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Vom Tellerwäsche zum Millionär auf Italienisch: Die Transsexuelle Vladimir Luxuria aus dem armen Süden zieht ins neue Parlament.

Von Dennis Klein

Gegen sie wirkt selbst Deutschlands Vorzeigetranse Olivia Jones blass: Vladimir Luxuria hat heute als erste "übergeschlechtliche Person" (Luxuria über Luxuria) den Einzug ins italienische Parlament geschafft. Sie ist Spitzenkandidatin der kommunistischen Wahlliste in der Hauptstadt Rom. Die Rifondazione Communista will allerdings - anders als die Linkspartei.PDS im Bund - keine Fundamentalopposition sein: Sie ist Teil des Mitte-Links-Bündnisses unter Führung von Romano Prodi. Nach ersten Hochrechnungen erhält Luxurias Partei fünf bis sieben Prozent der Stimmen - und wird wahrscheinlich einiges zum Machtwechsel beitragen. Denn Prodis Bündnis liegt knapp vor Berlusconi.

Luxuria ist inzwischen eine Ikone der Schwulenbewegung in Italien. Sie bezeichnet sich selbst als weder Frau noch Mann - nur als "eine Person auf der Suche nach einem Ehemann". 1994 hat sie den ersten CSD in Rom organisiert und sich lautstark für die Gleichstellung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen eingesetzt. Ihr Leben begann aber unscheinbar in der Region Apulien im armen Südostitalien. 1965 als Vladimiro Guagagno geboren, fühlte sie sich bereits als Jugendlicher in ihrem (seinem) Körper nicht ganz wohl. Außerdem war sie sowohl zu Männern und zu Frauen hingezogen - ein kaum lösbarer Konflikt in der tiefkatholischen Provinz. Also entschied sie sich, den traditionellen Weg zu gehen - den ins Kloster. Allerdings hielt sie das nicht lange durch. Als 20-Jährige brach sie mit der Vergangenheit, ging in den Sündenpfuhl Rom und tobte sich dort aus. Sie nahm Hormone und illegale Drogen und machte sich als Drag-Queen in Schwulenclubs einen Namen. Geld verdiente sie unter anderem als Prostituierte. Untätig war sie während dieser Sturm- und Drangphase nicht: Sie studierte Literaturwissenschaften und schaffte ihr Diplom. Als Aktivistin für Homo-Rechte erlangte sie bald einen hohen Bekanntheitsgrad.

In die Politik schaffte sie den Seiteneinstieg, weil sie - und das unterscheidet sie von Olivia Jones - wirklich ein Programm hat. Auch darum hat ihr Parteichef Fausto Bertinotti den ersten Listenplatz in Rom geschenkt. "Ich will bei der Schaffung einer multiethnischen, multireligiösen und multisexuellen Gesellschaft mithelfen, und die Vielfalt als Wert und Möglichkeit, nicht als Bedrohung durchsetzen", so umschreibt sie ihre Agenda. Neben sozialen Themen und der Legalisierung von Drogen stehen vor allem Homo-Rechte auf dem Plan. Kommt es wirklich zum Regierungswechsel, hat sie gute Chance, viele ihrer Vorhaben auch umzusetzen. Immerhin hat der Mitte-Links-Chef Romano Prodi bereits im Wahlkampf angekündigt, Eingetragene Partnerschaften einführen zu wollen.

"Manche fühlen sich angepisst, weil ich als erste transsexuelle Kandidatin ins Parlament kommen werde", so Luxuria zu Reportern. "Ich sage, dass das Parlament dann ein Ort sein wird, der alle Formen der Gesellschaft repräsentiert - sogar Transsexuelle." Im Wahlkampf musste sich Luxuria - die dort stets betont dezent auftrat - so einiges anhören: So sagte ihr die faschistische Europaabgeordnete Alessandra Mussolini in einer TV-Show: "Es ist besser, Faschist zu sein, als eine Schwuchtel" (queer.de berichtete). "Ich habe ihr nur geantwortet, sie sei ungehobelt", so Luxuria. "Eine moderate Sprache empfinde ich als politische Tugend". Mussolinis Partei erreichte ersten Hochrechnungen zufolge gerade einmal einen Prozent.

10. April 2006



23 Kommentare

#1 holga-waldaAnonym
  • 10.04.2006, 18:50h
  • klatsch, klatsch, klatsch..

    allen, die in europa eine ähnliche karriere hinlegen wollen, steht nichts im
    wege. hier die liste der parteien der vereinigten europäischen linken im europa-parlament, also kanzlerin des herzens, auch europa steht dir offen:
    Zypern
    Aufbaupartei des Werktätigen Volkes
    Tschechische Republik
    Kommunistische Partei Böhmens und Mährens
    Finnland
    Linke Allianz
    Frankreich
    Parti Communiste Français
    Deutschland
    Die Linkspartei/PDS
    Griechenland
    Synaspismos
    Kommunistische Partei Griechenlands
    Irland
    Sinn Féin
    Italien
    Partito della Rifondazione Comunista
    Partito dei Comunisti Italiani
    Niederlande
    Socialistische Partij
    Portugal
    Kommunistische Partei Portugals
    Slowakei
    Komunistickà Strana Slovenska
    Spanien
    Izquierda Unida
    Schweden
    Linkspartei
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#2 OlafAnonym
  • 10.04.2006, 18:54h
  • Das scheint ja eine beeindruckende Frau zu sein! Glückwunsch! Besser als unsere Kommunisten unter dem populistischen Ausländerfeind Oskar Lafontaine
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#3 metinAnonym
  • 10.04.2006, 19:04h
  • mega-geile performance,
    meilenstein, statement
    durch nichts zu toppen
    das wird hier noch jahre dauern.
    bisher gab´s ja nur durchaus verdienstvolle
    anstands-schwule mit dem charme von
    connaiseuren von hofmanieren.
    das ist jetzt krass und kompetent !!!!!
    vielleicht sollte man marx doch nicht vorschnell aus programmen streichen ?
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#4 fürstinAnonym
#5 BerndAnonym
  • 10.04.2006, 19:09h
  • Ti amo, Luxuria! Warum ist hier in Deutschland niemand für die Legalisierung von Drogen?

    Legalize it!!!
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#6 holga-waldaAnonym
  • 10.04.2006, 19:39h
  • ..aaah...begnadet......

    Vladimir Luxuria :
    ....."Silvio Berlusconi ist mir sympathisch, schon weil wir beide hohe Absätze tragen und uns schminken, bevor wir ausgehen." .......
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#7 geilerdomiAnonym
  • 10.04.2006, 21:36h
  • @Olaf: ".....unter dem populistischen Ausländerfeind Oskar Lafontaine....."

    Solltest vielleicht nicht alles glauben was dir die BLÖD sagt. Oder hälste dich für geBILDet, weil du sachen aus den zusammenhängen herrausreißt??

    @Holga-Walda: Finde deine Ansprache sehr gut, nur hat sich die "Kaiserin der Schmerzen" noch nicht hier blicken lassen, um ihre pro-"CDU"-Kacke abzulassen...
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#8 OlafAnonym
#9 geilerdomiAnonym
  • 10.04.2006, 21:56h
  • @Olaf: Wer dem MDR glaubt, kann auch gleich BLÖD lesen. Denn der Vorstandsvorsitzende des MDR ist ein CSU-Mann.... Alles klar? Übrigens ist auch der ARD-Chef CDU-Mitglied, also passt doch wieder alles zusammen. Wenn du auf der Veranstaltung gewesen wärst, wo das gefallen ist und den Zusammenhang mitbekommen hättest, würdest du nicht so gegen Oskar wettern. Oder bist du etwa mitglied der "S"PD und sauer, das er den sauhaufen verlassen hat, weil dieser seine Ideale als "Sozialdemokratische" Partei verraten hat??

    MfG: Dominik

    Lies mal das hier...

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    www.nd-online.de/artikel.asp?AID=88730&IDC=2
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#10 OlafAnonym
  • 10.04.2006, 22:05h
  • @geilerdomi

    Ich werte Deine Antwort mal als ja, Du findest Fremdarbeiter scheiße. Danke fürs Gespräch. Könntest Du mir bitte noch ca. 75 Links von Quellen aufrechter deutscher Medien schicken? Sonst muss ich wieder zurück auf www.bild.de - HILFE!
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