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  • 05. Januar 2004, noch kein Kommentar

Von Dennis Klein

Die Regierung in London will in diesem Jahr so genannte "Civil Partnerships" für Schwule und Lesben einführen. Großbritannien wäre damit das elfte von den augenblicklich 15 EU-Mitgliedsländern, das die Homo-Ehe einführt. Lediglich in Italien, Griechenland, Irland und Luxemburg bliebe demnach schwulen und lesbischen Paaren die staatliche Anerkennung ihrer Beziehung verwehrt.

Die Entscheidung für die Homo-Ehe wurde von Königin Elisabeth II im Unterhaus bekannt gegeben: "Meine Regierung wird ihren Einsatz für Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit fortsetzen, indem sie ein Gesetz über Eingetragene Partnerschaften für gleich geschlechtliche Paare einbringt." Der König oder die Königin verliest traditionell einmal im Jahr die Vorhaben der Reigerung – seit dem 19. Jahrhundert haben die Monarchen jedoch keinen Einfluss mehr auf den Inhalt des Textes.

Die "Civil Partnerships" sollen im Standesamt geschlossen werden. Heiratswillige Schwule und Lesben müssen lediglich eine geringe Gebühr zahlen und zwei Trauzeugen mitbringen.
So wird es auf der Insel für eingetragene Paare auch die Stiefkindadoption und eine gemeinsame Rentenversicherung geben. Auf der Insel feiern Homo-Gruppen wie Stonewall die Entscheidung ihrer Regierung bereits als "Riesenerfolg". Allerdings ginge das Gesetz noch nicht weit genug. Nach den jetzigen Plänen müsste ein Witwer Erbschaftssteuern zahlen, die Hetero-Hinterbliebenen erlassen würden.

Trotzdem beinhalten die "Civil Partnerships" in Großbritannien mehr Rechte als ihr Pendant in Deutschland. Volker Beck von den Grünen (Bild rechts) – im Bundestag die treibende Kraft hinter eingetragenen Partnerschaft – sagt gegenüber queer.de, dass Deutschland angesichts der positiven Entwicklungen in vielen anderen Ländern in punkto Gleichberechtigung bereits "in den mittleren bis hinteren Bereich zurück gerutscht" sei.

Das britische Gesetz wird voraussichtlich im Sommer mit großer Mehrheit im Unterhaus verabschiedet werden. Die oppositionellen Liberaldemokraten haben bereits lange die Einführung der Homo-Ehe gefordert und unterstützen das Vorhaben der Labour-Regierung. Die konservativen Abgeordneten – die sich schon seit Jahren über soziale Fragen selbst zerfleischen – unterliegen bei der Abstimmung keinem Fraktionszwang, so der Vorsitzende Michael Howard.

Trotz der voraussichtlich überwältigenden Zustimmung im Parlament, sind die Briten der Homo-Ehe gegenüber etwas reservierter als ihre europäischen Nachbarn. Nur 47 Prozent befürworten laut einer Gallup-Umfrage schwule und lesbische Hochzeiten, verglichen mit 57 Prozent im EU-Durchschnitt und 65 Prozent in Deutschland.

In der öffentlichen Debatte ist die Homo-Ehe kein großen Thema. Einer der Gründe: In Großbritannien spielen christliche Fundamentalisten nur eine untergeordnete Rolle – anders als in den Vereinigten Staaten, in denen ein Gericht in Massachusetts gerade erst die Homo-Ehe faktisch legalisert hatte und dadurch lautstarke Proteste auslöste. Selbst die konservative Londoner Tageszeitung "Daily Telegraph" stellt fest: "Wir verstehen, dass sich viele Kirchenobere gegen die Homo-Ehe wenden, aber das ist eine religiöse Angelegenheit. Was die Regierung vorschlägt, ist jedoch eine staatliche Regelung, die zurückhaltend und angemessen ist. Wir alle profitieren doch davon, wenn es stabile Beziehungen gibt, egal welche Art."

5. Januar 2004, 12:54 Uhr