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  • 08. Mai 2006, noch kein Kommentar

Das Buch "Sünde auf See"erzählt die erotische Geschichte der christlichen Seefahrt

Von Carsten Weidemann

Rotlichtviertel großer Hafenstädte lassen Landratten gerne glauben, Seefahrt selbst sei asexuell, nur an Land tobten sich Seeleute aus. Klaus Hympendahl, Weltumsegler und international bekannter Autor maritimer Bücher, korrigiert aufs Anschaulichste diesen vehementen Irrtum. "Frauen an Bord bringen Unglück", diesen oft beschworenen Satz entlarvt er als Aberglaube im Reich der Christlichen Seefahrt. Frauen auf Schiffen gibt es, seit es Schiffe gibt. Sie fuhren als Passagiere, Mätressen, als Huren, als verkleidete Männer, ja selbst als Piratinnen.

Es fällt einem schwer sich vorzustellen, auf der Seefahrt habe man(n) monogam gelebt, und das teilweise über Monate und Jahre hinweg, bis wieder ein längerer Landgang anstand, und so war es wohl auch nicht. Waren bis zu Hunderte von Männern an Bord, kam es auch zu Homosexualität, Päderastie, Sodomie oder Sadismus. Von solchen Sünden zu reden galt selbst schon als Sünde.

Hympendahl knackt derlei Tabus. Was sich Leser und, ja, Leserinnen erschließt, ist ein lang unterdrücktes Kapitel aus der Kultur- und Sittengeschichte der Seefahrt. Mit der Akribie eines Forschers und dem Können eines geistreichen Erzählers erkundet er einen Themenkomplex, der so noch nicht in der Literatur dargestellt wurde. Das ist authentisch und unterhaltsamer als das meiste Seemannsgarn.

Klaus Hympendahl: Sünde auf See. Die erotische Geschichte der christlichen Seefahrt, Heel Verlag, 19,95 €

8. Mai 2006