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  • 18. Mai 2006, noch kein Kommentar

Selten war der Eurovision Song Contest so schrill und bunt wie dieses Jahr. queer.de stellt die Highlights vor.

Von Jan Gebauer

Der Countdown tickt unerbittlich: Der Eurovision Song Contest (ESC) steht vor der Tür – und unter den insgesamt 37 Teilnehmerländern tummeln sich viele schrille, exaltierte und aufregende Acts. Bevor es am Samstag in das traditionelle Finale geht, müssen 23 Länder im Halbfinale gegeneinander antreten. Per Telefon dürfen die Zuschauer für ihren Favoriten anrufen. Die zehn Länder mit den meisten Stimmen nehmen die vakanten Plätze im Finale ein. Dort sind bereits 14 Länder fest platziert. Darunter die vier größten Geldgeber der Eurovision: Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Mit Texas Lightning geht für Deutschland die aktuelle Nummer eins der Single-Charts an den Start. Eine witzige, muntere Country-Truppe angeführt von Sängerin Jane Comerford, am Schlagzeug von Comedian Olli Dietrich unterstützt. "No No Never" steht bei den Buchmachern ebenso hoch im Kurs wie bei den Journalisten, Fachleuten und Fans, die derzeit in Athen vor Ort sind. Selbst die sonst gegenüber Deutschland überkritischen Briten sagen eine Top-5-Platzierung für den erfrischend authentischen Beitrag voraus.

Für Schwule besonders interessant: Die vielen heißen Typen, die sich dieses Jahr aufgemacht haben, um den Contest in ihr Land zu holen. Allen voran dürfte der Russe Dima Bilan ("Never Let You Go") so manchen ins Schwitzen bringen. Der dunkelhaarige, durchtrainierte Typ sieht nicht nur scharf aus, sondern verausgabt sich total auf der Bühne (queer.de berichtete). Dabei spielt er natürlich mit seinem Sex-Appeal und zeigt auch ein wenig Haut. Da muss sich Maltas Fabrizio Faniello mächtig ins Zeug legen. Mit seinem flotten Euro-Pop "I Do" und einem äußerst smarten Lächeln, ist er bereits für das Finale nominiert. Er ist schon ein alter ESC-Bekannter, denn schon 2001 ließ er mit "Another Summer Night" die Fan-Herzen höher schlagen. Außerdem erreichte seine Single "I'm In Love - The Whistle Hit" 2004 die Top-Ten in Schweden und kam auch unter die ersten 50 der deutschen Charts. Ebenfalls süß und bereits für das Finale platziert: Andreas Lundstedt (Alcazar), der als Teil des Schweizer Multikulti-Acts Six4One antritt. Kein Geringerer als Ralph Siegel zeichnet sich für die Musik verantwortlich. Der offen schwule Lundstedt muss mit seinen fünf Bandkollegen direkt als erster im Finale seinen Auftritt absolvieren. Mit der typischen Siegel-Hymne "If We All Give a Little" sollen gerade die angesprochen werden, die es beim ESC eher "klassisch" und "versöhnlich" mögen.

Für Trash- und Spaß-Fanatiker hat der Contest dieses Jahr auch wieder reichlich Acts. Im Vorfeld sorgte die finnische Hard-Rock-Kapelle Lordi für Schlagzeilen. Sogar Schlagermutti Nicole sah sich bemüßigt einen lautstarken Protestbrief in der "Bild" zu veröffentlichen (queer.de berichtete). "Hard Rock Hallelujah" heißt der rockigste Beitrag 2006, der sicher dem ein oder anderen älteren Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen wird. Falls nicht, dann werden das vielleicht die grotesken Monstermasken à la Geisterbahn besorgen. Die isländische Starterin Silvia Night und ihr ironischer Song "Congratulations" gehören mit nicht minder groteskem Make-up, divenhaften Rumgezicke und einer hemmungslos übertriebenen Bühnenshow ebenfalls zu den absoluten Highlights, die man bereits im Halbfinale bewundern darf. Mit Startnummer 23 dürften sie zumindest die Trash-Fans köstlich amüsieren.

Zu den absoluten Favoriten gehören allerdings eher Schweden, Griechenland und Belgien. Alle drei Länder punkten mit starken Songs: Carola für Schweden mit dem hymnenartigen Popstück "Invincible" am Start, gewann den ESC bereits 1991. Erst kürzlich nahm sie Stellung zu Vorwürfen, sie wäre homophob – sie dementierte es in einem Interview mit dem Eurovisionsmagazin "esctoday.com" (queer.de berichtete). Griechenlands Anna Vissi war auch schon zweimal dabei (1980 und 1982) und gilt in ihrer Heimat als Superstar. Ihre dramatische Ballade "Everything" jagt wahre Schauer über den Rücken, dank der ausdrucksstarken Stimme der Sängerin. Kate Ryan aus Belgien ist mit ihren Hits seit einigen Jahren gut in den Gay-Diskotheken Europas vertreten. Mit dem eingängigen, charmanten Ohrwurm "Je t’adore" wird ihr das sicher auch wieder gelingen. Hinzu kommen Rumänien mit "Tornero" von Mihai Traistariu, "Mr. Nobody" von Anžej Dežan für Slowenien und natürlich Kroatiens Superbitch Severina, die ihre hochhackigen Pömps ("Moja stikla") besingt. Von denen war in ihrem Privatporno, der aus Versehen (vergleiche Paris Hilton oder Pamela Anderson) an die Öffentlichkeit gelangte, nichts zu sehen. Außenseiter-Chancen werden der Dänin Sidsel Ben Semmane mit ihrem "Twist Of Love" und der Norwegerin Christine Guldbrandsen mit ihrem anspruchsvollen "Alvedansen" eingeräumt. Eine Granate jagt somit die nächste beim ESC.

queer.de wird sowohl vom Halbfinale am 18. Mai (NDR, 21:00 Uhr) als auch vom Finale am 20. Mai (ARD, 21:00 Uhr) in Athen berichten. Mehr Informationen auf www.eurovision.de und www.esctoday.com.

18. Mai 2006