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Keine Gastfreundschaft und keine Eintrittskarte für den iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedjad, der zur Fußball-WM nach Deutschland kommen will. Das fordert der Berliner Journalist und Rechtsextremismus-Experte Jörg Fischer in seinem hier dokumentierten Aufruf.

Von Jörg Fischer

Die Fußball-WM ist eigentlich "nur" ein Sportereignis – aber gerade Sportereignisse sind eben nicht unpolitisch, ganz im Gegenteil. Gerade diktatorische Regime versuchten und versuchen solche Ereignisse für sich zu instrumentalisieren und zu mißbrauchen. Erinnert sei nur an die Olympischen Spiele 1936 in Nazi-Deutschland, die vom faschistischen Regime zu einer gigantischen Propaganda- und Selbstdarstellungsshow umfunktioniert wurden. Die nun in Deutschland beginnende Fußball-WM will ein anderer Diktator für sich nutzen: Der iranische Staatspräsident Ahmadinedjad möchte zu Spielen seiner Fußballmannschaft gerne nach Deutschland kommen.

Allerdings wird der Zögling des Mullah-Regimes nicht nur Ablehnung in Deutschland stoßen: Gerade deutsche Neonazis sind derzeit vor Freude ganz aus dem Häuschen: weil Ihr Idol Ahmadinedjad überlegt sich, anläßlich der Fußball-WM nach Deutschland zu kommen und die Spiele seiner Fußballelf live mitzuerleben. Und diese Begeisterung für den weltlichen Repräsentanten des islamo-faschistischen Mullah-Regimes hat Gründe: Der iranische Staatspräsident leugnet nicht nur in aller Öffentlichkeit die Shoa, also den industriellen Massenmord der Nazis an über 6 Millionen Jüdinnen und Juden, sondern läßt auch seinen Kriegsgelüsten und Vernichtungsphantasien gegen Israel freien Lauf. Daneben steht das iranische Regime nicht nur für eine kriegstreiberische Politik, zu dessen Verstärkung der Gottesstaat an seiner atomaren Bewaffnung arbeitet, sondern auch für schlimmste Menschenrechtsverletzungen im inneren.

Politisch Andersdenkende im Iran werden verfolgt, gelyncht oder ins Exil getrieben, Frauen werden unter den Schleier gezwungen, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gibt es nicht und schwule Männer werden staatlich sanktioniert und organisiert öffentlich hingerichtet. Weltweites Aufsehen erregte die öffentliche Hinrichtung zweier schwuler Teenager im Juli 2005 in der ostiranischen Stadt Mashad. Nach einem Schauprozeß waren die 18- und 16jährigen unter dem grölenden Jubel einer fanatisierten Menschenmenge an einem Baukran aufgehängt worden. Kein Wunder also, das bundesdeutsche Neonazis ins Schwärmen geraten, wenn sie an den Mullah-Staat denken und "Begrüßungsdemonstrationen" zu den WM-Spielen der iranischen Mannschaft organisieren wollen.

Aus diesem Grund werden in drei Städten – Nürnberg, Frankfurt/Main und Leipzig – Protestkundgebungen stattfinden unter dem Motto "Keine Gastfreundschaft für einen Volksverhetzer". Ein breites Bündnis aus Kirchenvertretern, Menschenrechtsorganisationen, jüdischen und nichtjüdischen Personen und Vereinen, Gewerkschaftern, Künstlern und Journalisten ruft zu diesen Kundgebungen auf und bezieht klare Positionen:

Keine Gastfreundschaft und keine Eintrittskarte für einen Volksverhetzer, der wiederholt den Holocaust geleugnet hat, Israel von der Landkarte tilgen will, zur Judenvernichtung aufruft, Terror finanziert, am Aufbau atomarer Bedrohung arbeitet und die gesamte zivilisierte westliche Welt bedroht und verhöhnt.

Keine Gastfreundschaft für einen Mann, der zusammen mit dem Mullah-Regime verantwortlich ist für Menschenrechtsverletzungen, Gewalt, Unterdrückung und die Armut der Bevölkerung im Iran."

Es ist wichtig, dass bei den drei Kundgebungen neben israelischen, auch die Regenbogenfahnen der schwullesbischen Emanzipationsbewegung sichtbar sind. Sichtbar als Zeichen für die gegenseitige Solidarität im Kampf gegen ein mordendes und terroristisches Unrechtssystem. Gerade in den letzten Monaten sind neben jüdischen Menschen auch Homosexuelle, insbesondere schwule Männer, wieder verstärkt in das Visier radikal-islamistischer Hassprediger und Mordhetzer geraten. Erinnert sei nur an den Großmufti von Moskau, der offen zur Ermordung von Schwulen aufgerufen hat – oder an einen irakischen Großajatollah, der eine sogenannte "Fatwa" gegen Homosexuelle ausgesprochen hat. Eine solche "Fatwa" wird von fundamentalistischen Islamisten als offizieller Mordauftrag einer "geistlichen Autorität" aufgefasst.


Kundgebungen:
Am 11. Juni um 15:00 Uhr finden am Jacobsplatz (Innenstadt) in Nürnberg, am 17. Juni um 14:00 Uhr auf dem Opernplatz in Frankfurt und am 21. Juni um 14:00 Uhr am Marktplatz (Ecke Petersstr./Grimmaische-Str.) in Leipzig Protestkundgebungen gegen das iranische Regime statt.



100 Kommentare

#1 björnmAnonym
  • 09.06.2006, 11:44h
  • gott sei dank sind wir ein rechts-staat, so wie england auch. aufgrund einer rechtzeitigen warnung war es einem ehemaligen general des israelischen militärs gelungen, sich einer verhaftung wegen des vorwurfs der kriegsverbrechen durch die britischen behörden zu entziehen.

    da es dem journalisten ja nicht um die möglichkeit eines menschenrechtshypes
    geht, sollte er die deutschen strafverfolgungsbehörden auf den englischen fall aufmerksam machen
    und bei seinen strafanzeigen am ball bleiben,
    wo hat er sie gestellt, was man das ?
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#2 joshAnonym
  • 09.06.2006, 13:26h
  • ein wunder das dieser typ nicht mit ss-uniform kommt. hoffentlich hoffieren ihn unsere größen nicht so.
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#3 SAMAnonym
  • 09.06.2006, 15:16h
  • Das er überhaupt kommt ist die Frechheitt. Und Staatsoberhaupt hin oder her, auch Honecker war jahrelang im westen geächtet. Sollte er also kommen , einfach auswiesen oder erst gar nicht einreisen lassen!
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#4 metinAnonym
  • 09.06.2006, 15:52h
  • @) radaktion

    cok güzel, ich bin positiv überrascht,
    dass ihr dem trotzkisten jörg fischer
    soviel platz gewährt, um für seine
    sache zu kämpfen.
    ich finde es mutig von der redaktion einem
    menschen, der die großen ideen des gründers der roten armee vertritt, raum
    zu geben. das ist demokratie.
    seine webseite ist sehr aufschlussreich.
    mit politik kennt der sich echt aus.
    mitglied war er bisher bei der npd, für die dvu geschrieben, dann in der vvn/bda, dann in der pds und z. zt. in der wasg.
    ich finde es unheimlich toll, dass es noch menschen mit solch einem engagement gibt.
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#5 SurferAnonym
  • 09.06.2006, 17:14h
  • Och Metin, das wissen wir doch alles, Jörg Fischer hat hier bei queer.de auch schon zum Thema "Schwule Nazichatter" publiziert.
    Hast Du auch was inhaltliches beizutragen oder blubberst Du nur so vor dich hin?

    Ich finde es gut, das durch diesen Standpunkt dieses wichtige Thema in der Community thematisiert wird, das es uns etwas angeht, wenn der iranische Diktator nach Deutschland kommen will. Ich werde zu der Kundgebung nach Frankfurt fahren und dort mit der Regenbogenfahne mitdemonstrieren, Solidarität dem den verfolgten Schwulen im Iran und Solidarität mit Israel.
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#6 metinAnonym
  • 09.06.2006, 17:39h
  • @ surfer

    ooch, hab dich nicht so.
    natürlich blubbere ich so vor mich hin.
    wenn du in frankfurt eine iranische fahne siehst, das ist amir, ein freund, geboren in täbriz, deutscher pass, iranische familie.
    wir können dort dann eine runde gemeinsam blubbern. er kann dir vielleicht
    erklären, warum es sinnvoll und inhaltlich ist, mit dieser fahne auf der richtigen seite zu stehen. antos meldet sich hier vielleicht auch noch und kann ein paar sites von exil-iranern beitragen, die nicht gewillt sind ihre fahne den mollahs zu überlassen.

    www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=4592
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#7 holga-waldaAnonym
  • 09.06.2006, 19:06h
  • @) surfer, metin

    nur zum verstädnis ?
    keine gastfreundschaft ?
    der wurde mit recht doch von keinem eingeladen ?
    kein aufenthaltsrecht o.k., muss man das gewähren ?
    anzeigen erstatten symbolisch, auch o.k.
    gegen den zu sein, wahrscheinlich immer o.k.
    gegen morddrohungen gegen israelische bürger zu sein, ist wohl normal ?

    was soll die "gastrecht"-nummer in den köpfen anstellen ? begriffsmanagement ?
    ich bin grundsätzlich gegen diktatoren in deutschland oder geschäfte mit ihnen.

    ich werde trotz des überengagierten artikels in frankfurt sein.
    die faktenfernen zwischentöne zu kommentieren, lasse ich jetzt mal.

    www.hagalil.com habe ich in einem beitrag
    über den ermordeten 14-jährigen schwulen iraker empfohlen.
    das erwähne ich eigentlich nur deshalb,
    um einem irgenwie gearteten anti-semitismus-genuschel von wichtig-wort-wuchtern vorzubeugen. shalom

    wenn sich herr fischer zur zeit als aussenstelle von hagalil betätigt,
    wunderbar, da macht er zur zeit was gutes.

    p.s. einen weiteren hagalil verweis habe
    ich mit der google site-suche bei "adg ist unfug" entdeckt, autor aaron, 12.05.06.
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#8 antosAnonym
  • 09.06.2006, 19:26h
  • [@ metin: Da hast Du Recht!]

    Besser gefällt mir dieses Statement:

    "INN: Liebe Leser,

    die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt in diesen Tagen. Es soll ein friedliches und weltoffenes Fest werden, auf dem sich unterschiedliche Kulturen auf gleicher Augenhöhe begegnen können. Auch die Nationalmannschaft aus dem Iran hat sich für dieses Turnier qualifiziert. Iraner auf der ganzen Welt freuen sich sehr darüber und drücken natürlich ihrem Team die Daumen.

    Diese Freude wird leider durch zwei Dinge getrübt: Zum einen durch die beschämenden und geschichtsfälschenden Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinejad hinsichtlich des Holocaust; und zum anderen durch die Reaktion der rechtsextremen NPD, die aufgrund dieser Äußerungen ihre „Solidarität“ mit dem iranischen Volk demonstrieren möchte.

    In den vergangenen Tagen haben diese Themen für sehr viel Aufmerksamkeit und negative Schlagzeilen gesorgt. Die WM-Teilnahme Irans wird leider sehr häufig mit diesen Themen assoziiert. Dass es in erster Linie um Fußball geht, scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken.

    Wir Iraner und iranisch-stämmige Deutsche protestieren in aller Deutlichkeit gegen jeglichen Versuch des iranischen Präsidenten, den Holocaust zu verleugnen oder zu verharmlosen. Es ist für uns schmerzlich, mit ansehen zu müssen, dass ein „Repräsentant unseres Volkes“ augenscheinlich elementare Bestandteile der iranischen Kultur, nämlich Frieden und Freundschaft mit anderen Völkern, zugunsten politischer Effekthascherei vergessen hat.

    Als nicht minder bestürzend empfinden wir die Ankündigung der NPD und anderer rechtsextremen Gruppierungen, sich mit der iranischen Nationalmannschaft und dem iranischen Volk zu „solidarisieren“. Wir wehren uns entschieden dagegen, dass das iranische Volk von rechtsextremen und antisemitischen Vereinigungen für ihre niederen Zwecke missbraucht wird. Wir verzichten auf die Unterstützung und Solidarität einer rechtsextremen Partei und ihre Anhänger, die mit Geschichtsrevisionismus und dumpfen Parolen den geistigen Nährboden für Fremdenhass und Antisemitismus bereiten.

    Für alle freiheitsliebenden und demokratischen Iraner ist es beschämend, einmal mehr feststellen zu müssen, dass Neonazis und die Elite der politischen Führung Irans Brüder im Geiste sind. Um so mehr sehen wir als Iraner und iranisch-stämmige Deutsche es als unsere Pflicht an, in aller Schärfe dagegen zu protestieren und unseren Beitrag für Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander – auch und gerade während der WM – zu leisten.

    © Iran-Now Network"

    Siehe das prima Portal
    www.iran-now.net
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#9 ToyBoyAnonym
  • 09.06.2006, 21:06h
  • Ich habe mir nochmal die Bilder von den zwei schwulen Teenagern angesehen, die im Iran von Staats wegen ermordet, an einem Baukran aufgehängt wurden. Ich werde zu einer der Kundgebungen gehen. Die Freiheit, die wir hier haben, ist auch eine Verpflichtung. Danke an die Redaktion, das dieses wichtige Thema gekommen ist.
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#10 DanielAnonym
  • 10.06.2006, 02:28h
  • Leider ist es laut Staatsabkommen nicht erlaubt, dem Präsidenten die Einreise zu verbieten, dazu würde die Bundesregierung die Zustimmung des Menschenrechtsrates der UN und anderer Organisationen, da hätten wir schlechte Karten (Saudi-Arabien ist z. B. im Menschenrechtsrat und gleichzeitig seit 40 Jahren im "Kriegszustand" mit Israel.

    Wenn Ahmedine...dingsbums nach Deutschland käme, würden vermutlich große Proteste auf ihn warten, die ihn auch zeigen, dass er hier nicht machen kann was er will.
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