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  • 16. Mai 2006, noch kein Kommentar

Die stärksten Neuveröffentlichungen der Woche in der queer-de-Review: Bruce Springsteen, Jewel und Al Di Meola.

Von Jan Gebauer

Bruce Springsteen – "We Shall Overcome: The Seeger Sessions"

Irgendwann wollen sie alle wieder zurück zum Ursprung: Auch Bruce Springsteen lotet seit einigen Jahren immer wieder die Grenzen der Vergangenheit aus und präsentiert mit "We Shall Overcome" ein überraschend spontanes Werk. Aus dem hemdsärmeligen Sex-Symbol der 80er-Jahre (der knackige Hintern auf dem LP-Cover von "Born In The USA") ist ein etwas kauzig aussehender Altrocker geworden, der sich den Songs von Pete Seeger angenommen hat. Seeger war eine der Galionsfiguren der Folk-Bewegung, die in den 40er, 50er und vor allen Dingen den 60er Jahren ihren Höhepunkt fand. Neben Eigenkompositionen wurde Seeger vor allen Dingen durch das Wiederbeleben von Traditionals berühmt, derer sich nun auch Springsteen hauptsächlich angenommen hat. Manche davon reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück ("Froggie Went a Courtin’"). Herausgekommen ist wunderschönes, entspanntes Album, das nur so vor Spontaneität und echter Musikliebe sprüht. Dazu versammelte Springsteen eine erstklassige Mannschaft von Musikern: Geigen, Gitarren, Banjos, Perkussionen, Blasinstrumente und allerlei mehr führen zu einem lebendigen, fröhlichen Album. Mehr als um ein Seeger-Songbook handelt es um eine Hommage an die Wurzeln US-amerikanischer Musik. Wie wichtig Springsteen die Geschichten hinter den Liedern sind, zeigt sich an den kurzen Erklärungen im Booklet. Dazu gib es eine Bonus-DVD, die 30 Minuten Entstehungsgeschichte zum Album dokumentiert. Anspieltipps: "O Mary, Don’t You Weep", "Mrs. McGrath" und "Pay Me My Money Down".

Offizielle Bruce-Springsteen-Homepage

Jewel – "Goodbye Alice in Wonderland"

Auch Jewel beschäftigt sich mit Wurzeln, allerdings mit ihren eigenen, denn nach dem das letzte Album "0304" überraschend Dance-Pop bot, hat die Sängerin mit "Goodbye Alice in Wonderland" wieder eine CD mit "erdigeren" Songs aufgenommen. Gewohnt persönlich, steht hier neben den lyrischen Fähigkeiten, die immerhin eine der schönsten und traurigsten Liebesballaden der 90er Jahre ermöglichte ("Foolish Games"), vor allen Dingen die eindringliche Stimme Jewels im Vordergrund. Sie macht jeden Song greifbar und die Inhalte glaubhaft. Die in den Weiten Alaskas groß gewordene Musikerin, die bisher über 25 Millionen Alben verkaufte, zeigt in "Good Day", dass eben nicht alles in bester Ordnung ist: "The stars are bright, might make a wish, if i believed in that shit. But as it is, i might watch TV." Dabei geht's immer um eine gewisse Bewegung, um texanische Kleinstädte, um Flugzeuge, Autobahnen, Hotelzimmer und dieses Gefühl, "1.000 Miles Away" zu sein. Nur ganz kurz, in "Fragile Heart" wird zumindest geographisch eine Atempause eingelegt: drei Minuten Pop, nur ein paar Textzeilen, die aber alles sagen. Über gebrochene Herzen, und die Liebe, die halt nicht immer so süß ist. Das verpackt Jewel gekonnt in Pop- und Rock-Melodien, die ab und zu ihren Folk-Wurzeln huldigen. Damit schließt sich der Kreis.

Offizielle Jewel-Homepage

Al Di Meola – "Vocal Rendezvous"

Al Di Meola gehört seit weit über dreißig Jahren zu den ausdruckstärksten und innovativsten Jazz- und Jazzrock-Gitarristen der Welt. Bereits im Alter von 19 Jahren gewann er mit Chick Coreas Allstar-Gruppe Return to Forever einen Grammy und schrieb auch als Solokünstler Geschichte, als er 1976 und 1977 mit den furiosen Alben "Land Of The Midnight Sun" und "Elegant Gypsy" die Welt in seinen Bann zog. So virtuos und gekonnt hatte vor ihm kein anderer Gitarrist Rock, Jazz, Latin-Elemente und World Music miteinander vermischt. Außer vielleicht der allmächtige Carlos Santana. Später wechselte Di Meola immer häufiger von der elektrischen zur klassischen Gitarre und formierte fabelhafte Trios mit Kollegen wie Paco de Lucia und John McLaughlin. Unter dem Titel "Vocal Rendezvous" präsentiert Di Meola nun Songs, die in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Xavier Naidoo, Angie Stone, Macy Gray, Beverley Knight oder dem schwedischen Popsänger Bosson (Hit: "One In A Million") entstanden sind. Ein wirklich spezielles Werk in der langen Karriere Di Meolas und eines, dass ihn einmal mehr als gekonnten Grenzgänger zwischen unterschiedlichen Stilen auszeichnet. Besonders packend zeigt sich die Instrumentalnummer "Rendezvous Rhapsody", in der Jazz-Star Till Brönner sein großes Können unter Beweis stellt und auf seiner Trompete ein faszinierendes Duett mit Di Meolas Akustikgitarre eingeht. Warum er aber die einstigen Frank-Farian-Schützlinge No Mercy ausgegraben hat, bleibt ein Rätsel.

Offizielle Al-Di-Meola-Homepage

16. Mai 2006