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  • 17. März 2009, noch kein Kommentar

Von wegen kühle Iren! Die irische Hauptstadt Dublin feiert jedes Jahr am 17. März den St. Patrick Day. Queer.de verrät, was Euch erwartet.

Von Roberto La Pietra (Text und Fotos)

Baile Atha Cliath – so lautet der gälische Name Dublins. Die Hauptstadt Irlands mag nicht so "posh" und aufgestylt daher kommen wie London. Dafür ist die Bevölkerung aber auch gastfreundlich und bodenständig.

Ein bisschen klamm fühlt man sich, wenn man bei knapp einem Grad über Null auf der Suche nach einem schönen Plätzchen durch die Straßen Dublins irrt, bevor die beliebte Parade zum höchsten Feiertag Irlands startet. Vorbei geht’s an grölenden Jungs, verkleideten alten Damen und betrunkenen jungen Mädchen mit Perücken und Hüten in Nationalfarben. Mittags führt die Parade schließlich an uns vorbei und mit ihr Blaskapellen, sonderbare überlebensgroße Marionetten und halbnackte Samba-Mädchen.

Da der diesjährige "Paddy" der kälteste und wohl auch nasseste seit Anbeginn der Wettermessungen ist, verlassen wir das bunte Treiben wieder, um in gemütliche Pubs und Szene-Kneipen weiter zu ziehen. Auf dem Weg stolpern uns überschwängliche Jungs entgegen und zahlreiche ebenso angeheiterte Mädchen wollen unbedingt an unsere grünen Cowboy-Hüte mit Kleeblatt kommen. Da möchte man fast hetero sein.

Doch das Ziel nicht aus den Augen verlierend retten wir uns in die "Frontlounge" in der Parliament Street, wo sich Heteros und Schwestern ein Stelldichein geben. Die "Frontlounge" ist ein geräumiger Pub mit langer Bar und einem kontaktfreudigen Publikum. Keine fünf Minuten sitzen wir bei einem Guinness und ein paar Cheese and Onion Chips am Tisch, schon finden wir Anschluss. Und zu verdanken ist es mal wieder unserem karnevals-ähnlichen Hut.

Gemeinsam ziehen wir Jungs drei verschiedener Nationalitäten weiter in die Dragonbar, meinem persönlichen Favoriten. Wie auch viele andere Bars in Dublin sind die Decken hoch und die Einrichtung prunkvoll, aber keineswegs kitschig. Mächtige Kronleuchter hängen vom Blaffon, riesige Spiegel zieren die Wand.

Weiter geht’s ins gay-friendly "Café en Seine" – wie der Name schon sagt, ein nicht minder prunkvolles Café auf drei Etagen im französischen Stil. Auch wenn die Preise überall in Dublin recht hoch sind, sollte man hier auf ein schönes Gläschen Cidre und ein leckeres Sandwich nicht verzichten.

Wer nach dem einen oder anderen Drink und Flirt noch auf eine Tanzfläche weiter ziehen möchte, kann zum Beispiel den Club "George" aufsuchen. Wer statt rein schwul eher auf mixed crowd steht, wird die kultig-orientalische "Zansibar" am Ufer des River Liffey vorziehen. Zu fetten Hip-Hop-Beats lassen Jungs und Mädels die Hüften kreisen und flirten in einer Weise, wie wir es als reservierte Deutsche kaum kennen!

Wer am nächsten Tag ein bisschen raus aus der Stadt möchte, kann zum Beispiel mit der Nahverkehrsbahn DART ins rund 45 Minuten entfernte Bray fahren. In diesem Seebad blättert der Ruhm vergangener Tage von dem einen oder anderen Haus. Doch die melancholische Stimmung hat schon fast Kult! Im Winter ist die See aufgewühlt und tost gegen Strand und Klippen. Am St. Patrick Day steigt hier abends ein großes Feuerwerk. Wer am selben Tag so wie wir noch ein wichtiges Rugby-Spiel in einem der vielen Pubs des Städtchens miterlebt, wird Zeuge davon, wie temperamentvoll die vermeintlich kühlen Iren sein können. Am diesjährigen St. Patrick Weekend hat Irland über den Erzrivalen Großbritannien gesiegt….

In der Vergangenheit immer wieder von den Nachbarn unterdrückt, machte sich vor hunderten Jahren die wohl dramatischste Auswanderungswelle nach Amerika auf den Weg, als eine Kartoffelseuche dem eh schon nicht unbedingt reichen Völkchen den letzten Stoß versetzte. Heute sind die Iren gastfreundliche, liebe, aber auch sehr stolze Menschen, die sich deutlich von den Briten unterschieden wissen wollen. Kulturell fühlen sie sich tausend Mal mehr verbunden mit den Walisern oder Schotten. Auch ihre traditionelle Sprache halten sie immer noch hoch – das zeigen die zahlreichen Schilder in Dublin, die stets zweisprachig sind:
Tickets – Ticeid…..und das ist noch eines der leichtesten Wörter.

Wer Lust hat, die Stadt auch mal außerhalb des St. Patrick Days am 17. März zu erleben, sollte sich ein schnuckeliges Bed & Breakfast suchen. Hinkommen wird der Besucher ab fünf deutschen Flughäfen zum Beispiel mit der National-Airline Aer Lingus, die ihren Service zwar rigoros gestrichen hat, dafür aber Preise bieten kann, die locker mit den Mitbewerbern Ryanair oder Germanwings konkurrieren können. Frühbuchen heißt die Devise! Vom Flughafen Richtung Zentrum kommt man mit dem Bus, der nur fünf Euro kostet und dem Ankömmling schon die erste Stadtrundfahrt durchs Zentrum bietet!