität ist sowieso erst 100 Jahre alt, man muss die Bibel daher im geschichtlichen Zusammenhang lesen. Die Bibel verbietet auch, Meeresfrüchte zu essen, aber wir tun es dennoch.

Verstehen Sie die Aufregung?
Ja, wir hatten ja ähnliche Geschichten schon vorher. Als Frauen Geistliche oder Bischöfinnen geworden sind, glaubten viele, dass die Bibel auch das ablehnt. Damals sprachen auch viele von Abspaltung. Jedesmal, wenn wir eine Tradition verändert haben, ist das hart für Leute. Niemand mag Veränderungen, das liegt in der menschlichen Natur.

Werden die christlichen Kirchen denn je tolerant gegenüber Lesben und Schwulen sein?
Ich glaube, die Kirche wird mehr und mehr so, wie sie Christus gerne haben würde – eine offene und einladende Gemeinschaft. Jesus war insbesondere um Außenseiter und Geächtete bemüht – das sind die Leute, mit der die Kirche sich mehr befassen sollte. Wenn wir das tun, kommen wir Christus einen Schritt näher.

Seit knapp 15 Jahren leben Sie mit Ihrem Partner Mark zusammen. Haben Sie Ihre Beziehung je verheimlicht?
Wir waren immer offen. Kurz nachdem Mark nach New Hampshire gezogen ist, um mit mir und meinen beiden Töchtern zusammen zu wohnen, haben wir unser Haus segnen lassen – 80 Leute hier aus der Diözese waren damals anwesend, darunter auch 20 Geistliche. Diesen Gottesdienst hatte damals mein Bischof geleitet.

Wie wichtig war die Unterstützung Ihres Partners Mark?
Ohne seine Zustimmung hätte ich das Amt nicht angestrebt. Ihm werden ja auch Opfer abverlangt mit dem ganzen Streit und der Berichterstattung. Im Moment sieht er mich sehr viel weniger und als Bischof muss ich ja auch oft spätabends oder am Wochenende arbeiten. Das hat große Auswirkungen auf unser Leben. Aber er hat mich völlig unterstützt, er ist einfach ein wundervoller Mensch. Er ist aber auch sehr ruhig und dass er mich so unterstützt, jetzt, wo wir beide im Rampenlicht stehen, bedeutet mir viel. Mark ist der Mann, mit dem ich alt werden möchte.

Wenn es in den USA möglich wäre, würden Sie Mark heiraten?
Auf jeden Fall. Ich glaube, dass sich die Gesetze in diesem Land verändern müssen. Man muss schwul-lesbischen Paaren die selben Rechte und Pflichten geben wie heterosexuellen. Ob das dann Ehe heißt oder anders, ist mir egal.

Gehen Sie auch in schwule Bars?
(lacht) Wissen Sie, ich bin 56 und gehe meist schon um 22 Uhr ins Bett – bei den meisten Bars und Clubs geht's erst um ein Uhr morgens los. Früher habe ich das aber gerne gemacht; ich mag Spaß, wie jeder andere auch. Wenn ich Freunde in New York City besuche, gehen wir mal einen trinken. Aber ich kann mir nicht mehr die Nacht um die Ohren schlagen.

29. Dezember 2003, 16:29 Uhr



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