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Umwerfend: "Desperate Housewife" Felicity Huffman als Transsexuelle, die sich um ihren Sohn kümmert.

Von Dennis Klein

Im Hollywood-Film sind Transen meist ausgeflippt und verrückt - oder sie vegetieren dahin als drogenabhängige Prostituierte am Rande des Selbstmords. In "Transamerica" ist das anders: Die prä-operative Transsexuelle Bree versucht erfolgreich, langweilig zu sein - und wird gerade deshalb erst interessant. Dargestellt wird Bree von Felicity Huffman, die sonst als "Desperate Housewife" Lynette Scavo das Vorstadtleben unsicher macht. Für ihre Rolle hat Huffman einen Golden Globe gewonnen und ist für den Oscar nominiert worden - und das hoch verdient.

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Die Story: Bree hat zwei Jobs, um sich die Geschlechtsanpassung leisten zu können. In nur einer Woche steht ihre letzte Operation bevor, die sie zur ganzen Frau machen soll. Doch dann stellt ein Anruf ihr Leben auf den Kopf: Sie erfährt, dass sie einen 17-jährigen Sohn hat, das Ergebnis einer experimentiertfreudigen Nacht an der Uni. Sie fliegt von Los Angeles nach New York, um ihren Sohn, den hübschen Toby (Kevin Zegers), aus dem Gefängnis zu holen. Toby verdient sich sein Geld als Stricher und will in L.A. eine Karriere als schwuler Pornostar beginnen. Die konservative Bree möchte das verhindern, kauft einen alten Kombi und macht sich auf den rund 5.000 Kilometer langen Weg nach Kalifornien. Ihre wahre Identität verschweigt sie: Sie sagt, sie sei eine christliche Missionarin. Auf der turbulenten Fahrt durch Amerika lernen sich die beiden kennen.

Bei den Preisverleihungen steht "Transamerica" stets im Windschatten von "Brokeback Mountain", in dem sich Heath Ledger und Jake Gyllenhaal als schwule Cowboys versuchen. Dabei verdient das Roadmovie eigentlich mehr: Felicity Huffman spielt so überzeugend, dass nach wenigen Minuten die Bilder von "Desperate Housewives" aus dem Kopf verschwunden sind. Man nimmt ihr ab, dass sie ein biologischer Mann ist, der sich mit einem konservativen Outfit und viel Make-up händeringend darum bemüht, weiblich zu sein. Dabei wirft sie der jugendliche Leichtsinn und die moralische Beliebigkeit ihres Sohnes Toby aus der Bahn. Der kifft, kokst und verschwindet schon mal mit einem Trucker in dessen Lkw, wenn er ein paar Dollar für einen Hamburger braucht. Mütterlich versucht Bree, auf ihn einzuwirken: Sie korrigiert seine schlechte Aussprache und kauft Toby eine Kappe, wenn er dafür verspricht, keine Drogen mehr zu nehmen.

Wie erwartet gibt es viele absurde und lustige Szenen, wenn eine Transsexuelle und ihr Stricher-Sohn durch das ländliche Bush-Amerika fahren. "Transamerica" hält dabei immer eine gute Balance zwischen Comedy und Drama. Regisseur und Drehbuchautor Duncan Tucker macht sich über niemanden lustig. Während des Drehs in der Provinz musste die Crew ohnehin vorsichtig sein - denn Low-Budget-Produktionen sind oft auf Unterkünfte von kirchlichen oder kommunalen Einrichtungen angewiesen. Einheimischen wurde erzählt, dass der Film um die Beziehung einer Mutter zu ihrem Sohn geht. Deshalb musste der Regisseur schon mal einschreiten, wenn Crew-Mitglieder mit dem Prothesen-Penis von Felicity Huffman herumalberten. Der Film ist aber ebenso eine Liebeserklärung an die skurrilen Typen auf dem Land wie an ihre beiden Hauptcharaktere. Definitiv ein Highlight des Kino-Frühlings.

"Transamerica" läuft heute in den deutschen Kinos an.

16. März 2006



#1 mvsAnonym
  • 16.03.2006, 13:20h
  • Kevin Zegers als angehender Pornostar ... *seufz*

    Muss ich sehen :D

    Ich bin davon überzeugt, das dieser junge Kanadier einen sehr guten Schauspieler abgeben könnte, wenn er nur seine Air-Bud-Vergangenheit abschütteln kann. Hoffentlich bekommt er mehr gute Rollen.
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#2 ChuckyxxAnonym
  • 16.03.2006, 13:54h
  • habe den Film mittlerweile schon gesehen und er ist - ich muss den vergleich ziehen, da ja ständig darüber diskutiert wird - um Längen besser als Brokeback Mountain. Nur leider kommt diesem Film kaum beachtung bei. Schade,dass das öffentliche Inetresse anscheinend alle Energie an Brokeback Mountain verschwendet hat und dieser Film hier unter zu gehen scheint. Die Schauspieler, allen voran natürlich Felicity, sind umwerfend. Die Story sehr ergreifend und mitfühlend. Ich kann jedem nur empfehlen zu versuchen den Film im original zu sehen. Felicity hat ihre Stimme für die Rolle komplett verändert. Ich möchte gar nicht wissen, wie sie das synchronisiert haben *rolleyes*
    Fazit: Absolut sehenswert!

    Was allerdings als ein Flopp zu bewerten ist, ist der Untertitel hier ... "Transe und Stricher" gehts evtl noch abwertender? *sigh*
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#3 KaiAnonym
  • 16.03.2006, 23:03h
  • @Chuckyxx: Ich habe den Film auch mit im Original gesehen und finde ihn mindestens genau so gut wie Brokeback Mountain.
    Es gehen mir wie Dir aber auch einige Begrifflichkeiten, die hier von der Redaktion verwendet werden etwas gegen den Strich. Z.B. das gern und oft verwendete "Homo".
    Das Wort hat eine Begriffsverengung erfahren. Selbst das Argument, dass Homo dem lat. "Mensch" entspricht, greift hier nicht mehr!
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