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Christoph Lenz ist Pharmazeut aus Köln, spezialisiert auf Arzneimittelinformation, Drogen und andere medizinisch-wissenschaftliche Themen. Queer.de befragte ihn zu Wirkung und Risiken der schwulen Schnüffeldroge

Von Dennis Klein

Würden Sie Poppers als Droge bezeichnen?

Ja, Poppers ist eine Droge, weil es missbraucht werden kann. Allerdings muss man sagen, dass manche Dinge, die gemeinhin auf Drogen zutreffen, wie Abhängigkeitspotenzial, Sucht und Missbrauchsgefahr, nicht hundertprozentig auf Poppers zu übertragen sind.

Hat es denn eine aphrodisierende Wirkung?

Poppers kommt zumindest mit am nächsten daran, was man sich von einem Aphrodisiakum wünschen würde. Natürlich wird es niemanden zum ultimativen Sex bekehren, niemanden gefügig machen, der vorher noch den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel verschluckt hat. Wohl aber kann es helfen, sexuelle Erfahrungen als besonders eindrucksvoll erleben zu können.

Könnte diese Wirkung auch mit anderen Mitteln hergestellt werden?

Mein Favorit ist Schokolade (lacht). Im Ernst, mir ist kein Mittelchen bekannt mit wirklich aphrodisierender Wirkung, wobei Düfte zum Beispiel förderlich, aber oft auch hinderlich sein können. Hierzu nur ein Zitat, über das ich im Netz gestolpert bin: "Die einzige Liebestrank, den ich jemals gebraucht habe, waren Küsse und Umarmungen. Nur damit habe ich Männer dazu gebraucht, wie ein Tier zu toben und mich wie eine Göttin zu verehren." Das sagte eine gewisse Lucretia schon vor über 2.500 Jahren.

Kann man sich an Poppers auch "totschnüffeln"?

Es gibt Menschen, die es definitiv geschafft haben. Bei schwachem Herzen ist Poppers eine große Gefahr. Soll heißen, die Pumpe ist leicht angeschlagen, durch Koks, ein zu enges Lackleibchen oder übermäßigen Gebrauch von "Lifestylemedikamenten" wie Cialis, Levitra oder dem Klassiker Viagra. Wenn das Herz jetzt noch ordentlich zu tun kriegt, weil ich innerhalb von Sekunden meinen Blutdruck mit Poppers von 125/85 auf 47/11 bringe, dann muss sich der Körper eine Auszeit nehmen. Übrigens haben auf diesem Weg auch schon Leute herausgefunden, dass sie einen bisher unentdeckten Herzklappenfehler hatten. Leider ein bisschen zu spät.

Tötet Poppers Gehirnzellen ab?

Poppers selber sicher nicht, wohl aber ein ordentlicher Sauerstoffmangel. Hierbei variiert der Sauerstoffmangel natürlich je nach geschnüffelter Menge, Häufigkeit und dem Sauerstoffgehalt der Atemluft.

Kann Poppers Krebs verursachen?

Hier scheiden sich die Geister der Gelehrten. Ich habe solche und solche Studien gelesen. Im Tiermodell scheint es nachgewiesenermaßen der Fall zu sein. Manche Studien behaupten, Poppers selbst ist nicht krebserregend, aber es schafft idealere Bedingungen - dies können im weitesten Sinne schon Änderungen der Durchblutung eines Gewebes sein - für das Ausbilden von bösartigen Gewebewucherungen. Auch hier gilt bestimmt: Die Dosis macht das Gift.

Wann ist Poppers besonders gefährlich?

Ist man herzkrank oder hat einen schwachen Kreislauf, gibt es natürlich Gefahren. Man sollte sich bewusst sein, dass man sich nicht irgend einen Mist in den Kopf hauen kann, ohne ernsthafte Konsequenzen erwarten zu müssen. Richtig gefährlich wird es natürlich auch, wenn andere Drogen oder Medikamente mit im Spiel sind, die Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem haben. Insbesondere dann, wenn Präparate gleichzeitig eingenommen werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Explosionsgefahr, also Vorsicht in geschlossenen kleinen Räumen und mit offenen Flammen und Zigaretten.

Wie erklären Sie sich trotz der Gefahren die Popularität von Poppers?

Poppers hat einen recht eindrucksvollen Effekt, bei einer verhältnismäßig folgenarmen Verträglichkeit. Es ist relativ leicht zu beschaffen und man wird nicht gleich vorbestraft, nur weil man es in der Tasche trägt. Dazu kommt ein wenig Mythologie und Verharmlosung, fertig ist die Popdroge.

Kann Poppers "schlecht" werden?

Klares Ja. Wenn Poppers stinkt, heißt das, es ist schlecht. Genauso schnell, wie es NO (den Entspannungsfaktor) freisetzt, genau so schnell wird es auch schlecht. Absolut zu vermeiden sind Wärme, Wasser, Sauerstoff und Licht. Kleine Fläschchen Poppers sollten also immer schön im Kühlschrank oder Gefrierfach aufbewahrt werden. Erst kurz vor Gebrauch handwarm anwärmen, damit es auch ordentlich verdampfen kann. Müffelt das Fläschchen schon, dann bitte schnell entsorgen.

Buchtipp: Christian Scheuß & Micha Schulze (Hrsg.): Poppers. Das Handbuch zur schwulen Sexdroge, Himmelstürmer Verlag, Hamburg 2006, 152 Seiten, 14,90 €

3. Juni 2006



18 Kommentare

#1 thomasAnonym
  • 03.06.2006, 18:33h
  • ich habe frueher pp intensiv genossen - es war schon geil! aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man immer mehr davon braucht (psychische abhaengigkeit) und dass es auf" s herz ging. darauf hin habe ich es ganz bleiben lassen. heute nehme ich es nur noch gelegentlich - und ich finde es dann immer noch sehr geil!
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#2 PeterAnonym
  • 03.06.2006, 23:55h
  • Ich hoffe nur das mit dem Sauerstoffmangel und den Gehirnzellen lesen sich einige hier aufmerksam durch. Als ich das nämlich beim letzten Poppersartikel gesagt habe, wurde ich glatt für bescheuert und ahnungslos erklärt.

    Und wenn man Leute in der Disko beim Tanzen all 20 Minuten an Poppers schnüffeln sieht, dann kann mir sonstwer erklären das das Zeug nicht abhängig macht. Ich wette da geht kein Sex mehr ohne Poppers.
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#3 KritikerAnonym
  • 04.06.2006, 11:17h
  • Trotz einiger kritischer Züge des Interviews finde ich, dass der Gebrauch von Poppers hier sehr verharmlost wird - auch in dem letzten Artikel darüber.

    Eigentlich ein Fall für den Presserat!
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#4 JonasAnonym
  • 04.06.2006, 13:58h
  • @Kritiker:

    Ich kann dir nur zustimmen!
    Hier wird Poppers meiner Meinung nach eindeutig verniedlicht um Eigenwerbung für das Buch zum Thema zu machen. Ich bekomme hier den Eindruck, dass Poppers-Fans für Poppers-Fans schreiben, bzw., neue Fans gewinnen wollen. Immerhin wird im Interview auf Gefahren hingewiesen, wenn auch immer wieder der "positive" Effekt betont wird. Also ich denke das Zeug stinkt einfach nur zum Himmel. Wie wäre es demnächst mit dem Buch: "Klebstoffschnüffeln - die Alltagsdroge aus dem Schreibwarenladen".
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#5 PeterAnonym
  • 04.06.2006, 15:21h
  • Mir gibt Poppers nicht viel, aber kenne viele Leute, die voll darauf abfahren. Aber so kultig wie der gute alte Joint oder die Flasche Jever is Poppers auf keinen Fall.
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#6 PierreAnonym
  • 04.06.2006, 16:14h
  • Dass der Fachmann nicht auch noch die Händleradressen bekannt gegeben hat, wundert mich. Denn er hat die Sache mit dem Poppers (trotz aller gesundheitlicher Bedenken) letztlich verharmlost.
    Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass Poppers psychisch abhängig machen kann. Hinterher meint man es immer für 'guten' Sex brauchen zu müssen.
    Dann geht es nicht mehr ohne.
    Und es wird sehr schwierig, sich davon wieder ganz unabhängig zu machen.
    Und es kommt noch was hinzu, was wohl auch vergessen wurde zu erwähnen:
    Durch die gesteigerte Geilheit und der Schmerzhemmung ist man während dieser Zeit der Wirkung zu Risiken bereit, die man normalerweise nicht eingehen würde.
    Das kann Sex ohne Kondom sein, es kann heftiger Analverkehr sein, der zu herben Verletzungen führt...es könne sonstige Verletzungen und Kränkungen sein, die man seinem Gegenüber antut oder sich antuen lässt.
    Ich denke, das alles reicht, um auf den falschen 'Freund' Poppers zu verzichten.
    Make love - not Poppers.
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#7 MarkusAnonym
  • 05.06.2006, 11:00h
  • Was soll das Pro und Kontra?
    Es ist wie mit allem, was man konsumiert. "Es gibt kein Gift, nur eine zu hohe Dosis". Das ist nicht von mir, sondern von Paracelsus!
    Z.B. Schlangengift kann tödlich, aber auch lebensrettend sein!
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#8 20mancro5Anonym
  • 05.06.2006, 11:04h
  • Hallo.
    Ich habs einmal probiert und hab nix gespürt.
    Um das Geld tuts mir heute noch leid
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#9 RainerAnonym
  • 05.06.2006, 14:54h
  • Ich dachte, ich lese nicht richtig! Unfassbar, wie hier der Gebrauch von Drogen verharmlost wird. Letztlich ist der Artikel nichts anderes als eine Poppers-Bedienungsleitung.

    Ist dem Verfasser schon mal der Gedanke gekommen, dass junge Menschen hier nach Orientierung und Lebenshilfe suchen und statt dessen Drogentipps an die Hand bekommen? Und zwar in Bezug auf Drogen, die Hemmschwellen herabsetzen und die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Entscheidung (Stichwort: Safer Sex) beeinträchtigen.

    Setzen, Sechs!
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#10 thommenAnonym
  • 05.06.2006, 17:32h
  • Droge bleibt Droge!
    Es wird immer darauf hingewiesen, dass die Art des Gebrauchs schädlich ist, nicht die Droge selber...
    Damit gehen die "Informationsbeauftragten" immer davon aus, dass jedeR selber "entscheiden" könne und "selber damit umgehen" könne.
    Entscheidend bei allen Drogen aber ist die Tatsache, dass die Realität eines subjektiv "unzulänglichen" Genusses - besonders hier bei der Sexualität - in den "gewohnheitsmässigen" Zusammenhängen und Lebensumständen vernebelt werden soll!!
    Das geht nach dem Motto der Beate Uhse: hier ein Düftchen, dort ein Säftchen und hängen wir noch ein Sträpschen drum... NEIN Danke! Da bleibt die ganze soziale Kreativität auf der Strecke!
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