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  • 28. April 2006, noch kein Kommentar

Das 21. schwul-lesbische Filmfestival in Turin hat seine Preise vergeben. Und Jury-Mitglied Udo Kier kuschelte mit allen.

Von Christian Scheuß

"Be free, be free", schallte es den ganzen Donnerstagabend über aus den Lautsprechern im großen Saal des Teatro Nuovo in Turin. Das von der italienischen Sängerin Valentina Gautier kreierte Pop-Stück ist die diesjährige Hymne zum Gay Pride Torino. Schauspieler Udo Kier nahm die Aufforderung wörtlich. Er war so frei, sich schon vor Beginn der Preisverleihung ordentlich einen anzuschickern, so das er nicht mehr in der Lage war, auf der Bühne den Namen des Preisträgers abzulesen. Seinem Jurykollegen, dem chinesischen Regisseur Yonfan war das so peinlich, das er versuchte, Kier das Mikro zu entreißen. Irgendwie schaffte es die Jury dann doch noch, ihre Preise loszuwerden, und Kier zog es vor, die restliche Zeit über mit dem Moderator zu kuscheln, der sich kaum zu wehren wusste.

Dem lustig chaotischen Abschluss war eine Woche voll interessanter Aufführungen voran gegangen. Rund 180 Spielfilme, Videos, Kurzfilme und Dokumentationen wurden gezeigt. Rund 1.000 Besucher täglich und 600 Akkreditierte zählte das Festival unter der Leitung von Giovanni Minerba. Sehr zufriedenstellende Zahlen, wie er meinte. Auch die finanzielle Seite scheint erstmals in diesem Jahr nicht mehr für Bauchschmerzen zu sorgen. Erstmals gab es mit dem "Museo Nationale de Cinema" eine Kooperation, die die Abwicklung der finanziellen Angelegenheiten abwickelte. Zudem übernahm die staatliche Einrichtung die Schulden aus dem vergangen Jahr. Das veranschlagte Budget von rund 410.000 Euro konnte somit in diesem Jahr komplett für die Arbeit des Festivals verwendet werden.

Die Jury-Mitglieder – neben den bereits genannten waren unter anderem auch der Fotograf Greg Gorman, der Regisseur Alain Guiraudie oder die Berlinale-Mitarbeiterin Margaret von Schiller mit dabei – hatten in diesem Jahr sehr viele hochwertige Produktionen zu sichten. Die Themen Transgender und Familie standen bei vielen Filmen im Mittelpunkt, was sich aber eher zufällig ergeben hat. "Wir hatten über 600 Filme vorab zu sichten. Das ist halt dabei herausgekommen", erklärt Giovanni Minerba.

Sieger in der Kategorie Spielfilm wurde "The Blossoming of Maximo Oliveros". Der aus den Philippinen entstandene Film zeigt das Leben des zwölfjährigen Maximo, der bereits weiß, das er schwul ist. Als er sich in einen Polizisten verliebt, nimmt das Drama seinen Lauf. Denn sein Vater und seine Familie halten sich in einem Armenviertel in Manila mit Diebstählen über Wasser. "Dieser Film geht über de Grenzen sexueller Identität hinaus und erzählt eine Geschichte über Liebe in der Familie", urteilte die Jury. Von den ganz wenigen deutschen Produktionen, die vertreten waren, erhielt immerhin die Dokumentation "Between The Lines – India’s Third Gender" vom Journalisten Thomas Wartmann einen Publikumspreis.

Die komplette Liste mit den Siegern:
Wettbewerb Spielfilm
- Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros (The Blosoming of Maximo Oliveros), Philippinen 2005
- El cielo dividido (Broken Sky), Mexiko 2006
- 50 Ways of Saying Fabulous, New Zealand 2005

Wettbewerb Kurzfilm
- David von Roberto Fiesco, Mexiko 2005
- La China von Antonia San Juan und Diego Postigo, Spanien 2005
- Summer von Hong Kahou, UK 2006

Wettbewerb Dokumentation
Seres extravagantes (Old People Out) von Manuel Zayas, Spanien 2004

Wettbewerb Video
- Kim Chu-ja von Choi Jin-Sung, Südkorea 2004
- Gypo von Jan Dunn, UK 2005
- Dong-Baek-Ggot (Camellia Project) von Choi Jin-Sung, Südkorea 2004

Sonderpreis Torino Pride 2006
- Go West, Bosnien / Herzegowina 2005

Die Publikumspreise
Bester Spielfilm: Sancharram (The Journey), Indien 2004
Bester Kurzfilm: Summer, UK 2006
Beste Doku: Between The Lines, India’s Third Gender, Deutschland 2005
Bestes Video: Masahista (The Masseur), Philippinen 20005

28.04.2006