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Die finnische Metal-Band Impaled Nazarene, die bald in Deutschland tourt, hetzt in einem ihrer Songs gegen Schwule.

Von Jan Gebauer

"Null Toleranz" ("Zero Tolerance") heißt einer ihrer Songs. Bereits mit dem Titel macht die finnische Black-Metal-Gruppe Impaled Nazarene deutlich, dass man von ihnen wohl keine Sympathie gegenüber Schwulen erwarten kann. Im Text geht es handfest zur Sache: In der Tierwelt gäbe es auch keinen männlichen Part, der dem Anderen seinen Schwanz lutscht. Schwule verdienen keine Rechte, Aids ist ihre Strafe und für sie "ist die Zeit gekommen". Als Lesbe hat man immerhin noch ein Geschlechtsteil, das man vergewaltigen kann. Mit dem auf dem Album "Nihil" (2000) veröffentlichten Song wird die Grenze zur freien Meinungsäußerung allerdings aus Sicht vieler Veranstalter überschritten. Ende des Monats will die Band durch den deutschsprachigen Raum touren. Das für den 22. April im schweizerischen Wil angekündigte Konzert der Finnen wurde vom Veranstalter wegen der Vorbehalte gegenüber den Texten der Band bereits abgesagt. Allerdings spielen neben schwulenfeindlichen auch antisemitische Texte eine Rolle. Der Veranstalter begründet es laut dem "St.Galler Tagblatt" folgendermaßen: "Die Texte dieser Band sind ethisch nicht vertretbar und bergen die Gefahr, gegen das Antirassismusgesetz zu verstoßen. Wir wollen dies nicht dulden."

Darauf lässt bereits der Name der Band schließen. Impaled Nazarene heißt "Aufgespießter Nazarener". Auf dem Begrüßungsfoto der Homepage spuckt der Sänger schwallartig Blut in einen Eimer. Im Hintergrund zielen die anderen Bandmitglieder mit Pistolen auf ihn. Auf ihren Plattencovern werden mit Panzerketten Totenschädel zermalmt und nackte Frauenkörper mit Patronengurten verziert. Impaled Nazarene vereint laut dem "Gießener Anzeiger" zahlreiche Komponenten, die Black Metal-Fans schätzen: Ihre Hauptthemen sind Hass, verpackt in mentaler Selbstversenkung, Todessehnsucht, ein Faible für martialisch-infernale Gestik, vorchristliche Zeit und satanistische Symbolik. Brachiale Provokation gehört zur Inszenierung in der Szene und das fordert den Begriff der Kunstfreiheit heraus. Jochen Romisch, Leiter des Jugendzentrums Jokus in Gießen, empfand "die menschenverachtenden Texte" nach eigener Recherche als "indiskutabel" und lud die Schwermetaller kurzfristig wieder aus. Das geplante Trio-Konzert mit zwei anderen Black-Metal-Gruppen am 17. Mai findet ohne die düsteren Gesellen statt.

Ein Live-Event am 25. April in Wermelskirchen wird allerdings laut den dortigen Veranstaltern stattfinden. Das AJZ Bahndamm gab in einer Stellungsnahme auf ihrer Webseite bekannt, dass die Texte falsch zitiert worden seien. Damit beziehen sich die Veranstalter vor allen Dingen auf Berichte des unabhängigen Medienzentrums "de.indymedia.org". Die Band distanziere sich seit ihrer ersten Veröffentlichung von der rechtsextremen Black-Metal-Szene (Aufkleber auf erster CD: "No Fascism, No Politics, Just Provocation", inklusive Stellungnahme der Band im CD-Booklet). In Interviews verurteilen Impaled Nazarene außerdem ständig Bands, die rechte Propaganda betreiben. Auch Band-Mitglied Mika Luttinen gab ein Statement ab: "Bereits seit 1990 treten wir in Deutschland auf und bisher gab es keinerlei Schwierigkeiten … Bezüglich ‚Zero Tolerance’ können wir nur sagen, dass es als total dunkler, geschmackloser Humor-Song geschrieben wurde. 2003 gaben wir im Magazin ‚Rock Hard’ ein Interview zum Thema, das unsere Stellung zu dem Thema dokumentiert … Danach gingen wir auf Tour – ohne Probleme oder Proteste … Wir gehören keiner rechten Vereinigung oder anderen politischen Organisationen an."

Auf der offiziellen Homepage der Band sind die Songtexte aller bisher veröffentlichten Alben einsehbar. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, und so findet sich der Text zu "Zero Tolerance" nicht (mehr) auf der Seite. Aus gutem Grund?

18. April 2006



17 Kommentare

#1 SvenAnonym
  • 18.04.2006, 17:39h
  • Na, wie schön, dass Homo- und Judenfeindlichkeit endlich wieder öffentlich stattfinden dürfen ...
    (Zynismus)
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#2 Jannes WoltersAnonym
  • 18.04.2006, 17:45h
  • der schreiber sollte das mal unbedingt als offizielle bewerbung bei freenet.de und BILD einreichen, da gibts für "journalistischen" müll nämlich noch gut kohle....
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#3 FloAnonym
  • 18.04.2006, 17:46h
  • Also, wenn die Veranstalter schon keinen Anstand haben, hoffe ich, dass wenigstens die Staatsanwaltschaften wegen der Hetz-Texte aktiv werden und den Auftritten einen Riegel vorschieben.

    Allzu oft wird Redefreiheit missverstanden - das Ausnutzen der freien Rede um gegen andere zu Hetzen hat nichts mehr mit dem Grundrecht zu tun.

    Persönliche Freiheit findet ihre Grenzen immer dort, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird! Ansonsten hätten wir nicht mehr Demokratie, sondern Anarchie und das Recht des Stärkeren!
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#4 martinAnonym
  • 18.04.2006, 17:48h
  • na seht ihr, so schnell schafft man es als talentfreie düsternerds von dem medien beachtet zu werden. je mehr man über die würstchen bereichtet, um so mehr haben sie erreicht.
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#5 TimAnonym
  • 18.04.2006, 17:53h
  • Solche Leute verstehen nur die Sprache des Geldes - denen kann man nur mit Auftrittsverbot und CD-Verbot beikommen.

    Da das Hetzen gegen andere, Aufrufe zu Gewalt, etc. auch nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun haben, handelt es sich dabei auch nicht um Zensur, sondern um Wahrung demokratischer Rechte, indem man nicht zulässt, dass Grundrechte ausgenutzt werden um andere in ihren Grundrechten einzuschränken. Das wäre eine Pervertierung demokratischer Prinzipien, wirklich alles zuzulassen.
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#6 Günther NetzerAnonym
  • 18.04.2006, 18:42h
  • i.n. sind vielleicht nerds aber sicherlich keine "homo-hasser"! was soll der quark hier?
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#7 FrankieAnonym
  • 18.04.2006, 19:22h
  • Ich komme aus Wermelskirchen und denke, dass die Veranstalter sich sehr wohl genau mit den Texten der Band beschäftigt haben. (www.ajzbahndamm.de)
    Man sollte der Sache nicht zuviel Bedeutung beimessen, aber ich hoffe sehr, dass die Veranstalter zumindest derart auf die Band einwirken, dass der Song "Zero tolerance", dessen Text nach meiner Einschätzung schon einige Grenzen überschreitet und ekelhaft ist, nicht gespielt wird.
    Der Bahndamm Club in Wermelskirchen ist mit Sicherheit aber ein Ort, wo jeder so sein kann wie er ist, wo keine Fascho oder diskriminierende Inhalte erwünscht sind. (Ach ja, ich bin übrigens auch schwul und halte mich auch gerne im AJZ auf, dass gemeinhin eher der linken denn der rechten Szene zugeneigt ist. Ich selbst mag keine so agressiven Texte. Make love not war - oder auf gut Kölsch: Poppe net kloppe!)
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#8 thomasAnonym
#9 thomasAnonym
#10 Klaus JetzAnonym
  • 19.04.2006, 16:48h
  • Wir haben heute dieses Schreiben inkl. ausführlicher Presseberichte an die Staatsanwaltschaft Köln geschickt. ein gleichlautendes schreiben ging an die Staatsanwaltschaft Passau.

    Staatsanwaltschaft Köln
    Leitender Oberstaatsanwalt
    Herr Jürgen Kapischke
    Am Justizzentrum 13
    50939 Köln
    Fax 4774050

    19.04.2006

    Geplantes Konzert von Hassinterpreten in Wermelskirchen am 25.04.2006

    Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Kapischke,

    durch Presseberichte, die ich Ihnen in Kopie beilege, sind wir auf die Deutschland-Tournee der finnischen „Black-Metal-Band“ Impaled Nazarene aufmerksam geworden.

    Zum Repertoire der Band gehören menschenverachtende Songs wie z. B. „Zero Tolerance“, in dem in unerträglicher Weise gegen Lesben und Schwule gehetzt wird (siehe Kopien).

    Auch viele andere Songs sollen von menschenverachtenden Inhalten zeugen, laut Presseberichten auch nationalsozialistisches Gedankengut transportieren.

    In Wermelskirchen ist für den 25.04.2006 ein Auftritt von Impaled Nazarene im AJZ Bahndamm, Wolfhagenerstr. 11, 42929 Wermelskirchen geplant.

    Sollten Inhalte wie oben und in den Anlagen geschildert zur Aufführung gelangen, scheint uns der Tatbestand der Volksverhetzung gem. § 130 StGB gegeben zu sein. Wir bitten Sie, alle nötigen Schritte in die Wege zu leiten, um Straftaten nach §§ 111 und 130 zu verhindern.

    Mit freundlichen Grüßen

    Klaus Jetz, Geschäftsführer
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