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Der Dortmunder Alex Damm wurde 1936 von Nachbarn denunziert. Er floh in den Tod. Ein Gedenkstein erinnert nun an ihn.

Von Carsten Weidemann

Dortmund. Auf Vorschlag des Arbeitskreises schwul-lesbische Geschichte in Dortmund verlegte der Kölner Künstler Günter Demnig am 7. März am Burgwall einen Stolperstein für ein schwules Opfer des Nationalsozialismus: Alex Damm wohnte hier, bis er als homosexuell denunziert wurde und sich noch während der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft im August 1936 in der Ruhr ertränkte.

"Ich sterbe gern als Opfer des Nationalsozialismus, der Menschen von meinem Schlage einfach nicht verstehen will. [...] Leben Sie wohl; die Unehre, die Sie in den letzten Tagen über mich und meinen Namen erbracht haben, verzeihe ich Ihnen, da Sie nach dem Gesetz handeln müssen. Ich will mich nicht vor einem irdischen Richter verantworten, sondern vor meinem Gott, der mich erschaffen hat wie ich bin."

So endete der Abschiedsbrief des Dortmunders Alex Damm, der am 20. August 1936 tot in der Ruhr aufgefunden wurde. Der 49-Jährige wohnte zuletzt am Burgwall 27, heute ein Brachgrundstück mit einem Autohandel in Nachbarschaft zum bekannten Club Burgtor. Grund für Damms Flucht in den Tod war eine Anklage nach § 175a des Strafgesetzbuchs: Die nationalsozialistische Justiz warf Damm vor, "gleichgeschlechtliche Unzucht" betrieben zu haben. In einem Gerichtsverfahren gegen weitere Homosexuelle, das im Dezember 1936, also nach dem Tod Damms vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Dortmund stattfand, hatten sich fünf Dortmunder wegen "widernatürlicher Unzucht" zu verantworten und wurden zu Strafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Arbeitskreis schwul-lesbische Geschichte Dortmund hat nach Schicksalen homosexueller Verfolgter in Dortmund recherchiert und plant diese demnächst zu veröffentlichen. Alex Damm, der von einem Nachbarn denunziert wurde, entzog sich der Verurteilung durch seine Flucht in den Tod. "Wenn Sie diesen Brief in den Händen haben", so schrieb er an die Dortmunder Kriminalpolizei, "so bin ich nicht mehr unter den Lebenden, denn ausgerechnet der Nationalismus soll mir kein Urteil über meine Veranlagung sprechen."

Der Künstler Günter Demnig hat inzwischen mehr als 7000 Stolpersteine in ganz Deutschland vor den früheren Wohnorten von Menschen verlegt, die durch die Nazis verfolgt worden waren. Schwulen Opfern sind bis jetzt nur wenige der messingnen Steine gewidmet. Der in der Nähe des letzten Wohnorts am Burgwall Ecke Leuthardstraße verlegte Stolperstein zur Erinnerung an Damm trägt die Inschrift:

Hier wohnte
Alex Damm
Jg. 1886
Denunziert 1936
Flucht in den Tod

08.03.2006

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®


14 Kommentare

#1 Georg W. FalkenhagenAnonym
  • 08.03.2006, 15:16h
  • Die einschlägige Gesetzgebung (§§ 175, 175a StGB) der Nazis galt im Rechtsstaat BRD mit ausdrücklicher Billigung durch das Bundesverfassungsgericht 1957 noch bis 1969 fort.

    1969 war ich 20 Jahre alt.
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#2 LinkercacheAnonym
  • 08.03.2006, 18:07h
  • @georg: Wie recht du doch hast. Und; In der achso bösen DDR "Diktatur" wurde der §175 1988 ERSATZLOS!! gestrichen....
    In der BRD erst im Jahre 1994 aufgrund der Tatsache, das dies im "Einigungsvertrag" so geregelt war...

    Aber Vorsicht, Nazis sind allerorten! Auch unter den Schwulen, Allein wieviele Faschos sich bei Gayromeo tummeln.. Inzwischen ist es ja auch schon so weit, das sich die Stadt Halberstadt von der NPD erpressen lässt!!

    www.mdr.de/nachrichten/meldungen/2597807.html
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#3 Christian SchneiderAnonym
  • 08.03.2006, 20:02h
  • Gerade mal 70 Jahre ist es her, dass dieser schwule Mann
    keinen anderen Ausweg sah als den Selbstmord. Hoffentlich
    ist unsere Gesellschaft so tolerant, dass sich solche
    Tragödien nicht wiederholen. Und vergessen wir nicht: In
    anderen (Nachbar-!)Ländern ist es mit der Toleranz ohnedies
    nicht weit her. Es bleibt viel zu tun!
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#4 JanAnonym
  • 08.03.2006, 22:54h
  • @linkercache: völlig richtig, dass in der ddr der §175 ersatzlos gestrichen wurde, trotzdem war die ddr leider kein paradies für schwule!
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#5 LinkerCacheAnonym
  • 09.03.2006, 06:50h
  • Also, @Jan: Ich habe als Schwuler in der DDR nicht annähernd so viel ablehnung und intoleranz erfahren wie anfang der Neunziger in mancher Bundesdeutschen Großstadt....

    Anscheinend hast du nicht in dem Land gelebt/bist nicht da aufgewachsen...
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#6 xapplexAnonym
  • 09.03.2006, 10:52h
  • Wenn das in der DDR alles so toll war fragt sich natürlich warum Chris Gueffroy partout aus ihr flüchten wollte - und dafür mit dem Tode durch Erschießen bestraft wurde.
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#7 JulianAnonym
  • 09.03.2006, 13:23h
  • In Polen ist die Situation heute für Schwule und Lesben auch nicht viel besser als damals hierzulande.

    Und die EU sieht zu!!
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#8 seb1983
  • 09.03.2006, 14:23h
  • ihr könnt euch doch nicht immer die Rosinen rauspicken und alles andere außen vor lassen.

    Schwulen gings in der DDR vielleicht etwas besser, trotzdem kein tolles Land.

    Im 3. Reich lag die Arbeitslosigkeit nahezu bei 0, jetzt haben wir ein paar mehr.

    Machen wir also ne Kombination aus kommunistischer/sozialistischer und nationalsozialistischer Diktatur und allen gehts gut.....
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#9 Jan WittkeAnonym
  • 10.03.2006, 12:34h
  • @christian.. zeit und Toleranz

    70 Jahre ERST! ist die tödliche Bedrohung her, aber erst vor 30 Jahren noch überall ROSA LISTEN und Klappenkontrollen... Hamburger "SPIEGEL" Affaire.. Da hast Du sehr recht dran zu erinnern.. Trotz schwuler Bürgermeister, Franktionvorsitzenden, etc. sehen wir doch in den USA wie stark sich das Rad zurückdrehen kann.. Als ich mich 1999 in HH verpartnerte mußte ich schon deutlich daran denken, daß mann sich da nach 25 selber auf ROSA LISTEN setzt..

    Dennoch der Wandel ist hier in Deutschland noch sehr positiv; so konnte ich vor einigen Wochen an der Lesung meines ehemaligen Deutschlehrers teilnehmen, der sein Buch: Rosenbaum/Lorenz: Hamburg auf anderen Wegen, Lambda-Verlag, vorgestellt hat.. zwar nach der Pensionierung, aber immerhin...
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#10 JörgAnonym
  • 10.03.2006, 13:47h
  • @linkerCache Es ist geschmacklos, einen Bericht über die tödliche Verfolgung der Homosexuellen im NS-Regime zum Anlass für eine Geschichtsklitterung der Situation von Schwulen und Lesben in der DDR zu nutzen. Natürlich war die Unterdrückung der DDR mit dem Nationalsozialismus nicht vergleichbar. Es ist aber eine Tatsache, dass Schwule und Lesben auch in dieser Diktatur drangsaliert und bespitzelt wurden. Um dies zu wissen, muss man nicht dort gelebt haben. Das Argument, nur wer in der DDR gelebt habe, könne darüber urteilen, überzeugt nicht. Man muss nicht mit Ratzinger diskutieren, um seine Ansichten zu kennen und man muss nicht von der Stasi überwacht werden, um Unfreiheit zu kennen. Es reicht vollkommen aus, sich über die Fakten zu informieren. Ich empfehle etwa die Lektüre „Warme Brüder gegen Kalte Krieger“ von Eduard Stapel in der Schriftenreihe der Beauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes. Dort wird eindrucksvoll geschildert, mit welch brutalen, menschenverachtenden Methoden die DDR Aktivisten, die sich für Gleichstellung einsetzten, verfolgte.

    Unser Bemühen sollte der Bekämpfung der Unterdrückung von Schwulen und Lesben gelten und nicht der Rechtfertigung der Unterdrücker, nur weil es einem in den parteipolitischen Kram passt.
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