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Haben Schwule und Lesben alle politischen Ziel erreicht? Die neue Doku von Jochen Hick gibt eine klare Antwort: Noch lange nicht!

Von Christian Scheuß

Europa 2005. Für die meisten Schwulen und Lesben in Frankreich und Deutschland scheinen die politischen Ziele weitgehend erreicht: Die Bürgermeister ihrer Hauptstädte bekennen sich als offen schwul, Partnerschaften und Heiraten werden von Seiten des Staats akzeptiert. Man zieht sich zurück ins Private und pflegt ein hedonistisches Leben zwischen Datinglines und Clubbesuchen. Ist Aktivismus und politischer Kampf nicht mehr notwendig?

Die Filmemacher Jochen Hick und Christian Jentzsch haben sich auf eine Reise durch Europa begeben, um zu sehen, wo es trotz Homoehe und Diskriminierungsverbot noch brennt und hakt. Die daraus entstandene Dokumentation lief bereits auf arte. Jetzt wird sie in einer neuen Version auf Filmfestivals wie zuletzt in Turin oder im Mai in Köln gezeigt. Unter der Federführung der "International Lesbian And Gay Association" sowie der Hilfe eines Sponsors soll in Kürze auch eine DVD erscheinen, um diese Bestandsaufnahme möglichst breit streuen zu können.

Der Engländer Jeremy Hooke aus Norwich versucht seinen weißrussischen Freund Vadim, der wegen seiner Verfolgung als Homosexueller in seiner Heimat Asyl in Großbritannien beantragt hat, vor der Deportation zu bewahren, was ihm misslingt. Peter Tatchell und Brett Lock von Outrage stehen Jeremy zur Seite. Währenddessen wollen Stephen Barris und ILGA Aktivisten aus der ganzen Welt in Genf vor der versammelten UN-Kommission für eine Festschreibung des Rechts auf den weltweiten Schutz Homosexueller kämpfen: der erste Versuch, dies 2004 auf Wunsch der Brasilianer in die UN-Charta aufzunehmen, wurde abgeschmettert. Eine (un-)heilige Allianz zwischen Vatikan und Pakistan gegen das Vorhaben haben die Aktivisten dokumentiert.

In Amsterdam sind Jeroen und Sander nach Übergriffen von arabischen Jugendlichen in ein anderes Viertel gezogen. Dort gehen die verbalen Beschimpfungen und körperlichen Angriffe weiter, so dass Joeron verängstigt nicht einmal mehr zum Einkaufen geht. Seit dem Tod von van Gogh hat sich die Atmosphäre im einstigen "Gay-Capital" Europas verschärft. In Krakau treffen wir wieder auf Stephen Barris, der am Festival der polnischen "Kampagne gegen Homophobie" teilnimmt. Der Marsch der Schwulen und Lesben im letzten Jahr endete in Gegengewalt. Filmausschnitte zeigen Zurufe von Polen, die die Teilnehmer am liebsten in den Verbrennungsöfen des nahe gelegenen Auschwitz sehen würden. Kurz nach dem Tod des Papstes sieht man von einem neuerlichen Marsch ab. Eine andere Organisation will trotzdem marschieren, doch die Stadt verbietet die Veranstaltung. Doch die Nazis und Schwulengegner formieren sich trotzdem.

Hick und Jentzsch schaffen es, über die konkreten Personen und deren Schicksale, die Wichtigkeit der politischen (Lobby-)Arbeit klarzustellen. Der europäische Vereinigungsprozess und die Globalisierung machen es dabei immer wichtiger, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Wer Vorbehalte hatte gegenüber der Arbeit von Verbänden und Homo-Lobbyisten, der wird schwul-lesbische Politik am Ende der Doku geradezu sexy finden.

RAINBOW'S END läuft am 26.4. und 3.5.06 in Berlin (XENON), 3.5.06 Köln (Filmhaus-Kino).

25.04.2006



34 Kommentare

#1 holga-waldaAnonym
  • 25.04.2006, 11:57h
  • "....der wird schwul-lesbische Politik am Ende der Doku geradezu sexy finden......."

    d a s h o f f e i c h
    i n b r ü n f t i g !
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#2 smalltownboyAnonym
  • 25.04.2006, 22:36h
  • Irgendwann ist ein Umkehrpunkt erreicht und die Gesellschaftliche Entwicklung stagniert oder wird umgekehrt und eine Gesellschaft entwickelt sich zurück. Ein Faktum, dass sich immer wiederholt hat in der Geschichte!
    Die Zeiten, der großen Umstürze und Revolutionen dürfte wohl vorbei sein, diese Entwicklung vollzieht sich heute schleichend.

    Jahrzehntelang wurden z.B. die USA als Musterbeispiel in Punkto Freiheit angesehen. Spätestens seit September 2001 ist hier der Umkehrpunkt erreicht. Mittlerweile ist deutlich eine Rückentwicklung in Punkto Liberalität und Freiheitsrechte zu erkennen.
    (Pseuydo)Religiöse Gruppierungen gewinnen immer mehr Einfluss, meist auf Kosten Andersdenkender oder Minderheiten.
    Die Vorgehensweise ist bekannt: Anfangs wird verbal verdammt, indirekt psychischer Druck ausgeübt, über kurz oder lang schlägt dieser dann in physischen Druck bzw. Gewalt um.

    Die in den letzten Jahren erreichte relative Freiheit von Schwulen und Lesben in Westeuropa (verglichen mit dem Rest der Welt) ist natürlich beachtlich, nur ist sie garantiert nicht das Ende des Regenbogens!

    Irgendwann kriecht eine Bundeskanzlerin (oder auch Kanzler) irgendeinem Präsidenten in den Hintern und leitet eine schleichende Rückwärtsentwicklung auch in Westeuropa ein und
    auch hierzulande stehen die „religiösen Truppen“ bereit, diesen Weg kraftvoll zu unterstützen.

    Schwule und Lesben sind und bleiben nun mal eine Minderheit in der Welt und Minderheiten wurden und werden immer gerne als Sündenbock missbraucht.
    Mal abwarten, ob in 5 oder 10 Jahren statt fröhlicher CSD-Partys nicht wieder die Mantelkrägen hochgeschlagen werden.
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#3 wolfAnonym
  • 26.04.2006, 00:10h
  • durch die globalisierung hat das kapital, regional gesellschaftliche verhältnisse hergestellt wie vor 100 jahren.
    der berühmte satz:: es wiederholt sich alles, scheint zu stimmen.
    das allgemeine klima war vor 30 jahren offener, zumindest in berlin, konnte man ungeniert seine schwulität leben, was heute nicht mehr in der öffentlichkeit möglich ist.
    wenn wir die kleinen , schwer erkämpften "rechte"nicht wieder verlieren wollen, müssen wir gegensteuern und uns wehren. keiner scheint den gegenwind ernst zu nehmen !
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#4 LIEBER EIN WARMER KRIEGER ALS EIN KALTER BRUDERAnonym
  • 26.04.2006, 10:34h
  • die gesichter der gesellschaften ändern sich. diese entwicklung geht mit auf- und abschwüngen immer vorwärts. die arten der wirtschaftens erzeugen global neue schichten und milieus, alte sterben ab, weltweit, irdisch nah mit kalten und heißen konflikten.
    und wir mit ca. 10% immer mit dabei.
    schillernde vielfalt vom iranischen strang bis zur amerikanischen butt-machine und alles zwischendrin.
    es gibt da gewinner und verlierer, in jeder region der erde, in jedem straßenzug der nachbarschaft.
    in zeiten scheinbarer ruhe wächst neues heran, mal laut mal leise
    schafft es zwingend neue lebensumstände.
    kluge rainbow-warrior müssen dann neu stellung beziehen, sich weiterentwickeln oder museumswächter werden.
    am besten sie haben beides, denn wer nicht weiß woher er kommt,
    läuft gefahr in einem kreis zu laufen, der sich von außen als spirale
    nach unten zeigt. die amerikanischen prognostizierer des endes der geschichte -ihre vielleicht- machen heute mit anderen buchtiteln kasse.
    ein teil der bewegung wird mit synthetischen drogen immer neue
    sexualpraktiken testen, (unser beitrag zur human-medizin ?), ein
    weiter teil wird sich mit immer besseren technologien das ganze
    als clip betrachten, manche werden kinder erziehen, alte vielleicht
    neue wohnformen testen, sehr sehr viele hartz IV-formulare
    ausfüllen und arbeiten machen müssen, die sie hassen.
    in allen lebensphasen stellt sich die frage: ist das ein klasse standpunkt ?
    solche fragen gehen manchmal knapp am arsch vorbei, manchmal sind sie mittendrin. wie geht´s denn den schwulen so, in ländern,
    in denen das naturkautschuk gesammelt wird, dass gerade in meinem
    ökologisch aufgeklärten arsch steckt ? welche gesellschaften essen
    wir ohne mit der csd-wimper zu zucken mit auf ? was wollen wir morgen heucheln ? weiß noch jemand was csd ist ? kann man das
    kaufen ? man kann....
    "..und man siehet die im lichte, die im dunkeln sieht man nicht..",
    b. brecht, darkroom IV.
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#5 SaschaAnonym
  • 26.04.2006, 13:04h
  • @wolf:

    Du schreibst, dass man vor 30 Jahren in Berlin "ungeniert seine Schwulität in der Öffentlichkeit leben" konnte, was heute nicht mehr möglich sei.

    Könntest du das bitte etwas genauer erläutern? Was war vor 30 Jahren in der Öffentlichkeit möglich und heute nicht mehr und warum??? Der von dir angedeutete Zustand wäre nämlich sowohl erschreckend als auch inakzeptabel!

    Daher kann ich dich und andere nur dazu ermutigen, in der Öffentlichkeit ALLES mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu tun wie Heterosexuelle auch!

    Im Zweifelsfall müssen wir auch zum offenen Konflikt bereit sein, um für unsere Rechte zu kämpfen und ein Zeichen zu setzen! Das Problem besteht ja gerade darin, dass viele Homos meinen, sich in der Öffentlichkeit "zurückhalten" zu müssen - und eben deshalb ändert sich im Alltag und im öffentlichen Bewusstsein nichts oder kaum etwas!
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#6 FloAnonym
  • 26.04.2006, 18:55h
  • Jeroen und Sander waren auch mal in einer arte-Doku (oder 3sat, weiß ich nicht mehr so genau). Das ist echt schockierend, was im eigentlich liberalen Amsterdam in den Vororten so abgeht.

    Da sieht man, wozu es führt, wenn man falsche Toleranz ausübt. Das schadet nicht nur den Homos, sondern auch den Ausländern, die nicht so radikal sind, wie diese fanatisierten Ausländer.
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#7 TimoAnonym
  • 26.04.2006, 20:25h
  • Leider stehen viele Schwule auf dem Standpunkt "Wir haben doch die eingetragene Lebenspartnerschaft, rechtlich sind wir doch gleichgestellt."

    Das ist leider falsch, da diese Ehe 2. Klasse diskriminierend gegenüber der echten Ehe ist. Was wir als erstes brauchen, ist die volle Öffnung der Ehe (inkl. aller Rechte und Pflichten) für Schwule und Lesben!! Und auch danach gibt es noch sehr viel zu tun in Deutschland, eh wir wirklich absolut gleichberechtigt sind und nicht mehr diskriminiert werden!

    Und wenn wir dann nur mal zu Nachbarstaaten wie den Homohassern in Polen sehen, die seit dem EU-Beitritt auch in anderen EU-Staaten das Rad zurückdrehen wollen (was nach der Aufnahme der Türkei wohl auch gelingen würde, weil die Homohasser dann stark genug in der EU wären), wird klar, dass wir noch LANGE nicht am Ziel sind!

    Es ist schade, dass wir weiter kämpfen müssen für Menschenrechte, die in zivilisierten Staaten eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber ist nun mal so!!
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#8 SperrkassiererAnonym
  • 26.04.2006, 20:26h
  • @) flo

    hab die doku auch gesehen.
    nenn mir mal ein ghetto auf der erde,
    mit oder ohne strom und wasser,
    in dem schwule nicht angefeindet werden.

    das hat was mit materieller und geistiger armut zu tun. das ist eine soziale frage.

    ich denk da auch an eine null-toleranz -politik gegen die. die mit materieller und geistiger armut profite machen. ihre mietgier mit armut befriedigen, elendsviertel auslutschen, fotruyns und westerwelles wählen, und ansonsten gerne
    "kuschen" mit roger.
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#9 wolfAnonym
  • 27.04.2006, 09:07h
  • @ sascha
    es ist nicht leicht deine frage auf den punkt (mit 2 sätzen) zu bringen. aber z.b., alle schwulen kneipen hatten nichts gegen heteros als gäste einzuwenden, umgekehrt in allen angesagten disco`s waren schwule als gäste gern gesehen, schon weil die meisten super tanzen konnten man wurde auch nicht als schwule drecksau beschimpft, nur weil man zu einem besonderen anlass gut gekleidet war.es gab eigentlich keine offene aggression gegen schwule. im gegenteil, viele heten wollten unbedingt in eine gemischte klicke um dabei zu sein.
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#10 martinAnonym
  • 27.04.2006, 10:22h
  • @wolf
    gleichberechtigung stell ich mir aber anders vor als vom exotenbonus profitierend in kneipen nur als tanzwütiges, gut gekleidetes aber im endeffekt nicht wirklich akzeptieres homomaskottchen durchzugehn. positive vorurteile sind auch vorurteile.
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