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Die Sensation ist perfekt. Die sonst erfolglosen Finnen gewinnen den Grand Prix ausgerechnet mit den Monsterrockern Lordi.

Von Jan Gebauer

Kein Land hat so lange auf einen Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) warten müssen als Finnland. Wohl deshalb hatte es auch kein Land so sehr verdient, einmal zu gewinnen. Seit 1961 nahmen die Finnen 40 mal am Songwettbewerb teil und erlebten bis auf wenige Ausnahmen (1973, Platz sechs für Marion Rung mit "Tom, Tom, Tom) böse Niederlagen und einige letzte Plätze. Besonders als es die freie Sprachregelung noch nicht gab, stand die sperrige, seltsam klingende finnische Sprache dem Erfolg im Wege.

Ausgerechnet die Monsterrocker von Lordi haben am Samstag, den 20. Mai, mit ihrer Hymne "Hard Rock Hallelujah" den Contest haushoch für sich entschieden. Unsere deutschen Vertreter Texas Lightning ("No No Never"), zuvor noch als Geheimtipp gewertet, schafften mit Mühe einen 15. Platz – nach einem frischen, lockeren Auftritt, der auch einhellig von der Presse gelobt wurde. Ansonsten boten die Griechen nicht viel Neues: Eine visuell und technisch beeindruckende Show, die allerdings wenig Platz für Individualität ließ. Langweiliges Geplänkel am Anfang, der starke Siegersong von Helena Paparizou als Anheizer und das Moderatorenpaar Maria Menounos und Sakis Rouvas, das nett und souverän zwischendurch immer mal wieder auftauchte. Als Pausenfüller wieder das übliche Formationsgeplänkel, aber immerhin die legendäre Nana Mouskouri, die zwei Sätze sagen und anschließend die Sanduhr als Startsignal zur Telefonabstimmung umdrehen durfte.

Das Teilnehmerfeld begann so schwach wie schon lange nicht mehr: Ralph Siegels Friedensschnulze "If We All Give A Little" mit einer Reihe von sehr guten SängernInnen durfte durchaus noch als sympathisch gewertet werden. Die Friedefreudeeierkuchen-Hymne hatte allerdings nicht den Hauch einer Chance und landete im unteren Drittel. Der in allen Belangen absolut peinliche Auftritt von Moldawien war ein verfrühter Kandidat für die erste Toilettenpause gewesen. Besonders inszenatorisch gab es hier die erste Trash-Katastrophe zu bejubeln (was sollte der Blumenstrauß in den Händen der Sängerin?)

Israels Eddie Butler läutete danach die große Langeweile ein und präsentierte eine weitere Friedenshymne à la Gähn Deluxe. Auch er durfte sich mit der Schweiz und Moldawien am Ende auf die hinteren Ränge einreihen. Lettland bot stimmlich durchaus Potential, die a-cappella-Nummer litt aber unter der grottigen Komposition und einer fahrigen Inszenierung, bei der sogar merkwürdigerweise ein Roboter zum Schluss auftauchte. Danach erst mal aufatmen: Die visuell und stimmlich beeindruckende Norwegerin präsentierte mit ihrem Elfentanz "Alvendansen" einen schönen, stimmungsvollen Song, der vor zehn Jahren sicher die Top-5 erreicht hätte. 2006 landete sie auf Platz 14. Die spanischen Las-Ketchup-Mädel turnten unbeholfen auf ihren Stühlen rum und sicherten sich einen verdienten 21. Platz. Das unterbot nur noch Fabrizio Faniello, der mit seinem Boy-Pop leider völlig unterging und mit einem Punkt Letzter wurde.

Texas Lightning ernteten großen Applaus vom Publikum im Saal. Die Zuschauer honorierten das süße Countrylied und Jane Comerfords putzige Performance leider nicht. Ebenso glücklos war auch Sidsel Ben Semmane aus Dänemark. Starke Stimme, rassige Performance, rockiger Bubblegum-Pop – Platz 18. Danach das Highlight vieler Schwuler: Dima Bilan aus Russland zeigte sich mit dem richtigen Biss, ließ seinen Sex-Appeal spielen und zeigte die bereits aus dem Halbfinale bekannte Show. Stimmlich hatte er sich zur Vorrunde verbessert und landete wie fast erwartet auf dem zweiten Platz des ESCs.

Mazedoniens "Titten-und-Arsch"-Auftritt war kaum der Rede wert, es sei denn man steht auf große Hupen. Danach ein weiteres Highlight: Mihai Tràistarius "Tornero" war perfekt dargebotener Italo-Dance-Pop und zu Recht am Ende auf Platz vier platziert. Der Geheimtipp hatte sich somit an der Spitze behauptet und dürfte sich schon bald in so mancher Homo-Disco wiederfinden. Ebenso rund der Auftritt vom späteren Drittplatzierten Bosnien-Herzegowina, die damit ihr bestes Ergebnis im ganzen Wettbewerb feiern können. Allerdings war die klassische Balkanballade "Lejla" von Hari Mata Hari schon im Halbfinale einer der aussichtsreichsten Kandidaten für einen Platz an der Spitze. Litauen grölte sich professionell und mit einem letzten Funken Ironie auf Platz sechs. Aus "We Are The Winners" wurde somit im kleinen Rahmen doch noch etwas: Litauen verbucht damit seine bisher beste Platzierung beim ESC. Großbritanniens Daz Sampson verbuchte dagegen mit seinem netten Ohrwurm "Teenage Life" mal wieder nur eine Bruchlandung für DIE Musiknation schlechthin (Platz 19). Vielleicht waren Rap und Schoolgirl-Gesänge einfach nicht gefragt.

Griechenlands Superstar Anna Vissi, die sich später als Lordi-Fan outete, trat mit einem Luxusfummel für über 170.000 Euro gewohnt professionell, bombastisch und stimmgewaltig auf. Nicht so übertrieben wie in der griechischen Vorentscheidung und daher überzeugender. Irgendetwas fehlte aber und so musste sich Frau Vissi mit einem 9. Platz begnügen. Immerhin: Damit ist Griechenland wieder für das nächstjährige Finale qualifiziert, denn die zehn bestplatzierten Länder automatisch gesetzt. Finnlands Schockrocker von Lordi boten spielfreudigen Hardrock mit ekliger Horrormaskierung und den Beweis, dass der ESC mal wieder dem Musiktrend in der internationalen Szene um ein paar Jahre hinterherhinkt. Der Sieg war dennoch verdient und wurde dementsprechend bejubelt.

Ukraines Ostblock-Shakira Tina Karol hatte mit einem üppigen Dekolleté und konventionellem Dance-Pop ungleich schlechtere Karten, landete aber letztendlich auf einem beachtlichen siebten Platz. Frankreich ging mit Anspruch, zu viel Ruhe und Virginie Pouchains "Il était temps" erneut unter (Platz 22). Kroatien punktete mit Severinas Hardcore-Folklore-Mix um Stöckelschuhe ("Moja stikla") – erntete aber vor allen Dingen hämische Kommentare für ihre dicken Lippen. Auch das übliche kroatische "wir ziehen ein Kleidungsstück aus"-Intermezzo brachte nur einen enttäuschenden 13. Platz. Irland war gesanglich stark, was mit einen Top-10-Platzierung belohnt wurde.

Danach Schwedens Pop-Queen Carola, die ihren Song für das Finale scheinbar leicht abgeändert hatte. Am Ende ihrer durchweg hervorragend gesungenen und dargebotenen Grand-Prix-Hymne merkte man auch warum: Sie hatte sich in den Vortagen wohl etwas erkältet und umschiffte die höheren Stellen geschickt. Dennoch schaffte der zweite Superstar des Contests (neben Anna Vissi) einen guten, verdienten 5. Platz. Für die einen billiger Luder-Pop, für die anderen toller Retro-Disco-Sound: "Süper star" von Sibel Tüzün landete auf dem undankbarsten aller Ränge: Platz elf. Mit Armeniens Sertab-Bondage-Klaunummer "Without Your Love" endete das Teilnehmerfeld – für den einzigen Debütanten des Wettbewerbs ein riesiger Erfolg, denn Platz acht sprang am Schluss dabei raus.

Der 52. Eurovision Song Contest findet voraussichtlich am 10. und 12. Mai 2006 in Helsinki statt.

21. Mai 2006



31 Kommentare

#1 *g*Anonym
  • 21.05.2006, 17:16h
  • Hmm, kein Wunder dass Lordi gewonnen hat.

    Zum einen hatten sie nen guten Song und ihr Auftritt ist einem zwangsweise im Kopf geblieben. Aber auch ansonsten war die Konkurrenz stellenweise dermaßen schlecht. Lohnt sich eigentlich net mehr, das ganze zu verfolgen...
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#2 MarcAnonym
  • 21.05.2006, 18:24h
  • Nennt mich altmodisch, aber JEDE andere Darbietung hätte eher ein Weiterkommen verdient als diese furchtbaren Horror-Finnen. Selbst jede im Halbfinale ausgeschiedene Nummer.

    Sorry, aber das ist für mich kein Grand Prix mehr! In einer gewissen Szene mag dieses Stück und die Masken ankommen, aber beim Grand Prix sollte Gesang wichtiger sein als Show! Und dieses Krakelen hatte ja wohl nichts mit Gesang zu tun. Und dann dieses Horror-Outfit - nein das ist nicht mehr mein Grand Prix!!!

    Um das klarzustellen: ich trauere gar nicht alten Schlagerzeiten mit Nicole & Co nach. Aber auch bei moderneren Nummern muss man sowas nicht bringen.

    Ich fand z.B. vor ein paar Jahren klasse als Estland gewann (Tanel Padar & Dave Benton: Everybody). Geile Up-Tempo-Nummer mit Funk- und Soul-Elementen!

    Dann kam Marie N mit ihrem Trick-Kleid und plötzlich wurde Show und Choreographie wichtiger als Musik...

    Schade!
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#3 BenAnonym
  • 21.05.2006, 18:40h
  • Deine Meinung in allen Ehren, die lasse ich Dir gerne. Aber Estland 2001 war mit Abstand der schlechteste Gewinner aller Zeiten. So ein langweiliges Dance-Pop-Liedchen ohne Langzeitwirkung. Das war 5 Minuten nach dem Contest bei den meisten schon vergessen. Da war 1989 Jugoslawien mit Riva noch besser. Lach ... und das will was heißen!
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#4 DizAnonym
  • 21.05.2006, 19:04h
  • *loooooooool*

    danke für diese köstliche und absolut treffende ZUsammenfassung!

    Deine Wortschöpfungen von "Ludepop" bis "Ostblock-Shkira" sind einsame spitze!
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#5 StefanAnonym
  • 21.05.2006, 19:39h
  • Der Trick: Seit Jahren codiert Nookia unbemerkt alle Handys, die gestern exakt eine SMS für die Orks verschickten. Unglaublich? Schaut mal in eure Liste der gesendeten Nachrichten:

    ;-)
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#6 teddybaer46Anonym
  • 21.05.2006, 21:03h
  • wenn man das lied anhört kann ich nur einige verschiedene stücke raushören von skorpiens und über acdc.
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#7 Georgios!Anonym
  • 21.05.2006, 21:46h
  • Naja Lordis Numemr war ja auch nicht mehr als eine billige kleine Rocknummer....davon gabs schon tausende und die war bestimmt nicht künstlerisch mehr wert als die meisten anderen Songs von gestern! Diese Art von Rock ist doch sowieso nur ne Kopie von Kiss! Ich finds so richtig zum kotzen, daß nur noch Verarsche (Lithauen) und Show (Finnland) zählen! Ich hoffe nächstes Jahr gewinnt wieder ein Song ohne Gebrüll, sondern mit richtigem Gesang!
    Und bevor hier dauernd Leute die keine Ahnung von Ethno Pop haben ihre unqualifizierten Meinungen äußern empfehle ich mal in die Alebn der entsprechenden Künstler reinzuhören, bevor man sie als "billige" Popliedchen verunglimpft! Das ist wenigstens noch richtige Popmusik, im Gegnsatz zu dieser Billig Kopie der Rocky Horror Picture Show....nächstes Jahr wird jedes blöde Land da mit ner Heavy Nummer antanzen und der ganze Wettbewerb wird dann für die Katz sein......wenn nicht mindestens die drei Viertel der Songs nächstes Jahr noch aus Pop besteht werd ich mir das nicht mehr ansehen....lächerlich....sorry und wenn leute das auch noch als hohe Kunst beschreiben, was die da gebracht haben, dann ist dem Contest echt nicht mehr zu helfen. Gibts nicht schon genug Rockfestivals...kann es nicht einen Wettbewerb nur für Popmusik geben? Warum musste diese Schande sein? Nächstes Jahr dann Rock Song Contest....dann kann ja Gracia im Lack und Leder Rockoutfit wieder für Deutschland antreten! *kotz

    antreten...die
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#8 Georgios!Anonym
  • 21.05.2006, 21:56h
  • PS Und den Lordi Song hab ich heute schon wieder vergessen...vollkomen belangloses Rock Liedchen halt! Das einzige was im Kopf bleiben wird sind diese lächerlichen Klingonen Masken!
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#9 AngelAnonym
  • 21.05.2006, 23:08h
  • Also gut - ich bin ja doch ziemlich konservativ - zugegeben.
    Ich fand den alten Contest schöner - jeder singt in seiner Sprache kaum ein Lied war zu verstehen aber jedes LAnd hatte damit seinen eigenen Charm. Das ist doch seit den Regeländerungen völlig untergegangen und kaum ein LAnd wagt es noch in der LAndessprache aufzutreten.
    Aber ich rege mich seit JAhren über dieses Nachbarschaftsvoting auf. Oder die Solidarität zu irgendwelchen nach dem Bürgerkrieg oder mit Verfolgten Minderheiten etc. bestückten und extra bepunkteten Bands. Auch wenn die nicht siegen - so kommen die seit Jahren höher wie wirklich vernünftige gut gemachte Songs aus anderen Ländern (nein, net nur oder net immer Dt.)
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#10 JeannotAnonym