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Blick in die Glaskugel

Das schwule Online-Dating der Zukunft

Wie verabreden wir uns in zehn Jahren? Wird es gayromeo & Co. dann noch geben? Ein Blick in die Glaskugel.

Von Micha Schulze

Im Jahr 2016 werden sie vielleicht der Renner sein in den einschlägigen Onlineshops: High-Tech-Overalls, bestückt mit Sensoren und an die besonderen schwulen Bedürfnisse angepassten Vibratoren, für nur 299 Euro das Stück in allen Größen und Farben. Bevor man den Rechner hochfährt, schlüpft man in den Overall hinein und kann den geilen Chatpartner dann live und lebensecht auf der Haut und sonst wo spüren. Mit Analverkehr per Joystick erspart man sich aufwändige spätere Live-Treffen – man hat ja immer so viel zu tun, und außerdem ist Cybersex absolut safe …

Wie schwules Online-Dating in zehn Jahren aussehen wird, ist natürlich ein Blick in die Glaskugel: Wird es gayromeo & Co. in der jetzigen Form noch geben oder wurden die Portale von Bertelsmann aufgekauft? Suchen wir unsere Dates dann überhaupt noch im Netz oder gehen wir wieder in die Kneipe, wo man wenigstens noch Überraschungen erleben kann? Ein One-Night-Stand, so hat sich in der Szene vielleicht durchgesetzt, wird langweilig, wenn man vorher schon Schwanz- und Hodengröße des anderen kennt, alle seine erogenen Zonen in einer Fotogalerie bewundert und sich sein Onanie-Video heruntergeladen hat.

Klar ist: Beim Internet und bei den Datingportalen stehen wir erst am Anfang einer rasanten Entwicklung. WLAN und UMTS scheinen schon heute Auslaufmodelle. Die Zugänge ins World Wide Web werden nicht nur immer schneller werden, als eine Art Hypernet wird das Internet bald drahtlos an jedem Ort der Welt verfügbar sein. Mit seiner mobilen Workstation kann man dann gleichzeitig surfen und telefonieren. Mit jeder neuen technischen Möglichkeit werden sich unser Sex und unsere Balzrituale weiter verändern.

Wie darf man sich das konkret vorstellen, wenn beispielsweise Video-Telefonie eines Tages der Standard ist? Klar, vor einem Date guckt man sich dann seinen Sexpartner kurz mal live an – ein praktischer Faker-Schutz. Auch 1:1-Video-Onanie, zu zweit oder in der Gruppe, ist dann noch beliebter als der heutige, oft ruckelige Webcam-Wichs. Besonders cool: Wer mehrere Videohandys besitzt, kann die im Bett verteilen – und so die Ansichten wie im Pornofilm hin und her wechseln. Die Porno-Industrie liegt am Boden wegen dieser Privatkonkurrenz: Die geilsten Streifen gibt es nun überall kostenlos zum Download.


Die schwulen Beratungsstellen haben Video-Onlineberatungen eingeführt – nicht nur für Homos, die von ihrem Freund per Video-SMS verlassen wurden.
Auch die schwulen Kneipen haben endlich auf die Gay-Dating-Konkurrenz reagiert. Gayromeo-mobile-plus-User bekommen das erste Bier im 'Stiefelknecht' gratis, außerdem kann man sich kostenlos in den meisten Bars zu Konferenzen zusammen schalten und so den Mann am anderen Ende der Theke in den Darkroom locken. Die standardmäßig eingebauten, satellitengestützten GPRS-Ortungssysteme sind mit einem elektronischen "Spartacus" gefüttert: Nie wieder wird man durch veraltete Einträge und Karten in die Irre geleitet.

Die mobilen Hypernet-Geräte besitzen alle einen Gay-Modus. Wer ihn angeschaltet hat, dem wird durch Vibrationsalarm angezeigt, wenn sich jemand in der Straßenbahn neben einen setzt, der ebenfalls im Gay-Modus ist. In Köln und Berlin ist die Nutzung wegen der Dauervibrationen in den öffentlichen Verkehrsmitteln inzwischen verboten …

Der Fantasie, wie neue technische Möglichkeiten schwules Flirten und Baggern weiter optimieren werden, sind keine Grenzen gesetzt. Darüber hinaus werden einige Unternehmen das Gay-Hyper-Dating als lukrativen Markt für sich entdecken wollen. Bislang haben sich die so genannten Bastlerportale gayromeo und gayroyal gegenüber den ausschließlich kommerziellen Anbietern durchgesetzt – weil sie näher dran sind am User und seinen Bedürfnissen. Doch besitzen sie das Kapital, um für Zukunftsschlachten gewappnet zu sein? Noch heute verzichtet man bei gayromeo auf Werbebanner, weil man die "doof" findet, und bietet den Premiumzugang annähernd zum Selbstkostenpreis an. Das ist auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen jedoch vielleicht kurzsichtig.

Das Internet ist ein schnelllebiges Medium. Was heute in ist, kann im nächsten Jahr schon wieder out sein. Es ist kaum zu glauben, aber vor drei Jahren war gaydar in Deutschland mal die Nummer eins … So fürchtet man bei etablierten Anbietern nichts mehr, als dass ein kapitalkräftiges Unternehmen das erste ausschließlich werbefinanzierte schwule Datingportal an den Start bringt – mit Premium-Tools für alle User zum Nulltarif.

Was auch immer geschieht und wer auch immer das Rennen um den User machen wird – langweilig wird's beim schwulen Online-Daten bestimmt nicht werden…

Dieser Text ist ein kleiner Auszug aus dem Bestseller "Gay Online Dating – Das ultimative Handbuch fürs schwule Chatten, Verabreden und Bloggen" (hrsg. von Christian Scheuß & Micha Schulze, Bruno Gmünder Verlag, 208 Seiten, Berlin 2005, 12,95 Euro).



#1 Reiner041963Anonym
  • 17.04.2006, 06:28h
  • Ist ja eine schöne Zukunft........ , aber bitte wo bleibt die Menschlichkeit.

    Wo ist der tiefe Blick in die Augen des anderen, wo bitte ist der erste Hautkontakt, die erste zärtliche Berührung, das kribbeln im Bauch.............. !

    Dann bleib ich doch lieber altmodisch, steh zu meinem Alter, meinem Aussehen und renne nicht irgendeinem Cyberkatalog àla Otto, Neckermann und Co. hinterher.
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#2 markAnonym
  • 17.04.2006, 13:53h
  • Der Wandel der Gesellschaft macht eben auch nicht vor der zwischenmenschlichen Kommunikation halt.

    Es wird vielleicht so kommen, oder doch ganz anders, aber zumindest wird es nicht mehr so werden wie es war.

    Die Kids von heute haben schon mehr Erfahrung im Kino moderner Elektronik als manch ein Erwachsener... und die nächste Generation wird ihre Eltern wieder toppen...

    Bin schon gespannt und neugierig darauf, was sich da noch entwickeln und etaplieren wird... Nicht alles Neue muss ja gleich auch schlecht sein.
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#3 VollkornmannAnonym
  • 17.04.2006, 22:15h
  • Wieder ein Buch, das man sich nicht zu kaufen braucht. Zusammengekehrte Versatzstücke und wilde Spekulationen statt nützlicher Fakten – Schwulen kann man halt alles andrehen, was »ultimativ« und »schwul« heißt.

    Von diesem Partner-Alarm-Vibrator für den Omnibus (auch für Heten) habe ich vor sicher mehr als 15 Jahren schon gelesen, da gab’s noch keine Handys, und ich hatte noch nicht mal mein Coming Out. Aber bis in den Quelle-Katalog haben’s die Dinger nie geschafft.
    Die Petting-Overalls wurden schon vor Jahren als der letzte Schrei angepriesen, haben aber total gefloppt. Allein schon das Theater, so ein Ding hinterher wieder sauber zu kriegen.

    Aber wenn’s so einfach werden soll, billig (»nur« 299 Euro...) an anonymen Sex ohne reale Kontakt zu kommen, wer weiß:
    Vielleicht wird das dann ganz schnell langweilig, und die Leute merken plötzlich, daß es auf ganz was anderes ankommt als auf genitale Stimulation. Auf einmal wird dann die persönliche Ausstrahlung wiederentdeckt, die zwischenmenschliche Begegnung in der Wirklichkeit, ganz ohne Online-Kommerz-Virtuality ...als ultimativer Kick der Zukunft.
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#4 ChristianAnonym
  • 07.06.2006, 16:35h
  • Auch hier gibt's halt einfach Leute, die zu viel am Netz hängen, dann kommt man wohl auf solche Ideen - zum Glück zeigen ja schon die Reaktionen, was ein halbwegs lebendiger Mensch davon hält. Meine Männer sind noch immer ziemlich griffig. Haben (manchmal warme) Haut, riechen gut, bekommen Gänsehaut, sehen mir in die Augen, lachen, haben Emotionen etc. - so "kompatible" bleiben wohl ein Aprilscherz ! :-)
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