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  • 29. Mai 2006, noch kein Kommentar

Emotionales Chaos, prickelnd und authentisch: Patrick Begas Erstlings-Roman "Aus den Augen, aus dem Sinn"

Von Jan Gebauer

Wer kennt diese Situation nicht: In der Schule hatte man einen Schwarm, der unerreichbar schien. Er hatte eine Freundin, musste also folgerichtig hetero sein. Das schwule Herz blutete und musste sich wohl oder übel damit abzufinden, den Herzbuben zu vergessen. Was aber, wenn man die große, unerfüllte Liebe von einst wieder trifft und das ausgerechnet in einer Schwulenbar. Und was, wenn man selber eigentlich einen festen Freund hat?

Christoph, die Hauptfigur im Roman "Aus den Augen, aus dem Sinn" von Patrick Bega, erlebt genau diese Situation. Mit seinem Freund lebt er seit zwei Jahren zusammen und ihre Beziehung ist von weitgehender Harmonie geprägt. Ernsthafte Krisen hat es bislang nicht gegeben. Sexuelle Treue spielt bei ihnen keine große Rolle, vielmehr gönnen sie sich gelegentliche Seitensprünge, was so lange erlaubt ist, wie es sich auf rein körperlicher Ebene abspielt.

Als sie eines Samstagabends mit Thomas, einem gemeinsamen Freund, eine Kneipentour machen, trifft Christoph auf Daniel – den Traumprinzen aus seiner Jugend, mit dem seinerzeit nicht mal ein Gespräch zustande kam. Nach der Schulzeit hatte er ihn aus den Augen verloren, muss jedoch bis heute noch häufig an ihn denken. Die Tatsache, dass er Daniel nun nach all den Jahren ausgerechnet in einer schwulen Kneipe wieder trifft, verwirrt Christoph. Er merkt, dass die Faszination, die Daniel früher auf ihn ausübte, noch immer nicht erloschen ist. Christoph spricht ihn an diesem Abend aber nicht an, weil Florian und Thomas dabei sind. Als er Daniel durch Zufall ein zweites Mal wieder trifft, redet er mit ihm. Der kann sich zwar nicht mehr an Christoph aus der Schulzeit erinnern, dennoch merken beide sehr schnell, dass sie eine gewisse Sympathie füreinander empfinden. Eine spannende Beziehungskrise, wie sie wohl jedem passieren könnte, nimmt ihren Lauf.

Patrick Bega, 1967 in Bielefeld geboren, hat an seinem erfrischenden Buch-Debüt über zwei Jahre intensiv gearbeitet. "Ich habe früher schon kurze Sachen geschrieben, aber nie mit dem Ziel (oder der Hoffnung), sie zu veröffentlichen. Seit 20 Jahren schreibe ich regelmäßig Tagebuch, die Tagebuchauszüge in meinem Manuskript sind teilweise authentisch, teilweise fiktiv." Auch wenn autobiografische Züge zum Tragen kommen, handelt es sich bei "Aus den Augen, aus dem Sinn" um eine fiktive Geschichte.

Doch Bega beschreibt die Erlebnisse von Christoph und seiner wieder gefundenen Liebe von einst so prickelnd und authentisch, dass man das Gefühl hat, förmlich in das reelle Leben der Protagonisten einzutauchen. Das emotionale Chaos von Christoph wird greifbar, weil Bega seinen Hauptcharakter gefühlvoll vorstellt. Da kann man nur hoffen, dass der Autor in der Zukunft noch mehr Romane veröffentlicht.

Patrick Bega: Aus den Augen, aus dem Sinn, Roman, 248 Seiten, Himmelstürmer Verlag, 14,90 €

29. Mai 2006