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  • 31. Januar 2006, noch kein Kommentar

Warum macht ein offener Hosenschlitz einen Psychiater verrückt? 16 Geschichten voll Liebe, Hass und Sehnsucht.

Von Dennis Klein

Die Kurzgeschichten-Sammlung des in Berlin lebenden Autors Gregorio Ortega Coto handelt trotz des Titels nicht von verkannten Winnetous auf der Suche nach dem Schuh des Manitu. Statt dessen erzählen die Storys von homoerotischen Abenteuern, verschwommenen Kindheitserinnerungen, starken Frauen oder auch einfach alltäglichen Erlebnissen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Der Leser verfolgt insgesamt 16 Geschichten von ganz normalen Menschen – Männern, Frauen, Kindern, Spießern, Abenteurern – die in ihrer eigenen Welt gefangen sind. Was auf den ersten Blick manchmal ganz unspektakulär wirkt, wird durch einen kleinen Dreh ins Groteske gesteigert und legt so den ganz normalen Wahnsinn bloß, der sich oft in unserem Alltag verbirgt. So dreht sich die Titelgeschichte "Die versengten Nägel eines untauglichen Indianers" um eine höchst unromantische Sitzung bei einem New Yorker Psychiater – und einen offenen Hosenschlitz.

16 Mal wird der alltägliche Kampf mit den Herausforderungen des Schicksals beschrieben und wie der Einzelne auf Veränderungen reagiert. So geht es um einen Jungen, der lieber im Brautkleid als in einer Armeeuniform die Erstkommunion empfangen will; oder wir hören von einer Transe, die in ihr spanisches Heimatdorf zurückkehrt, Verachtung erfährt und sich rächt. Von einem Berliner Hochhausbewohner, der von seinem Freund sitzen gelassen wird und sich nun in den neuen Nachbar verguckt; und schließlich erzählt Coto von einem Kinogänger, der in der Pinkelpause vom Objekt seiner Begierde angemacht wird.

Coto scheint seine Geschichten aus seiner Biografie zu ziehen: 1946 als Sohn spanischer Auswanderer geboren, zog er im Alter von zwölf Jahren nach Spanien. Er lebte auf den kanarischen Inseln und in England. Seit 30 Jahren arbeitet er als Sozialarbeiter in Berlin. Seine Storys verfasst er sowohl auf Spanisch als auch auf Deutsch. Der Leser spürt, wie viel persönliches Herzblut der Autor in die Geschichten steckt: Er beschreibt detailliert das Leben junger Schwuler in der deutschen Hauptstadt - einmal geht es um einen Rosenverkäufer, der das Leben eines Paares arg durcheinander bringt. In der letzten Story – "Sprachweh" – berichtet er von der Sehnsucht eines jungen Spaniers nach seiner Heimat, die zur Trennung von seinem Freund in Berlin führt.

Gregorio Ortega Coto: Untaugliche Indianer, Erzählungen, 120 Seiten, MännerschwarmSkript Verlag, ISBN 3935596774, 16 Euro

31.01.2006