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  • 03. Mai 2006, noch kein Kommentar

Sie ist ein Highlight beim Sommerblut-Festival. Im queer.de-Interview lüftete die Diva ein Geheimnis: Sie ist begeisterte Fußball-Zuschauerin.

Von Jan Gebauer

Georgette Dee gilt als ultimative Diva der deutschen Musiklandschaft. Auf der Bühne sieht man sie nie ohne Zigarette und Alkohol. Ihr aktuelles Programm "neben mir: ich - wie nett! Bar-Lieder" zeigt die Künstlerin inspiriert und ausdrucksstark wie selten zuvor. Diesmal mit kleiner Besetzung, begleitet von Jürgen Attig am Kontrabass und Jakob Neubauer am Akkordeon, besingt die Dee das Leben hinter dem Leben. Warum wir durchhalten, warum wir fallen. Die Lieder, seien es perfekte Liebeslieder, Wutgeschrei oder sogar Trinklieder, handeln immer von einem Ort in uns selbst.

Mit ihren kleinen, bissigen Moderationen, mit ihrer großen Musikalität, voller Humor und Wärme wird die Dee das Publikum am 18. und 19. Mai im Kölner Gloria-Theater verzaubern. Darüber hinaus wird sie am 3. Juni an der Seite von Tim Fischer, Gerd Köster, Shequida, Katharina Herb und Gerburg Jahnke einen fulminanten "Diven"-Abend bestreiten.

Georgette, es gibt so viele Dinge, die man schön über Sie gelesen hat. Gibt es ein Geheimnis, das sie für queer.de lüften können.

Vielleicht meine Sport-Leidenschaft.

Sie treiben aktiv Sport?

Heute nicht mehr. Früher war ich sehr gut in Sport. Ich habe gerne Leichtathletik gemacht und Volleyball im Verein gespielt. Da ich aber kein "Vereinsmeier" bin, hat sich das dann aber nicht getragen. Tja, und irgendwann in der dritten Pubertät hat man die sportlichen Aktivitäten auf Sex verlegt. Heute sind es nur noch amüsierte Erinnerungen und hin und wieder mal den Garten umgraben.

Mögen Sie auch Fußball? Die Weltmeisterschaft startet ja bald.

Ich habe schon die Europameisterschaft 2004 intensiv angeschaut. Viele waren erstaunt wie fachlich ich gemeckert habe. Das aller Beste war als Günter Netzer wieder kommentierte und ich meinte: "Ich kann diesen schmierigen Milliardär nicht mehr sehen, der auch noch öffentlich-rechtliche Gagen kassiert." Alle schauten mich vorwurfsvoll an. Wenig später betrat ein Bekannter den Raum und rief: "Ach, der Netzer-Milliardär!" und alle waren sehr amüsiert. Das war aber schon im Halbfinale beim Spiel Portugal gegen Holland, als die Holländer endlich rausflogen. (lacht)

Was halten Sie allgemein von Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen oder der Fußball-Weltmeisterschaft?

Ich finde es schön, solange der Gedanke des Spiels nicht verloren geht. Die Olympischen Spiele oder die Weltmeisterschaft haben zwar eine große mediale Aufmerksamkeit, aber letztendlich zählt bei allen Spielen, ob nun im Sport oder als Brett- und Gesellschaftsspiel, die Bedeutung für die soziale Gruppe. Ich habe viele Bekannte, die hassen es zu spielen. Das sagt viel über die Person aus.

Was denn?

Viele wissen einfach, dass sie sich nicht unter Kontrolle haben, wenn sie verlieren. Aber ich war als Kind auch nicht anders. Ich habe es gehasst zu verlieren. Ich bin immer ausgerastet und meine Geschwister haben nur widerwillig mit mir gespielt, weil ich so zickig war. Aber als Kind ist das vielleicht auch normal. Es ist der Lernprozess, dass man eben nicht immer gewinnen kann.

Kann man Musikwettkämpfe, wie zum Beispiel den Eurovision Song Contest, mit denen im Sport vergleichen?

Das ist alles lächerlich, weil das eben keine richtigen Wettkämpfe sind. Oder wenn ein TV-Moderator seinen Liebling solange hypet bis er seine 10.000 CDs verkauft hat, um überhaupt teilnehmen zu dürfen. Ich finde das krank. Mit Kunst hat das jedenfalls nichts zu tun, und so kann ich davor auch keinen Respekt haben.

Daraus höre ich, dass sie nicht von den stimmlichen Qualitäten der Teilnehmer überzeugt sind?

Manche sind ganz okay, aber ich habe an der Falkenberg-Schule in München Studenten gehabt, die zwanzigmal besser singen können, zudem besser aussehen und mehr Ausstrahlung haben. Aber die Leute müssen wissen, was sie tun. Ich für meinen Teil lehne es ab und finde es grotesk, weil es ein massenmedialer Zirkus ist. Die Idee eines Gesangswettspiels ist überhaupt nicht mehr gegeben. Beim Fußball ist es ähnlich, eben ein großer Geldzirkus. Wobei es hier immer noch das reine Zusammenspiel gibt, wenn zwei Mannschaften gegeneinander antreten. Das ist wie bei einem guten Theaterstück, wenn das Ensemble gut zusammen agiert. Bei Gesangswettbewerben ist das anders. Beim Eurovision Song Contest lernen die Sänger ja nichts von einander. Das gab es schon eher bei "Deutschland sucht den Superstar". Die mussten immerhin noch als Gruppe zusammen klarkommen. Von der Qualität und dem ganzen Drumherum mal abgesehen. (lacht)

Und dort hat sie auch keiner überzeugen können?

Das ist wie mit einem Fotomodell. Wenn man einen hat, der an einen glaubt, zusätzlich einen guten Fotografen und Visagisten, kann man aus jedem einen Star machen. Ich hatte letztens erst das neue Album von Alexander, welches durchaus solide ist, eben "Fahrstuhl-Musik". Ich weiß wie es gemacht wurde, und habe davor keinen Respekt. Mit Kunst hat das für mich gar nichts zu tun.

Vor welchen Künstlern haben Sie Respekt?

Das geht für mich von den Beatles bis hin zu Laurie Anderson, und selbst Nina Hagen gehört für mich dazu. Es gibt auch viele grandiose Musiker und Sänger, die weniger bekannt sind, die aber trotzdem ihr Ding machen und einen eigenen Klang kreieren.

Georgette Dee präsentiert "neben mir: ich - wie nett! Bar-Lieder" auch im Rahmen von "Diven" am 3. Juni in der Kölner Philharmonie, Karten bei Köln-Ticket unter Tel (0221) – 28 01. Mehr Infos im Internet unter www.sommerblut.net

Weitere Tour-Daten:

Weimar - Spiegelzelt, 6.-7. Mai
Nürnberg - Tafelhalle, 13. Mai
Hamburg - Schmidts Tivoli, 14. Mai
Köln - Gloria, 18.-19. Mai
Berlin - Tipi das Zelt, 20.-28. Mai
Mainz - Mainzer Kammerspiele, 2. Juni
Göttingen - Stadthalle, 21. Juli
Friedrichshafen - Kulturufer, 13. August

3. Mai 2006