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In Berlin steht der Entwurf für das Denkmal für schwule NS-Opfer fest. Bundesweit findet zudem der Gedenktag an die NS-Verbrechen statt.

Von Dennis Klein

(queer.de) - Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das notorische Konzentrationslager Auschwitz. Jedes Jahr wird daher an die Opfer der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten gedacht, seit 1996 gibt es auch eine offizielle Gedenkfeier im Bundestag. Für Schwule und Lesben ist der Tag dieses Jahr noch wichtiger, da jetzt der Sieger-Entwurf des Kunstwettbewerbes für das Berliner Denkmal für die ermordeten Homosexuellen im Dritten Reich bekannt gegeben wurde.

Am Mittwoch hat eine elfköpfige Jury aus den 17 eingereichten Entwürfen die Arbeit des norwegisch-dänischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset empfohlen. Das Denkmal soll an der Ebertstraße gegenüber dem Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman stehen.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Das Denkmal ist ähnlich wie Eisermans Stätte in Stelen aufgebaut. Diese sollen schräg emporragen und zusammenstehen wie in einer Art Haus. Durch ein schräg eingeschnittenes Loch kann man dort hineinblicken und sieht ein projiziertes Schwarzweiß-Filmbild einer "endlos wirkenden Kussszene zwischen zwei Männern", wie der Jury-Vorsitzende Prof. Norbert Radermacher erklärt. "Die von Außen eher kühl oder abweisende Betonform bekommt so einen ganz intimen Aspekt. Ohne verbale Hilfestellungen oder schriftliche Erklärungen wird hier das Thema der Homosexualität direkt und doch subtil vorgestellt." Das Denkmal soll so schnell wie möglich gebaut werden. Die Einrichtung des Denkmals war 2003 vom Bundestag beschlossen worden. Der Bund stellt dafür 450.000 Euro zur Verfügung.

In Berlin trafen sich derweil am am frühen Nachmittag Schwule und Lesben auf dem Nollendorfplatz in Berlin zu einer Gedenkminute. In Köln haben rund 40 Teilnehmer Blumen auf das Mahnmal "totgeschwiegen - totgeschlagen" am Rheinufer gelegt. Wegen der Kürzungsabsichten der NRW-Landesregierung bei den Mitteln der schwul-lesbischen Selbsthilfe ließ sich diesmal - anders als in den letzten Jahren - kein offizielles Programm und keine Kranzniederlegung organisieren.

27. Januar 2006



26 Kommentare

#1 RogerAnonym
  • 27.01.2006, 15:59h
  • In Deutschland muss wohl jedes Mahnmal aus grauem Beton bestehen und auch noch wie ein Trafohäuschen ausschauen.
    Das besagt bestimmt eine Richtlinie des Paragraphen 34awXY zur gefühlslosen gestaltung eines Denkmals in eurem Land.
    Also sieht immer alles so aus, das mir kein einziger Gedanke an Krieg und Holocaust in den Sinn kommt...
    Da würde eine einfache Gedenktaffel seinen Zweck bestimmt auch erfüllen.
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#2 sylviafeeProfil
  • 27.01.2006, 16:41hBerlin
  • Also mir gefällt es. hat etwas mahnendes , stilles auch unheimliches.
    Es soll mahnen an die lesbisch, schwulen Opfer, an das lange vergessen dieser Opfer, an das lange totschweigen....... an heutige immer stärker werdenden Diskriminierungen und Übergriffe.
    Toll das sichtbare Bild von innen.
    Sollte es schrill und bunt sein????
    Also ich sage gut gewählt
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#3 VollkornmannAnonym
  • 27.01.2006, 17:25h
  • Also ich muß auch sagen, daß ich mich mit dem Betonklotz absolut nicht identifizieren kann!

    Nach langem Starren auf das Bild glaubte ich, ein Gesicht im Relief zu erkennen, aber das war offenbar ein Kompressionsartefakt: Wunschdenken, weil die gestalterische Einfallslosigkeit sogenannter Künstler mein Vorstellungsvermögen immer wieder neu übersteigt.

    Wieder so ein nichtssagendes »Mahnmal«, das den Vorübergehenden gleichgültig läßt, weil er nicht mal kapiert, worum’s geht. – Wer wird schon extra seinen Kopf in das Betonloch stecken, um den Film zu sehen? Eher wird die anfällige Technik in Kürze durch Vandalismus und Abfall ruiniert sein, der Block irgendwelche Graffiti tragen. Und wenn’s gut geht, in ein paar Jahren (aus Versehen) entsorgt werden.

    Für ein deutliches »Homomonument« wie in Amsterdam ist Deutschland offenbar immer noch nicht reif genug.
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#4 qafAnonym
  • 27.01.2006, 22:52h
  • ob das gedenken der opfer vor dem hintergrund, den uns ein gayforum namens "gayromeo" täglich präsentiert, so viel bringt, ist mit einem grossen fragezeichen versehen. denn wenn man bedenkt wieviele neonazis sich darin tummeln, wird mir speiübel.

    ansonsten wäre noch das hier zu sagen, was dann wahrscheinlich unter "meinungsfreiheit" läuft:

    "Karlsruhe erlaubt Neonaziaufmarsch"
    -->
    www.jungewelt.de/2006/01-28/033.php
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#5 egalAnonym
  • 27.01.2006, 23:47h
  • Und wieder werden die Lesben vergessen, denn es saßen auch Lesben, wenn auch nicht mit rosa, aber mit rotem oder schwarzen Winkel nachweislich u.a. in Ravensbrück. Auch wenn der § 175 nicht, wie von Himmler 1935 gefordert, auf Frauen ausgedehnt wurde, waren sie ebenso Opfer der Zerschlagung des öffentlichen Lebens und des allumfasenden Überwachungsstaates und landeten eben auch oft in Konzentrationslagern, wurden dort oftmals in den Lagerbordellen eingesetzt (*). Wäre schön gewesen, wenn sich zwei Bilder mit jeweils einem Frauen- und einem Männerpaar in dem Betonklotz abwechseln würden.

    * Quelle: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität von Claudia Schoppmann,

    www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3890855385/qid%3D1138401547/s
    r%3D1-1/ref%3Dsr%5F1%5F10%5F1/303-5897694-3144228
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#6 W.GrossmannAnonym
  • 28.01.2006, 15:42h
  • Ist das auch ein Denkmal für die homosexuellen Ernst Röhm(Chef der SA) und Baldur von Schirach(Chef der HJ)??
    Wenn schon homosexuelle Opfer des Nazi-Regimes gesondert aufgeführt werden,dann sollten vieleicht auch die homosexuellen Nazis in den Geschichtsbüchern getrennt aufgeführt werden-wäre doch nur logisch-oder??
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#7 natuerlichAnonym
  • 28.01.2006, 18:43h
  • auch ich muss bemängeln, dass bei dem mahnmal nur der schwulen opfer gedacht wird ... wieso ignoriert manN die lesbischen opfer?

    ohnehin verstehen die meisten heteros unter dem begriff "homosexuelle" nur schwule, sehen das mahnmal für homosexuelle opfer und werden bestätigt ... aber das lesben auch homos sind, wird einfach unter den tisch gekehrt ...
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#8 madridEUAnonym
  • 28.01.2006, 22:14h
  • Soweit ich informiert bin, unterlagen sexuelle Handlungen zwischen Frauen niemals dem Paragraphen175 , auch nicht im 3.Reich. Wenn sich nun lesbische Homosexuelle mit uns solidarisieren, kann man das @natuerlich nur begrüssen.
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#9 rudolfAnonym
  • 29.01.2006, 16:30h
  • Ich meine auch, daß Lesben berücksichtigt werden müssen.

    Aber insgesamt bin ich über das Denkmal freudig überrascht und dankbar. Die breite politische Unterstützung macht mich froh, in Deutschland zu leben. Daß es nicht selbstverständlich ist, daß an die Häftlinge mit dem rosa Winkel erinnert wird, zeigt das KZ Auschwitz in Polen. Das hat wohl mit dem langen Arm der kath. Kirche zu tun.
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#10 egalAnonym
  • 29.01.2006, 16:31h
  • @madridEU
    Kleine Nachhilfestunde in Geschichte: der § 175 galt nicht für Frauen (Himmler hatte es allerdings 1935 gefordert, ihn auf Frauen auszudehnen) aber es gab genug andere Paragraphen, unangepaßte Personen als z.B. asozial (schwarzer Winkel) ins KZ zu stecken. Mit Mitte 20 noch unverheiratet zu sein war auch schon sehr verdächtig, ein "fleissiger" Blockwart tat sein übriges dazu und frau fand sich dann schneller als vorstellbar mit schwarem Winkel im KZ wieder. Nicht ohne Grund gab zu Beginn des 3. Reiches (solange es die Zeitschriften halt noch gab) viele Heiratsanzeigen, wo Lesben Schwule und umgegehrt zum Heiraten suchten. Die Verfolgung von Lesben lief viel subtiler ab, ohne das es einen Paragraphen 175 bedurfte und genau diese Opfer werden nun wiederum vergessen. Für weitere Lektüre empfehle ich: Zeit der Maskierung; Lebensgeschichten lesbischer Frauen im 'Dritten Reich'; von Claudia Schoppmann.

    www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3596135737/qid=1138548293/sr=
    1-1/ref=sr_1_10_1/303-5897694-3144228
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