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São Paulo (queer.de) - Der größte CSD der Welt fand am Wochenende im brasilianischen São Paulo unter dem Motto "Homophobie ist ein Verbrechen" statt. 2,4 Millionen Menschen waren nach Angaben der Polizei beim zehnten "Parada do Orgulho GLBT" dabei. Im letzten Jahr zählten die Beamten "nur" 1,8 Millionen. Die in bunten Kostümen und auffällig häufig mit brasilianischem Fußballtrikot demonstrierenden Teilnehmer forderten vor allem ein Ende der Gewalt gegen Schwule und Lesben. Diskriminierung sei weit verbreitet in der Gesellschaft, sagte CSD-Sprecher Nelson Matias Pereira der Nachrichtenagentur AP. "Wir sind aber auch Bürger, die Steuern zahlen und etwas zum Wohlstand des Landes beitragen", so Pereira. (dk)



#1 ChrisAnonym
#2 seb1983
#3 SaschaAnonym
  • 19.06.2006, 21:01h
  • @Redaktion:

    Die brasilianische Tageszeitung O Globo meldete gestern auf ihrer Internetseite sogar 3 Millionen Teilnehmer! Zudem hätte man wenigstens auch das politische Motto des CSD in Sao Paulo erwähnen können: "Homofobia é crime." - "Homophobie ist ein Verbrechen."

    Jetzt sollte man nur auf eine Wiederwahl des Präsidenten Lula von der Arbeiterpartei (PT) im kommenden Oktober hoffen - dann ist in den kommenden Jahren auch mit politischer Bewegung in Sachen Gleichberechtigung von Homosexuellen zu rechnen. Zahlreiche Abgeordnete der PT arbeiten seit mehreren Jahren an Gesetzesentwürfen für eine Homo-Ehe sowie zur Reform der Sexualerziehung (in Städten wie Sao Paulo und Fortaleza existieren bereits vorbildliche kommunale Modellprojekte in diesem Bereich) und zu einem Antidiskriminierungsgesetz.

    Leider war die Regierung auf Grund eines Korruptionsskandals innerhalb der PT (auch dort gibt es schwarze Schafe) im letzten Jahr zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das dürfte sich nach rigorosen parteiinternen Veränderungen und einem möglichen neuen Legitimitätsgewinn Lulas (der momentan in Umfragen weit vorne liegt) bei den Präsidentschaftswahlen hoffentlich ändern.

    Das größte und bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas befindet sich nach meiner Einschätzung in punkto Minderheiten- und Menschenrechte - gerade auch auf Grund seiner insgesamt äußerst offenen und grundsätzlich sehr toleranten Kultur - mit einer gesellschaftspolitisch fortschrittlichen Regierung der Arbeiterpartei trotz einzelner Quertreiber derzeit auf einem guten Weg.
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#4 joshAnonym
  • 20.06.2006, 23:28h
  • @sascha:
    wenn man in den letzten monaten so nachrichten hört, kommt es mir vor, als wenn die da in südamerika weiter sind als bei uns. leider habe ich da keine infos. ist das nur ein eindruck, oder echt?
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#5 SaschaAnonym
  • 21.06.2006, 15:19h
  • @josh:

    Natürlich muss man da sehr differenziert analysieren und bewerten, denn Lateinamerika ist in Folge der historisch akkumulierten sozialen Entwicklungsdefizite von der Verwirklichung universaler Menschenrechte (einschl. überlebensnotwendiger Grundbedürfnisse) freilich sehr viel weiter entfernt als Europa. Die extreme soziale Ungleichheit (die sich im Zuge der neoliberalen Politken der 90er Jahre zusätzlich verschärft hat) sowie eine noch immer durch Klientelismus, Patronage und auch Korruption bestimmte politische Kultur setzen auch der Durchsetzung von Minderheitenrechten weiterhin deutliche Grenzen.

    Dennoch hat die prekäre soziale Situation auch zu einer deutlichen Stärkung sozialer und zivilgesellschaftlicher Bewegungen und zu äußerst innovativen Ideen der Demokratieentwicklung (man denke an den "Beteiligungshaushalt" der PT auf kommunaler Ebene oder Ansätze solidarischer Ökonomie) geführt, von denen auch wir in Europa dringend etwas lernen könnten. Das gilt auch für alternative Konzepte zur Ablösung des Neoliberalismus.

    Die brasilianische Gesellschaft zeichnet sich bei allen sozialen Problemen durch eine beachtliche kulturelle Integrationskraft aus, in der Vielfalt (der Farben, Formen, Lebensweisen) das konstituierende Element sind und daher auch als grundsätzlich positiver Wert gesehen wird.

    Bislang ist es der katholischen Kirche und auch den (leider) erstarkenden "evangelikanen" Gruppen (siehe USA) nicht gelungen, diese grundsätzliche Offenheit und Toleranz der brasilianischen Kultur zu beeinträchtigen.

    Wer schon einmal wie ich zwei Jahre in Rio de Janeiro verbracht hat, stellt zweifelsohne fest, dass Homosexuelle dort in der Regel offener und sichtbarer mit ihrer Identität auftreten (was keinesfalls mit übertriebener Selbstinszenierung oder Klischeeträchtigkeit zu verwechseln ist), als ich dies in Deutschland erlebe.

    Zudem hat auch die Homo-Bewegung in Brasilien während der letzten Jahre deutlich an Sichtbarkeit gewonnen. Die Regierungspartei PT unterstützt grundsätzlich die Forderungen der Homo-Verbände. Nach den politischen Turbulenzen des letzten Jahres ist es der Bundesregierung aber nicht mehr gelungen, entsprechende Gesetzesinitiativen in den Kongress einzubringen - vermutlich hielt Lula dies in der aktuellen Situation auch nicht für opportun.

    Sollte Lula die Präsidentschaftswahlen im Oktober wieder für sich entscheiden können (alle Umfragen deuten - auch angesichts erster positiver policy outcomes im sozialen Bereich - derzeit darauf hin, aber sicher ist da noch nichts), könnte sich Brasilien in den nächsten Jahren in Sachen Menschen- und Minderheitenrechte ganz klar an die Spitze der lateinamerikanischen Länder setzen und auch auf internationaler Ebene seine Bemühungen in diesem Bereich weiter voranbringen (siehe u.a. die UN-Initiative der Regierung Lula im Jahre 2003).
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#6 holga-waldaAnonym
  • 21.06.2006, 19:09h
  • @ josh

    mit meinen schlichten worten und den informationen meiner verwandten und bekannten aus brasilien, trifft das von
    sascha beschriebene am meisten dort
    zu, wo die lebenswelten den europäischen
    am nähesten sind. eine verwandte ist pt-abgeordnete und direktorin eines gymasiums im bundesstaat santa catharina, südbrasilien. in größeren städten
    sind csds ein mittlerweile willkommener beitrag der "paraden-kultur". um bei ihrem beispiel zu bleiben macht die globalisierung auch vor den weißen mittelschichten brasiliens nicht halt. zweitjob internet-schulung, ihr
    mann macht elektronik-laden und nebenerwerblandwirtschaft auf eigener parzelle, um das studium der beiden söhne, einer schwul, zu finanzieren.
    latenter rassismus wird zur zeit mit telenovelas angegangen. melting-pot gibt´s, auch.
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#7 RubberinchenAnonym