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  • 15. Februar 2006, noch kein Kommentar

Die Augen eines "Superstars", Blut und Federn von Ute Lemper und "12 Songs" von Neil Diamond. Wir haben reingehört.

Von Jan Gebauer

Ute Lemper – "Blood & Feathers"

Mit der Dietrich hat man Ute Lemper gerne verglichen. Beide teilen das gleiche Schicksal: In der Welt bewundert und umjubelt – in Deutschland eher frostig aufgenommen. Lempers Publikum liebt sie, die Medien ignorieren sie gerne. So wird man wohl auch kaum große Berichte über ihr neues Album "Blood & Feathers" finden – ein Live-Werk, aufgenommen im Café Carlyle in New York. Mal nicht die Carnegie Hall, in der sie sonst auch schon mal zu Gast ist. Auf der CD gibt es eine Auswahl von bekannten Lemper-Interpretationen aus dem Weill/Brecht-Katalog, Chansons wie "Milord" oder auch zeitgenössisches Songwriter-Material von Tom Waits, Sting oder Van Morrison. Im Mittelpunkt steht ein langes Medley, das den Mond zum Thema hat (nein, "Moon River" ist nicht dabei). Die Lemper ist eine große Perfektionistin – jeder Ton sitzt, ihre Worte zwischen den Stücken sind wohl gewählt und unterhalten das Publikum punktgenau.

Besonders ihre kleinen Scherze über die deutsche Heimat sind ein Schmunzeln wert. Lempers Stimme ist geschliffen scharf, was nicht immer angenehm zu hören ist. Wenn sie beispielsweise bei "The Ladies Who Lunch" oder "Grapefruit Moon" ihr Organ über alle Maßen die Oktavenleiter hinaufjagt, wirkt der Gesang regelrecht schrill und penetrant. Das macht die Chanteuse dann aber mit zarteren Stücken wie dem unumgänglichen "Lili Marlene" oder Friedrich Hollaenders "Münchhausen/The Baron of the Lies" wieder wett. Dennoch hinterlässt die Lemper einen zweifelhaften Eindruck: Eine brillante Technikern ist sie ohne Frage, aber mit dem Gefühl hapert es an manchen Stellen.

Offizielle Ute-Lemper-Homepage

Neil Diamond – "12 Songs"

In den USA regt sich allmählich eine Gegenbewegung zum Einheitsbrei aus Hip Hop, Macker-Rap und hirnlosem Pop-Mist, zumindest wenn man die Alben-Charts im Auge behält. Alte Recken, die noch in den 70er Jahren zu den Top-Sellern gehörten, stehen plötzlich wieder ganz oben an der Spitze: Barry Manilow steht derzeit auf Platz eins, Carly Simon und Rod Stewart feiern Triumphe mit ihren Standard-Alben und auch Neil Diamond veröffentlicht mit "12 Songs" sein erfolgreichstes Album seit rund 25 Jahren. Nun ist ja bekanntlich der kommerzielle Erfolg nur ein kleines Indiz dafür, dass die CD auch wirklich gut ist – im Falle von Diamond muss man allerdings von einem Album sprechen, dass zu den besten seiner Karriere zählt. Ohne großen Studio-Schnickschnack hat der Meister insgesamt 14 Songs aufgenommen ("12 Songs" plus zwei Bonus-Tracks), die so gefühlvoll und glaubhaft klingen, wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

Dabei hat sich der Meister, der für Evergreens wie "Song Sung Blue", "I’m a Believer", "I Am, I Said" und "Sweet Caroline" verantwortlich ist, auf das besonnen, was er am besten kann: Songwriting und ausdrucksstarkes Singen. Seine Stimme ist mit den Jahren auf reizvolle Weise rauer geworden, was seinen Liedern ungemein gut tut. Und wem ist das zu verdanken außer Diamond selber? Rick Rubin, der schon die spartanischen Spätwerke von Johnny Cash produzierte und diesen zu neuen kommerziellen und künstlerischen Höhen brachte. Hoffen wir nur, dass das deutsche Publikum auch so gut hinhört wie bei Cash. Und das weitere großartige Alben in dieser Art folgen. In der B-Note gibt es aber Abzug für das äußerst magere Booklet – keine Texte, keine Credits, keine Gedanken zu den Songs. Schade!

Offizielle Neil-Diamond-Homepage

Alexander Klaws – "Not Like You"

Er ist wieder da, und diesmal sogar mit vollem Namen: Alexander Klaws, Gewinner der ersten "Deutschland sucht den Superstar"-Staffel, kommt passend zu den letzten Runden des Casting-Spektakels mit einer neuen Single namens "Not Like You" (Veröffentlichung: 24. Februar). Das Album soll dann im März folgen. Allerdings muss man erstmal abwarten, wie die Single läuft.. Nur allzu logisch, denn zuletzt mussten alle Casting-Teilnehmer Federn lassen: Daniel Küblböck blamierte sich bei "Big Brother" und seine neue CD "Liebe Nation" ging unter. Gracia wurde beim Grand Prix Letzte, Juliette Schoppmann scheint im Vorruhestand und die anderen? Karriere tot, bevor sie erst richtig begann. Alexanders musikalische Weste ist noch weitgehend weiß: Seine beiden Alben schafften beide den Sprung auf Platz eins und auch in den Single-Charts hatte er zahlreiche große Treffer – mit und ohne Dieter Bohlen. Der neue Song "Not Like You" klingt zwar nicht sonderlich individuell oder waghalsig, ist aber auch nicht unsympathischer als viele andere Songs, die Tag ein Tag aus im Radio dudeln. Und nett anzuschauen ist der Teenie-Schwarm auch immer noch – nach wie vor mit leichtem Kinnbart. Man beachte die pralle Gürtelschnalle auf dem Cover!

Offizielle Alexander-Klaws-Homepage

15. Februar 2006