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Rosenstolz sind mit ihrem neuen Album heiße Kandidaten auf den ersten Platz der Charts.

Von Carsten Weidemann

Im Englischen sagt man "sabbatical", hierzulande nennt man es wohl eher eine Auszeit oder einfach nur Pause – für Rosenstolz war das vergangene Jahr jedoch "lebensnotwendig". Nach 13 Jahren Musik ohne Unterbrechung, nach dem großen Erfolg der CD "Herz", der kräftezehrenden Tour danach, nach unzähligen Interviews, TV-Shows und vielem mehr musste einfach Ruhe sein. Denn irgendwann "begreift man das alles nicht mehr und muss dringend auf den Boden und in das eigene Leben zurück" (Pressetext Universal). Deswegen also der vorläufige Rückzug, der nun mit "Das große Leben" sein Ende findet. "Ich glaube, das ist unser privatestes Album", sagt Peter Plate über das Gesamtwerk. "In diesem Jahr konnten wir zu uns selbst zurückfinden und dann mit den neuen Liedern das erste Mal formulieren, was so wichtig ist und doch so schwer fällt – zu sagen: Ich liebe mich selbst. Mit allen Zweifeln."

Rosenstolz sind laut Universal "musikgewordene Lebenshilfe". Das waren sie schon immer und doch noch nie so souverän und kultiviert wie auf "Das große Leben". Niemand sonst bohrt so hartnäckig am Gefühlsnerv, niemand sonst führt so schonungslos Lebenstagebuch, niemand sonst hebt mit einem Lied so auf, wenn man sich am Boden glaubt – ohne Hintergedanken, einfach so. Und jetzt, nach einer langen Zeit der Besinnung, scheuen sie sich auch nicht, ihre Tiefen einzugestehen. Aus Schmerz erwacht Mut. Und davon haben sie den Menschen eine Menge zu geben. "Gehör ich hier denn noch dazu, oder bin ich längst schon draußen... Bin doch gestern erst geboren, und seit kurzem kann ich gehen, hab mein Gleichgewicht verloren, und kann trotzdem gerade stehen!" Sie schreiben diese Zeilen aus tiefster Melancholie heraus. Selbstzweifel in der Zeit, wo sie wieder ganz sie selbst sein dürfen, sich selbst als Mensch im Spiegel sehen und sich ihrer eigene Schwächen schmerzhaft bewusst werden. "Wir hätten eigentlich glücklich sein können – mit den vielen Erfolgen im Rücken. Aber plötzlich fühlten wir uns ganz nackt, klein und so unendlich verletzlich. Plötzlich haben wir alles in Frage gestellt. Aber die Antwort fanden wir in uns selbst: Wir sind, was wir sind und wer wir sind. Und dafür stehen wir!"

Rosenstolz sind zum richtigen Zeitpunkt wieder da: Sie feiern ihr 15-jähriges Jubiläum. Und "Das große Leben" ist der heißeste Kandidat für den ersten Platz der Album-Charts der kommenden Woche.

6. März 2006



20 Kommentare

#1 SaschaAnonym
  • 06.03.2006, 14:04h
  • Um "schwule Nummer eins" zu sein, müssten sie sich erst einmal sichtbar schwulenpolitisch engagieren...

    Aber das ist offenbar auch gar nicht ihre Intention. Lieber schön kommerzgerecht und heterolike ablichten lassen (das eine hier veröffentlichte Foto ist bezeichnend) - dann kommt der große Durchbruch.

    Und er kam.
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#2 GerdAnonym
#3 seb1983
  • 06.03.2006, 17:19h
  • was hat das mir engagieren zu tun?

    wenn Guido Bundeskanzler würde, man gestatte mir ein Lächeln, dann hätten wir ja auch einen schwulen Bundeskanzler, egal ob er die rosa Republik ausruft oder nicht.
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#4 SaschaAnonym
  • 06.03.2006, 19:22h
  • Ja, lieber seb1983, schwuler Bundeskanzler ist eben nicht gleich Bundeskanzler der bzw. für die Schwulen.

    Bezogen auf Herrn Westerwelle: siehe Ablehnung des ADG, Blockierung des Lebenspartnerschaftsgesetzes zu Zeiten von Rot-Grün, reaktionäre schwarz-gelbe Gesellschaftspolitik in zahlreichen Bundesländern...
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#5 tobi85Anonym
  • 06.03.2006, 21:17h
  • ja stimmt jetzt fällts mir auf .... die beschreiung der konservativen einfachen bindung zwischen mann und frau doch das ist sehr kommerziell.....danke sascha.... ich schließe mich auch gleich ma der meinung an dass man schwule und lesben die nicht unentwegt politik machen verbrennen sollte .... hoffentlich war das jetzt net zu polemisch
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#6 SaschaAnonym
  • 07.03.2006, 00:01h
  • @tobi85:

    Menschen zu "verbrennen", nur weil sie einem nicht in den persönlichen oder ideologischen Kram passen - damit hat auch dieses Land in seiner Geschichte schon reichlich Erfahrungen sammeln dürfen. Homosexuelle gehörten dabei übrigens in großer Zahl zu den Opfern. Deshalb ist es geradezu eine Unverschämtheit, dass du mir mit deinem Kommentar indirekt ähnliche Gesinnungen unterstellst...

    Nein, ich kämpfe FÜR Demokratie und Menschenrechte, und ICH verweigere diese auch niemandem!!!

    Und dennoch gehört für mich zu Künstlern, die "schwule Nummer eins" sein wollen (aber das wollen sie bzw. will er ja gar nicht), doch etwas mehr, als sich kommerzgerecht und natürlich in Hetenpose (siehe obiges Foto) ablichten zu lassen.

    Damit gewinnt man nämlich nicht unbedingt an Glaubwürdigkeit und Authentizität...
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#7 MichaProfil
  • 07.03.2006, 00:16hMünchen
  • Über das neue Album von Rosenstolz kann man ja geteilter Meinung sein. Aber was man Rosenstolz wirklich NICHT vorwerfen kann ist, dass sie sich NICHT schwulenpolitisch engagiert haben. Mir ist keine weitere deutsche Band bekannt, die so viel für die Gay-Community getan hat. Angefangen damit, dass Peter in jedem Interview, Auftritt und Gig offensiv mit seiner Homosexualität umgeht. Inklusive dutzender Cover und Homestories in einschlägigen Magazinen. Dann natürlich die schon erwähnte "Aktion Standesamt". Das Ganze hierbei sogar textlich umgesetzt in "Ja, ich will" und mit Hella von Sinnen zusammen gesungen. Schließlich die Benefizkonzerte "Nymphoman unterm Weihnachtsbaum" im Theater des Westens, wo für die AIDS-Hilfe gesammelt wurde. Ebenso bei den Konzerten, wo die Sammeldosen rumgehen und am World Aids Tag standen AnNa und Peter oft mit den Büchsen am Ku-Damm. Rosenstolz haben mit ihren Texten und ihrer Persönlichkeit und Engagement mehr für die Community getan, als so manche Klemmschlagerschwester mit ihren verquasten Songs.
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#8 linkercacheAnonym
  • 07.03.2006, 06:52h
  • also, ich denke mal, das die äusserung von @tobi wohl eher sarkastisch gemeint war. jedenfalls sollte man nicht alle gesagten worte wortwörtlich nehmen.

    zu rosenstolz: auch nicht heterolike bands sind durchaus erfolgreich, siehe die schwule boygroup "A1" aus kalifornien...

    und, das sich rosenstolz schon angagiert ist doch wohl klar, wers nicht glaubt sollte mal nen blick auf
    www.rosenstolz.de
    werfen...

    schönen tach noch...
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#9 SaschaAnonym
  • 07.03.2006, 11:34h
  • @Micha:

    Du hast Recht! Diese Aktivitäten waren mir nicht bekannt - ich hätte mich zuvor besser informieren sollen.

    Das ändert nichts daran, dass ich die kommerzielle Selbstinszenierung eines Schwulen in Hetenpose für mehr als unglaubwürdig und dem Ziel der gesellschaftlichen Veränderung nicht dienlich halte...
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#10 seb1983