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  • 25. April 2006, noch kein Kommentar

Das Fantasy-Drama "Tropical Malady" von Apichatpong Weerasethakul heimste viele Preise ein. Jetzt auf DVD!

Von Christian Scheuß

Der Affe spricht zum Soldaten Keng: "Der Tiger folgt dir wie ein Schatten, du bist seine Beute und sein Gefährte. Töte ihn, wenn du ihn aus seiner Welt befreien willst. Lass dich von ihm verschlingen, wenn du in seine Welt eintreten willst." Die rätselhaften Worte des Affen im thailändischen Dschungel fallen zu einem Zeitpunkt, an dem bereits zwei Drittel des Filmes "Tropical Malady" (Sud Pralad) gelaufen sind – und der Zuschauer ist zunehmend irritiert. Regisseur Apichatpong Weerasethakul bedient sich ungewöhnlicher Stilmittel, um seine Geschichten zu erzählen.

Aber erst einmal zur Story: Der Soldat Keng ist im Norden Thailands stationiert. Er lernt den Landburschen Tong kennen, der in einer Eis-Fabrik arbeitet. Sie freunden sich im Laufe der Zeit an, es entsteht eine zurückhaltende, schüchterne schwule Liebe.

Hier bricht der Plot ab, es folgt eine lange Schwarzblende und es beginnt der rätselhafte zweite Teil. Keng patrouilliert allein durch den Dschungel, entdeckt rätselhafte Spuren, mal menschlich, mal tierisch. Schließlich verliert er auf der Suche nach dem Geist des Tigers, der menschliche Gestalt annehmen kann, die Orientierung. Keng kämpft gegen Hunger und Durst in der Wildnis, bis er in einer Nacht plötzlich dem Tiger gegenübersteht.

Apichatpong Weerasethakul lässt sich Zeit. Minutenlange Einstellungen einzelner Szenen sind im Kino selten geworden, hier erleben wir sie über zwei Stunden lang. Allein dadurch entwickelt "Tropical Malady" eine beinahe meditative Stimmung. Und der Regisseur bedient sich archaischer Mythen. Der Geisterglaube ist heute noch fest verwurzelt im thailändischen Alltag. Kengs Wanderung durch den Dschungel und seine Begegnung mit dem Tiger sind eine symbolgewaltige, assoziative Auseinandersetzung mit den Grundlagen menschlicher Existenz: Lust und Leiden, Leben und Sterben.

Wegen der ungewöhnlichen Erzählweise und der im Film so feinsinnig vermittelten Weisheiten bekam "Tropical Malady" 2004 in Cannes den Spezialpreis der Jury und 2005 beim schwul-lesbischen Filmfestival in Turin sowohl den Preis für den besten Spielfilm als auch den Spezialpreis der Jury verliehen.

Tropical Malady, TH/DE/FR/IT 2004, Regie: Apichatpong Weerasethakul, 115 Min., FSK 16, Thai OF mit ausblendbaren dt. UT, Extras: Original Kinotrailer, Regisseursbiografie & -kommentar, Vorschau; Salzgeber, etwa 22,90 €

25. April 2006