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  • 10. Februar 2006, noch kein Kommentar

Zum 20. Mal wird auf der Berlinale der Teddy Award vergeben. Ein Interview mit Wieland Speck, Leiter des Berliner "Panorama" und Teddy-Zeitzeuge.

Von Carsten Weidemann

Der Teddy Award wird 20: Aus diesem Anlass hat das Berliner Panorama gemeinsam mit dem Filmmuseum eine Retrospektive zusammengestellt. Der Teddy Twenty Tribute präsentiert Teddygewinner aus zwanzig Jahren und dokumentiert damit die bewegte Geschichte des schwul-lesbischen Films. Ein Gespräch mit Wieland Speck, dem Leiter des Panorama und einem Teddy-Zeitzeugen der ersten Stunde, über frühe Kämpfe, alte Wunden und späte Anerkennung. Trotz der Fortschritte in der Emanzipation hat der Kampf gegen Diskriminierung keinesfalls an Wichtigkeit verloren, sagt Speck. "Wir sind längst noch nicht da, wo wir denken, dass wir sind."

Wie ist die Idee zum Teddy entstanden, was waren die Motive, einen schwul-lesbischen Filmpreis zu vergeben?

Es fing an, als Manfred Salzgeber 1980 von Moritz de Hadeln mit der Leitung des Panorama betraut wurde, das damals noch "Info-Schau" hieß. Manfred hatte in Berlin eine neue Kinoszene aufgebaut, die dann auch eine andere Arbeit im Festival verlangte. Das hat das Panorama geleistet, nämlich die Filme zu bringen, die für diese neuen Arthouse-Kinos interessant waren.

Parallel zur Emanzipationsbewegung bei den Frauen und den Schwulen kamen damals auch immer mehr Filme zu beiden Themen. Beim Frauen-Thema waren wir nicht die einzigen, aber für die Schwulenfilme waren wir die einzigen und zwar weltweit. Als wir sahen, dass wir mit den Filmen auch die Macher und Theoretiker hergelockt haben, ergab sich die Idee, während der Berlinale Meetings zu veranstalten. Die fanden im "Prinz Eisenherz" Buchladen statt. Dort haben wir auch ein Nachtcafé eingerichtet, wo wir Filme auf 16mm und Video gezeigt haben, die ansonsten nicht im Festival Platz gefunden haben, die aber wichtig waren für diese subkulturelle Szene.

Aus diesem Arbeitszusammenhang entwickelte sich dann die Idee, einen schwullesbischen Filmpreis zu vergeben. Während des Festivals von 1987 habe ich beschlossen, diese Gruppe, die sich da traf, zu fragen: Was ist für euch der beste Film gewesen? Da kam heraus: bei den Langfilmen Pedro Almodóvar und bei den Kurzfilmen Gus van Sant, die beide zu diesem Zeitpunkt noch niemand kannte. Das war die erste Juryentscheidung und damit die Geburtsstunde des Teddys. Für zehn Jahre waren diese Treffen dann die Teddy-Jury - mit der Auflage, dass die Leute den gesamten Zeitraum des Festivals da gewesen waren und mindestens 85 Prozent der Filme gesehen hatten.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Inwiefern konnte man damals von einem Genre "schwullesbischer Film" sprechen? Hat die Arbeit des Panoramas dazu beigetragen, ein solches Genre aufzubauen?

Ich würde sagen, das ging Hand in Hand. Sobald die Filmemacher merken, dass es eine Stelle gibt, wo sie wahrgenommen werden, bestärkt sie das in ihrer Arbeit. Es ist ja bis heute so, dass schwullesbische Filme meist die Filme sind mit dem geringsten Budget. Wenn es um Minderheiten geht, halten sich die Verleiher und Financiers üblicherweise zurück. Deshalb ging es uns von Anfang an ja auch nicht nur darum, dass ein Film schwullesbisch ist, sondern dass wir hier gute Filme zeigen. Wir haben nicht etwa eine subkulturelle Extra-Schiene aufgemacht. Das hätte der Wahrnehmung des Panoramas und auch der Filme geschadet. So haben wir eine viel stärkere Präsenz dieses Segments erreicht. Die Einkäufer haben nun gesehen: Es gibt ein Stadtpublikum, das sich dafür interessiert - und zwar ein Publikum, das weit über die Schwulen und Lesben hinausgeht.

Gab es damals auch Kritik daran, durch einen Preis die Filme in Konkurrenz zu bringen? Bei der Gründung des Forums war das ja immerhin ein sehr wichtiger Abgrenzungspunkt gegen das etablierte Festival: "Keine Wettbewerbssituation schaffen".

Als die Idee für den Teddy entstanden ist, hatte man aber schon bemerkt, dass ein Preis den Filmen nützt. Zum Beispiel deshalb, weil die Presse gerne einen Aufhänger hat, um über einen Film zu berichten. Es ist auch wichtig - gerade bei einem Preis, der sich politisch versteht wie der Teddy - dass ein Filmemacher mit einem Preis von der Berlinale in sein Land zurück kommen kann, wo er aufgrund seiner Arbeit eigentlich geächtet ist. Die Zwickmühle, in die wir die Situation in bestimmten Ländern damit gebracht haben, hat uns natürlich besonders gut gefallen und die war auch sehr effektiv.

Ich mache auch in der Festivalvorbereitung immer wieder die Erfahrung, dass meine Frage nach dem schwullesbischen oder transidentischen Filmschaffen in vielen Ländern erst mal Sprachlosigkeit hervorruft. Aber weil es immerhin um die Berlinale geht, müssen sie dann eben doch gucken: Was ist denn da eigentlich? Das sind politische Fragen, die auch den Hintergrund für den Teddy abgegeben haben. Deshalb haben wir uns auch nie die Frage gestellt, ob wir den Teddy noch brauchen. Die Presse hat diese Frage immer mal wieder aufgeworfen. Man meinte, das Thema habe sich erledigt, weil es nun schon schwule Bürgermeister gibt. Es hat sich aber längst nicht erledigt - bei uns nicht und schon gar nicht in den meisten Ländern dieser Welt, wo es weiterhin einen absoluten Nachteil bedeutet, schwul oder lesbisch zu sein.

Die Berlinale feiert das 20-Jahre-Jubiläum mit einem Tribute-Programm aus acht Spiel- und acht Dokumentarfilmen sowie allen 20 Teddy-Kurzfilm-Gewinnern. Die Verleihung der Awards findet am 17. Februar im E-Werk statt. Ab 23:30 folgt dann die große Teddy-Party. Karten können an allen bekannten Vorverkaufsstellen in Berlin, online bei www.ticketonline.de oder telefonisch beim Kartenservice unter 01805-4470 erworben werden.

10. Februar 2006