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Hat "Brokeback Mountain" aufgrund der Abneigung der Academy-Mitglieder gegen Homo-Themen den Sieg an "L.A. Crash" abgeben müssen?

Von Dennis Klein

(queer.de) - Oscar-Beobachter und Buchmacher waren sich einig: "Brokeback Mountain" würde quasi im Vorbeigehen den Oscar als bester Film erhalten. Als am Ende das zunächst wenig beachtete Rassismus-Drama "L.A. Crash" den Preis gewann, waren viele Schwule geschockt. War die Niederlage des Homofilms Diskriminierung?

Die Verbitterung in der Community ist in den USA groß. So vermutet bei einer noch andauernden Umfrage des Homo-Magazins "The Advocate", an der bislang knapp 2.000 User teilgenommen haben, die Mehrheit Schwulenfeindlichkeit als Ursache für die Niederlage. Demnach glauben 63 Prozent, dass "Brokeback" den Preis wegen der Homophobie der Academy-Mitglieder nicht erhalten habe. Bereits vor der Oscar-Verleihung geisterten nie bestätigte Gerüchte durch die Szene, viele der Wahlberechtigten hätten sich aus Ekel den Film erst gar nicht angesehen. Die größte Homo-Gruppe des Landes ist allerdings andere Meinung: "Ich glaube, das lag nicht am Thema", so Joe Solmonese, Präsident der "Human Rights Campaign". Schließlich habe auch "Crash" von einem "umstrittenen Thema wie Gleichgültigkeit und Intoleranz" gehandelt. "Ich war aber natürlich enttäuscht", fährt Solomonese fort.

Viele erklärten den Erfolg von "L.A. Crash" auch mit der nicht repräsentativen Aufbau der Academy-Mitglieder: Die sind meist älteren Semesters und Städter. Der "Brokeback"-Autor Larry McMurtry, der selbst einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt, erklärt den Sieg der urbanen Story um Rassismus so: "Die von der Academy kommen nicht vom Land. Es ist in unserem Geschäft ja nicht einmal einfach, eine ländliche Geschichte überhaupt zu drehen." Außerdem seien Filme mit einem großen Aufgebot an Darstellern mit gleichberechtigten Rollen wie im Episodenfilm "L.A. Crash" stets beliebt unter Schauspielern - und die stellen die Mehrheit der Juroren. Dazu kommt, dass ein Film, der in Los Angeles spielt, bei der Oscar-Verleihung Heimvorteil genießt.

Auch europäische Leitartikler versuchen, das überraschende Ergebnis zu erklären: "Das episodische Rassendrama hat mehr mit den aktuellen Alltagsproblemen zu tun als 'Brokeback Mountain', der stille Western über die Liebe zweier Cowboys", meint der "Kölner Stadt-Anzeiger". Die spanische "El Periódico de Catalunya" aus Barcelona sah die Wahl von "L.A. Crash" als politische Entscheidung: "Der Oscar ging an einen Streifen, der von allen Bewerbern am wenigsten unbequem war." Neben "Brokeback" und "L.A. Crash" war auch George Clooneys "Good Night, and Good Luck", der die repressive Stimmung und Pressezensur der 50er Jahre zum Thema hatte. Außerdem war Steven Spielbergs "München" im Rennen, das in den USA wegen der zu menschlichen Darstellung der palästinensischen Terroristen kritisiert wurde. Trotz des Sieges des scheinbar "bequemsten" Filmes, loben viele Kommenatoren das Gesamtensemble der Nominerungen für den besten Film: "Die Politik der Bush-Administration weckt offensichtlich schlummernde Tugenden der Supermacht, allen voran die Selbstkritik", meint etwa die "Volksstimme" aus Magdeburg.

Wer gewinne, sei sowieso ein Roulettespiel, so der Filmprofessor Richard Walter von der University of California in Los Angeles zur Nachrichtenagentur AP. Er leitet dort das Seminar für Drehbuchautoren. Immerhin hat es in der Vergangenheit ähnlich große Überraschungen gegeben - zuletzt 1999, als der kleine Film "Shakespeare in Love" die haushoch favorisierte Materialschlacht "Saving Private Ryan" in die Schranken wies.

Der Professor hat einen weiteren Erklärungsversuch anzubieten: Vielleicht war "L.A. Crash" einfach nur der bessere Film. "Manchmal geben Leute vor, einen Film mehr zu mögen als sie es eigentlich tun", erklärt Walter. "Der Film war wirklich nicht so überragend. Was die Macher versucht haben, war großartig, sogar sensationell. Aber an der Ausführung hat es gemangelt. Man nimmt dem Film die Liebesgeschichte nicht wirklich ab."

Jeder kann sich ab Donnerstag eine eigene Meinung bilden: Dann läuft "Brokeback Mountain" in den deutschen Kinos an. "L.A. Crash" ist schon seit Anfang Januar auf DVD erhältlich.

7. März 2006



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34 Kommentare

#1 seb1983
  • 07.03.2006, 14:24h
  • mal ne blöde Frage: warum haben sie ihn denn dann überhaupt nominiert? wäre es zu offensichtlich gewesen ihn ganz außen vor zu lassen??
    Da wirds ja richtig kompliziert mit der Homophobie.....
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#2 björnmAnonym
  • 07.03.2006, 15:19h
  • kann´s auch sein, dass die mitglieder der community mit zugang zu den medialen mainstreamhebeln dachten mal was erzwingeln zu können, ganz clever und smart ? so eine art meinungschach, jeder zug der nicht-eingeweihten führt unweigerlich zu d e m oscar ?
    hype und hybris liegen ja nahe beieinander.
    macht(oscar)ergreifung mit perfektem medientiming durch einen erlauchten kreis ist auch nicht so mein ding. auch wenn´s für eine gute sache wäre.
    aus frust verschwörungstheorie ist nicht so meine sache. auch amerikanische schwule sind amerikaner.
    wenn der oscar schon ein politikum einer gesamtgesellschaft ist, dann find ich das
    winner-thema o.k.. leider behandelt crash
    das sujet sehr sehr zahm.
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#3 manniAnonym
  • 07.03.2006, 16:25h
  • Ich denke wirklich, wir sollten mal alle auf dem Teppich bleiben und nicht alles gleich in die homophobe Ecke drängen.

    Natürlich bin auch ich riesig enttäuscht, dass Brokeback nicht den Oscar für den besten Film errang. Aber hat er nicht auch so unendlich viel mehr erreicht, als alles zuvor ? Die Gesellschaft redet darüber und eben nicht hauptsächlich homophob. Außerdem werden gerade dadurch, dass er nicht den Oscar-Olymp erklommen hat noch einmal Diskussionen ausgelöst. Nicht nur hier. Was kann denn besseres passieren???
    Wir sind doch auf dem besten Wege vom "da redet man nicht drüber" zum "ich habe auch eine Meinung dazu". Was wollen wir denn mehr ? Nicht jeder, der den Film nicht toll findet, ist deswegen gleich homophob. Und wir sollten wegen dieser doch subjektiven Wahl der Jury nicht die eingeschnappte Leberwurst spielen. Auch so ist der Film mit Sicherheit der Preisabstauber des Jahres und ich werde ihn mir mit Genuß reinziehen. Ich gehe davon aus, dass um mich herum nicht nur Schwule sondern auch viele Heten sitzen werden. Vielelicht auch einige, die sich das erste Mal zu diesem Thema "informieren" - gut so.
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#4 PeterAnonym
  • 07.03.2006, 17:03h
  • Also die Ausschnitte von Brokeback, die ich gesehen habe, fand ich auch nicht sonderlich überzeugend. Kam aber vielleicht auch daher weil Heathe mit tiefer Stimme und Südstaaten-Akzent als Macho-Cowboy einfach arg aufgesetzt wirkt.
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#5 SaschaAnonym
  • 07.03.2006, 17:29h
  • @seb1983 und die übrigen Vorredner:

    Einen Film, der schon vor der Oscar-Nominierung so ziemlich alle nationalen und internationalen Preise eingefahren und ein unvergleichlich starkes kulturelles "Momentum" gewonnen hat, nicht zu NOMINIEREN, das konnte sich die Academy selbstverständlich nicht erlauben - das wäre im angeblich so progressiven Hollywood (dass ich nicht lache!!!) zu offensichtlich gewesen.

    Als es aber darauf ankam, haben die Herrschaften ihr wahres Gesicht gezeigt, einige wollten sich "Brokeback Mountain" nicht einmal ansehen - das allein ist schon ein Skandal.

    Am Ende dann ein Ergebnis, dass es in der Oscar-Geschichte so noch nie gegeben hat: Ein haushoher Favorit, der bereits alle nur erdenklichen Filmpreise eingeheimst hatte, dann mit dem Oscar der besten Regie und der besten Filmmusik ausgezeichnet wurde, hat bislang auch immer den Oscar für den besten Film erhalten.

    Im Jahre 2006 allerdings gelten freilich andere Maßstäbe, denn zum ersten Mal handelt es sich um einen Film, welcher schwule Liebe und die Perversität einer von der religiösen Rechten dominierten Gesellschaft thematisiert.

    Wer die genannten Vorgänge nicht als das identifiziert, was es ist - nämlich simple, billige Homophobie - der verschließt die Augen vor der Realität!!!
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#6 SaschaAnonym
  • 07.03.2006, 17:37h
  • Und noch eines:

    Es ist eine Unverschämtheit zu behaupten, der aus dem Nichts hochgejubelte Film über Rassismus habe "mehr mit den aktuellen Alltagsproblemen" zu tun als "Brokeback Mountain." Gerade im US-amerikanischen Kernland sind Schwule mit einem unvorstellbaren Maß an Diskriminierung und Unterdrückung konfrontiert und müssen mitunter sogar um ihr Leben fürchten.

    Dieses Thema ist mindestens ebenso aktuell wie die Rassismus-Problematik, die in zahlreichen anderen Filmen bereits sehr viel besser behandelt wurde als in "L.A. Crash".

    Da bleibt nur eines: Ich werde von nun an mindestens ein Jahr lang sämtliche Hollywood-Produktionen boykottieren!
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#7 Jawoll!Anonym
#8 SaschaAnonym
  • 07.03.2006, 18:14h
  • @Jawoll!:

    Wenn die Herren und Damen von der Academy ein Problem mit homosexueller Liebe haben

    - und nichts anderes haben sie mit ihrer Entscheidung unter Beweis gestellt -

    dann sind sie ganz offensichtlich auch nicht an unseren DOLLARS interessiert!!!
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#9 björnmAnonym
  • 07.03.2006, 18:49h
  • @) sascha

    genau, ich glaube man sollte jede hetenveranstaltung boykotieren,
    müllabfuhr, oskarverleihungen,gebäude, verlage, bestattungsunternehmen, krankenhäuser und alle -kassen !!!!!!!
    das haut die um !!!!!!!!
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#10 SchlampeAnonym
  • 07.03.2006, 19:08h
  • @björnm

    Super Idee. Du hast aber eine Sache vergessen: Wir müssen auch die Heten-Kondome boykottieren. Ich tu alles für Bareback Mountain!!!
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