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In einem offenen Brief richten sich Schwule und Lesben aus Köln an den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski. Wir dokumentieren diesen Brief:

Offener Brief an den Präsidenten der Republik Polen
Seine Exzellenz Herrn Lech Kaczynski

Kancelaria Prezydenta RP
ul. Wiejska 10
00-902 Warszawa
Polska


Köln, den 15. März 2006
Exzellenz!

Anfang des Monats haben Sie die Bundesrepublik Deutschland besucht. Wie wir erfahren haben, war dies Ihr erster Besuch in unserem Land. Aufgrund des immer noch schwierigen Verhältnisses zwischen Deutschland und Polen als Resultat des von Deutschland verschuldeten Zweiten Weltkriegs freuen wir uns über jede Annäherung zwischen unseren beiden Ländern und begrüßen daher grundsätzlich Besuche hoher Repräsentanten des polnischen Volkes in Deutschland.

Ganz und gar unerfreut sind wir aber über Ihre ablehnende Einstellung zu Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern und Ihre diesbezüglichen Äußerungen in der Humboldt-Universität zu Berlin. Mit diesen Äußerungen haben Sie Millionen Menschen in Deutschland und Polen vor den Kopf gestoßen.

Ihrer Meinung nach "darf die homosexuelle Haltung nicht die Oberhand gewinnen, denn sonst würde die Menschheit aussterben." Dabei geht es der Schwulen- und Lesbenbewegung gar nicht darum, anderen Menschen ihre Lebensart aufzuzwingen oder sie zu einer anderen sexuellen Orientierung zu bewegen, sondern um die Durchsetzung ihres Rechts auf ein gleichberechtigtes Leben ohne Diffamierung, Diskriminierung, Bedrohung und Gewalt.

Zu Ihrer Zeit als Oberbürgermeister von Warschau haben Sie den Christopher-Street-Day verboten. Durch diese Verletzung der Meinungs-, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit haben Sie Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern ihnen zustehende Menschenrechte verweigert. Dagegen protestieren wir! Des Weiteren bricht Polen den Wertekonsens der Europäischen Union, wenn Bürgerinnen und Bürgern nur aufgrund der sexuellen Orientierung bestimmte Rechte abgesprochen werden. Dies ist für uns nicht akzeptabel!

Der Christopher-Street-Day ist keine Versammlung von gesellschaftsgefährdenden Personen beziehungsweise "Perversen", wie Sie sich geäußert haben. An dem Christopher-Street-Day in Berlin beteiligt sich beispielsweise auch die "Aktion Sühnezeichen e.V.", eine Ihnen sicher bekannte Organisation, die sich seit Jahrzehnten um NS-Opfer kümmert und viel zur Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg getan hat. Sind dies nun für Sie auch "Perverse"?

In unserer Stadt Köln leben Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung offen und in gegenseitiger Toleranz seit Jahren friedlich zusammen. Warum sollte dies nicht auch in Polen möglich sein? Damit dies möglich wird, muss man zunächst den Willen dazu haben. Offensichtlich fehlt Ihnen leider dieser Wille. Uns ist bewusst, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland vor Jahrzehnten ähnlich ablehnend über Homosexuelle gedacht hat, wie Sie es derzeit tun. Erfreulicherweise hat unsere Gesellschaft inzwischen dazu gelernt und ist diesbezüglich toleranter geworden, was unser Land menschlicher gemacht hat. Wir hoffen sehr, dass auch Polen sich diesem Lernprozeß auf Dauer nicht verweigern wird.

Wir appellieren daher an Sie, Ihre Einstellung zu Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern grundsätzlich zu überdenken und sich für ein tolerantes Zusammenleben einzusetzen. Des Weiteren erwarten wir von Ihnen, dass Sie Ihren Pflichten als Präsident der Republik Polen nachkommen und sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, die für alle Bürgerinnen und Bürger Ihres Landes unabhängig von der sexuellen Orientierung gelten.

Hochachtungsvoll
Nicolas Evertsbusch
und 50 weitere UnterzeichnerInnen

Kopien dieses Schreibens gehen an:

- Ministerpräsident der Republik Polen, S.E. Kazimier Marcinkiewicz, Warschau
- Minister des Auswärtigen der Republik Polen, S.E. Stefan Meller, Warschau
- Botschafter der Republik Polen in Deutschland, S.E. Dr. Andrzej Byrt, Berlin
- Fraktionsvorsitzende der im polnischen Parlament vertretenen Parteien: Roman Giertych, Liga Polnischer Familien ; Przemysaw Gosiewski, Recht und Gerechtigkeit ; Grzegorz Dolniak, Bürgerplattform ; Andrzej Leper, Selbstverteidigung der Republik Polen ; Jerzy Szmardziñski, Demokratische Linksallianz ; Waldemar Pawlak, Polnische Bauernpartei
- Generalkonsul der Republik Polen, Andrzej Kaczorowski, Köln
- Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Horst Köhler, Berlin
- Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Lammert, Berlin
- Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Angela Merkel, Berlin
- Minister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Frank Walter Steinmeier, Berlin
- Fraktionsvorsitzende der im deutschen Bundestag vertretenen Parteien: Volker Kauder, CDU/CSU ; Peter Struck, SPD ; Wolfgang Gerhardt, FDP ; Gregor Gysi, Die Linke; Renate Künast, Die Grünen
- Deutscher Botschafter in Polen, S.E. Dr. Reinhard Schweppe, Warschau
- Präsident des Europäischen Parlaments, S.E. Joseph Borrell Fontelles, Brüssel
- Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Christoph Markschieß
- Bundesverband Deutsch-Polnische-Gesellschaft, Berlin
- Kampagne Gegen Homophobie, Warschau
- Lesben- und Schwulenverband Deutschland, Köln

30.03.2006



18 Kommentare

#1 seb1983
#2 andyAnonym
  • 30.03.2006, 18:53h
  • hi , sehr cool! druck machen , das ist sehr toll! mal sehen.
    es wäre aber noch besser , dass unsere kanzlerin oder müntefering das noch offiziell unterstützen!
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#3 kodiakAnonym
#4 DavidAnonym
  • 30.03.2006, 20:56h
  • Ich hätte ihm gerne noch unter die Nase gerieben, weshalb aber ein kleiner Mob mit Hitlergruss und radikalen Sprüchen auf die Strasse gehen darf. Wieso werden denn da keine Gefühle der Menschen in Polen verletzt, die unter dem 3. Reich gelitten hatten?!? In der Hinsicht scheinen die Menschen, die das hinnehmen, schizophren zu sein.
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#5 Beauftragter für politische BildungAnonym
#6 elke jungAnonym
  • 30.03.2006, 23:58h
  • das geht nicht nur Schwule und Lesben etwas an!! Auch ich als "Hete" gehöre zu den Unterzeichnern! Freiheit und Gerechtigkeit ist ein Anliegen, welches nie genug Befürworter haben kann und haben muß! Auch von unserer Regierungsführung erwarte ich ein klares Eintreten für geltende Menschenrechte - auch außerhalb unseres Landes! Das geht uns - von Anfang an - alle an!! Nicht erst, wenn es die eigene Freiheit bedroht....... das kann schneller kommen als man denkt.....
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#7 PeterAnonym
  • 31.03.2006, 12:03h
  • Übrigens, der Herr ist promovierter und habilitierter Jurist, also Prof. Dr.. In seinem perönlichen und politischen Umfeld befinden sich div. Personen, die, um es vorsichtig auszudrücken, nicht sehr heterosexuell orientiert sind.
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#8 TimAnonym
  • 31.03.2006, 14:36h
  • Das bringt GAR NICHTS!!!

    Solche Menschen sind in ihrem Hass dermaßen fanatisiert, dass Argumente gar nicht mehr in ihr Gerhin eindringen....
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#9 wolfAnonym
  • 31.03.2006, 15:39h
  • allein am verhalten unserer regierenden, sieht man, was menschenrechte in diesem land wert sind.
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#10 geilerdomiAnonym
  • 31.03.2006, 17:52h
  • Danke, @wolf, das du mir das abgenommen hast, dies zum ausdruck zu bringen. sonst schießen sie sich wieder auf mich ein...

    aber mal ganz ehrlich: glaubt ihr etwa ernsthaft, dass das herrn kazetzki interessiert?? die briefe landen gleich im müll & e-mails scheitern schon an der ersten monowall....

    also, der protest muss auf die straße, ähnlich oder besser als 1969 in der new-yorker christopher street!!
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