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Claudia Jung ist viel unterwegs. Pragmatisch wie eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands ist, lädt die merklich gutgelaunte Entertainerin zum Plausch über ihr Handy ein. "Träumen erlaubt" heißt ihre neue CD, auf der sie wie gewohnt aufrichtig und ernsthaft über die großen Gefühle singt. Auch wenn der Morgen noch früh ist, sprach die Jung hellwach über die Konkurrenz, ihren größten Traum und ihren kommenden Auftritt beim CSD in Köln.

Von Jan Gebauer

Frau Jung, wie geht es Ihrer Stimme?

Alles wieder in Ordnung. Meine Stimmbandlähmung im Frühjahr 2005 habe ich super überstanden, ebenso wie die Tournee im Herbst. Das war ja für viele Klatschzeitungen ein echtes Skandälchen: "Sängerin verliert Stimme, nimmt sie sich jetzt das Leben?" Ich habe es immer ganz entspannt gesehen. So etwas braucht seine Zeit, damit sich die Stimmbänder erholen können. Autogenes Training usw.

Ihr neues Album heißt "Träumen erlaubt". Wovon träumt eigentlich Claudia Jung?

Von der WM! (lacht) Aber nicht, weil ich so ein unglaublicher Fußballfan bin oder weil ich glaube, dass wir gewinnen. Ich denke, wir kommen sicher über das Viertelfinale hinaus. Ich würde aber gerne mal vor einem Spiel der deutschen Mannschaft die Nationalhymne singen. Allerdings läuft die WM nun ja schon und da jetzt noch was gebacken zu kriegen, geht wohl nicht. Trotzdem: Träume sind erlaubt!

Wahrscheinlich würde Ihnen das besser gelingen als seinerzeit Sarah Connor!

Na ja, nicht besser, weil sie eine tolle Stimme hat. Damit will ich mich gar nicht vergleichen. Aber ich wäre bestimmt textsicherer. (lacht) Man darf halt nicht unterschätzen, wie viele Leute in einem Stadion sitzen. Dass die Nerven dann flattern, kann wohl jedem passieren.

Haben Sie eigentlich ähnlich wie Michelle alias Tanja Thomas daran gedacht, mal das Genre zu wechseln? Vom Schlager zum Disco?

Tanja Thomas, wer ist das? (lacht) Tja, also! (wird sehr bestimmt) Ich bin jetzt seit über 20 Jahren in diesem Geschäft und weiß einfach nach dieser Zeit wo mein Platz ist und wofür ich mit meiner Musik stehe. Da brauche ich mich nicht neu zu erfinden. Solche Dinge tut man nur, wenn man seinen Platz noch nicht gefunden hat. Wenn man sich nicht sicher ist, was man tut. Als ob man immer das Gefühl hat, man müsste sich für seine Arbeit entschuldigen. Ich wollte nie etwas anderes machen. Es war immer genau meine Musik, die ich singen wollte. In der Anfangszeit wurde ich zwar auch von Freunden belächelt: "Och Du mit deinem Schlagerkack" oder Leute sagten "Schlagerfuzzi", aber ich hatte immer genug Selbstbewusstsein, dem entgegenzutreten. Und man muss auch hier und dort über sich selbst lachen können. Ich weiß, wo ich hingehöre und werde das sicher nicht ändern.

Dann wird es von Ihnen also auch keinen erotischen Fotos im "Playboy" geben?

(lacht) Hey, wollt ihr mich jetzt hier zu bösen Aussagen provozieren? Ich denke einfach, spätestens mit 30 sollte der Verstand einsetzen. Wenn ich Kinder habe, mache ich gewisse Dinge nicht. Auch wenn ich es mir leisten kann und einen wirklich schönen Körper habe. Ich würde auf meine Familie Rücksicht nehmen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung, es mag Leute geben, die das anders handhaben. Solche Phasen gehören in die Jugend. Unbedacht sein und zu denken: "Das mache ich jetzt einfach mal." Solche Phasen hat jede Frau in ihrem Leben und das ist auch gut so. Aber bitte mit 20 und nicht mit Anfang 30. Sollte das halt nicht der Fall sein, dann müsste ich mir Gedanken machen, einen Psychologen zu besuchen.

Drei ältere Schlagerdiven sind erfolgreich auf großer Deutschland-Tour: Wencke, Gitte und Siw. Wäre das auch was für sie in 20 Jahren? Michelle, Kristina Bach und Claudia Jung on Tour?

Drei alte Diven, habe ich das jetzt richtig verstanden? (lacht) Ach so, in 20 Jahren. Na, der Erfolg liegt bei Gitte & Co. auf der Hand: Drei Frauen, die es von der Pieke auf gelernt haben, mit dem Publikum umzugehen. Die sich nie darauf beschränkt haben, auf der Bühne zu stehen und nur einen Song nach dem anderen zu singen. Die arbeiten mit dem Publikum und können über sich selbst lachen. Die wissen einfach, dass sie nicht der Mittelpunkt der Erde sind. Das fehlt vielen jungen Interpreten. Viele von denen denken nur, es reicht sich nett zu kleiden und Sex-Appeal raushängen zu lassen.

Ist das eine Anspielung auf die ganzen Casting-Stars der letzten Jahre.

Nicht unbedingt. Da gibt es viele Talente drunter, die auch gut singen können. Die werden nur unglaublich verheizt und ausgenutzt. Das sind ja zum großen Teil noch Kinder, die gar nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Die sich mit Leuten einlassen, die nur den Kommerzgedanken im Kopf haben. Wo bleibt dabei bitte die Menschenwürde? Viel schlimmer finde allerdings dieses Containergeschichten, bei denen plötzlich irgendwelche Leute meinen, sie müssten eine Platte aufnehmen. Hallo? Nur weil ich beim Zahnarzt war, bohre ich auch nicht in den Mündern der Leute herum. Man muss sein Handwerk lernen und sollte es beherrschen wenn er auf die Bühne tritt. Da wird dem Zuschauer etwas Gefährliches vermittelt: Das ist kein Kunst – das kann jeder. Ein Trugschluss!

Was ist aber nun mit der Tour mit Kristina und Michelle?

Hmm, neee mit den Beiden kann ich mir das - ehrlich gesagt - nicht vorstellen. (lacht)

Das waren auch nur Beispiele.

(lacht) Schon klar, aber ich möchte dazu nicht mehr sagen, als das es nicht passen würde. Mit Kristina ginge es schon eher als mit Michelle. Die ist zu unflexibel. Man muss reden können und nicht einfach seine Moderationen ablesen. So funktioniert das nicht. Wencke und die anderen reden, wie der Schnabel ihnen gewachsen ist. Das ist Entertainment. Ich kann mir so ein Programm prinzipiell vorstellen. Mit Mary Roos und Angelika Milster zum Beispiel! Das sind aber auch so ziemlich die Einzigen, mit denen ich mir das vorstellen kann.

Gehen Sie denn bald wieder solo auf Tour?

Erstmal gehe ich mit Karl Moik auf Tour. Der feiert mit "Servus, Karl" seinen Abschied von der Bühne. Er ist jemand, der sehr viel für diese Art Musik getan hat. Nicht nur für die Volksmusik, sondern auch für den Schlager, weil er diese Richtung immer adäquat in seiner Sendung präsentiert hat. Mir ist es ein Anliegen, bei diesen letzten Auftritten dabei zu sein. Meine Solo-Tour ist für das Jahr 2007 geplant.

Kommen Sie dann auch noch Köln?

Ja, ich denke schon. Aber ich komme schon diesen Sommer nach Köln – zum CSD. Ich werde auf dem Wagen von WDR4 mitfahren. Das wollte ich immer schon und darum freue ich mich, dass es diesmal klappen wird. Ich habe auch sofort zugesagt, als ich gefragt wurde. Ich habe ohnehin viele homosexuelle Fans. Aber im Prinzip macht die Musik sowieso keinen Unterschied zwischen hetero, lesbisch oder schwul. Da gibt es keine Grenzen.

Aber viele Schwule fahren nun mal auf Schlager ab.

Das ist einfach die weibliche Seite in Euch Jungs. (lacht) Wir haben eigentlich mehr weibliche Fans, die Schlager hören oder dazu stehen. Es hat damit zu tun, viel mehr mit dem Herzen und dem Gefühl zu handeln. Das haben wir Frauen mit den Schwulen gemeinsam.

Wann wurde Ihnen zum ersten Mal bewusst, dass viele Schwule auf ihre Musik stehen?

In meinen Konzerten und im Nachhinein bei den Autogrammstunden. Da habe ich dann immer gedacht: "Ups". Ich dachte, die gehen immer nur zu Marianne Rosenberg. Ich habe aber auch viele Schwule in meinem Freundeskreis und natürlich im beruflichen Umfeld. Friseure und Visagisten – Sie verstehen? (lacht) Früher wurde es mehr verschwiegen, aber heute haben nur noch die wenigsten ein Problem damit. Darum ist es auch offensichtlicher, wer um einen herum schwul ist.

Claudia Jung, aktuelle CD: "Träumen erlaubt", Live auf dem CSD-Wagen von WDR4 am 16. Juli, auf Tour mit Karl Moik vom 20. Oktober bis 19. November, www.claudia-jung.de



11 Kommentare

#1 DoggieNRWAnonym
  • 21.06.2006, 15:10h
  • "Das ist einfach die weibliche Seite in Euch Jungs. (lacht) Wir haben eigentlich mehr weibliche Fans, die Schlager hören oder dazu stehen. Es hat damit zu tun, viel mehr mit dem Herzen und dem Gefühl zu handeln. Das haben wir Frauen mit den Schwulen gemeinsam."
    Kennt diese dämliche Trällerelse auch noch andere Schwule außer den im TV vorgezeigten Berufsschwuppen Bach, Ücker, Morgenstern und Co?
    Ach ja ..."Friseure und Visagisten – sie verstehen?"
    ...ist schon klar!
    Aber wohl für den Kölner CSD als massenkompatibler Hetenkarneval nur passend....
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#2 TorbenAnonym
  • 21.06.2006, 16:16h
  • Ich glaub jemand der sich DoggieNRW nennt, sollte man den Ball ganz flach halten. Wer seine sexuellen Präferenzen schon im Nick mitteilen muss ... *nerv* Und dann auch noch blöde Kommentare ablassen. Ich finde es jedenfalls gut wenn eine Sängerin (die Musik ist auch nicht mein Ding) so offen und positiv über Schwule redet. Ob das dem Klischee entspricht ist mir doch egal ...
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#3 DoggieNRWAnonym
  • 21.06.2006, 17:36h
  • @ Torben
    ... ich liebe Deinen demokratisch-intelektuellen Ansatz, Leuten das Wort zuverbieten, weil Du dich in Spekulationen über mögliche sexuelle Präferenzen ergehst...
    Auch wenn es ja angeblich nicht Deine Musik ist, passt es doch wunderbar in die "Moiksche Zielgruppe" ... und vermutlich noch besser zu dem der schwulen Masse, die frenetisch noch den größten Scheiß goutiert, solange ihm das Adjektiv "schwul" oder "schwulenfreundlich" angehängt wird.
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#4 ChristianAnonym
  • 21.06.2006, 17:52h
  • Na na na! Ihr Streithansel solltet Euch mal die neueste CD der Jung zu Gemüte führen. Wunderbar, gerade für schwule Ohren. Sie ist einfach eine der letzten großen Sängerinnen, die unser Land noch aufzubieten hat. In einer Linie mit Hildegard Knef und Juliane Werding. Sie ist wundervoll!
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#5 DoggieNRWAnonym
  • 21.06.2006, 18:21h
  • @Christian...
    Das wird nicht funktionieren, da ich kürzlich meinen CD-Player zerschossen habe, nachdem dieser eine von einem freundlichen Partygast mitgebrachte und eingelegte ROSENSTOLZ-CD nicht schnell genug ausspuckte!!!

    Im übrigen empfinde ich Sätze wie "Wunderbar, gerade für schwule Ohren." schon sehr diskriminierend...
    und biologisch gesehen ist es völliger Blödsinn.
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#6 seb1983
  • 21.06.2006, 19:09h
  • Ich bin zwar auch absolut nicht der Schlagerfan aber ok jeder wie er meint, dass sowas bei Schwulen unbedingt besser ankommt hoffe ich trotzdem ist nur ein Gerücht....

    Mir geht die Dame aber auch entschieden zu stark auf ausgetrampelten Klischeepfaden lang.

    -Frauen und Schwule hören meine Musik
    -Visagisten und Friseure
    -dachte ihr hört nur rosenberg
    -weibliche Seite in euch Jungs
    -heute ist es offensichtlicher wer schwul ist

    Das finde ich persönlich diksriminierend und geht mir ziemlich gegen den Strich!!
    Da hat Frau Jung scheinbar ein ganz spezielles schwules Klientel auf ihren Konzerten.....
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#7 mvsAnonym
  • 21.06.2006, 20:50h
  • Da stimme ich dir völlig zu, seb1983.

    Zitat: Aber viele Schwule fahren nun mal auf Schlager ab.

    Und das war nicht einmal etwas, das sie als Antwort gegeben hat, sondern eine indirekte Frage des Interviewers. Oh je.

    mfg
    mvs
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#8 Georgios!Anonym
  • 22.06.2006, 00:00h
  • Oh Mann....

    Jetzt lasst die arme Frau doch mal in Ruhe und mal ehrlich jetzt.....dieses Klischeebild haben nunmal die meisten Heterosexuellen von uns Schwulen im Kopf....so ist es nunmal! Ich glaub nicht, daß Frau Jung extra diese Klischees von sich gibt! Sie weiß es einfach nicht besser! Man sollte echt nicht alles zu ernst nehmen!

    Und NEIN....Ich bin kein Claudia Jung Fan! ;-)
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#9 seb1983
  • 22.06.2006, 11:17h
  • Dass sie es nicht besser weiß find ich dann eher noch erschreckender wo sie ja so viel Umgang mit Homos hat und von nem Homoportal interviewt wird!!

    Auf der einen Seite aufregen wenn Trainier meinen Schwule könnten kein Fußball spielen aber Frau Jung bei ihren Konzerten zujubeln wenn sie meint Homos hätten eine eher weibliche Seite (und sich mit den ganzen Hausfrauen bei nem Prosecco vermutlich kööööstlich amüsieren).......
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#10 HansAnonym
  • 22.06.2006, 17:47h
  • Den Kultstatus einer Marianne Rosenberg wird Frau Jung nie erreichen.

    Schade nur das SIE das typische schwule Klischeebild hat. Das macht mich doch als Fan von Claudia Jung doch sehr stutzig!
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