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  • 22. Juni 2006, noch kein Kommentar

Regisseur Edgardo Cozarinsky liefert die traumhafte Chronik eines Buenos Aires, in dem sich der Stricher und Dealer Victor bewegt.

Von Carsten Weidemann

Buenos Aires im 21. Jahrhundert ist eine belebte, schwüle und arme Stadt zugleich: Die Bettler ziehen nachts mit Sack und Pack durch die Straßen, Kinder spielen Fußball zwischen dem Abfall der Gassen und dem Dreck des Bolzplatzes, während die Reichen abseits in den Suiten der Hotels ihren Lakaien die Politik des Landes erklären.

Da fällt es kaum auf, dass sich der 19-jährige Victor in dieser Nacht mehr oder weniger gewollt dem Kommissar im Auto hingibt. Nach diesem "Vergnügen" wirkt es nur noch als Charakterisierung eines Molochs, wenn dieser dann das Kondom aus dem Auto wirft, und sich zehn Meter weiter die Obdachlosen aneinander kuscheln müssen. Für Victor ist dies alles keine Ausnahme, es ist eine Nacht wie jede andere. Entweder zieht er selber durch die Straßen auf der Suche nach Freiern oder dealt mit Drogen – der Schutz des Kommissars ist ihm sicher. Er ist der schön anzusehende Händler der Unterwelt in Buenos Aires und seine Geschäftigkeit treibt ihn auch in dieser Nacht von einer sich lohnende Gelegenheit zu anderen. In den wenigen Momenten dazwischen streunt er durch die Stadt, die in dieser Nacht absonderlich erscheint.

Eine junge Frau am Straßenrand stößt ihren Freund vor ein Auto und verschwindet plötzlich, eine Blumenhändlerin steckt Victor unerwartet eine Nelke an und nur kurze Zeit später entgeht er knapp dem Tod. Da kommt Mario gerade recht. Der Taxifahrer gabelt Victor an einer Straßenecke auf, denn ihm liegt zu viel an dem hübschen Argentinier, dass er einfach an ihm vorbeifahren könnte. Zusammen begutachten sie erst die Prostituierten am Straßenrand, dann stehlen sie sich in ein Hotel. Sie baden im Whirlpool, erzählen vom Vergangenen und geben letztendlich dem körperlichen Verlangen nach. Plötzlich ist alles anders. Mario greift sich ein Kissen und will den schon schlafenden Victor ersticken. Mit Mühe kann dieser sich befreien und stellt verwundert fest, dass Mario verschwunden ist.

Endlich zur Ruhe gekommen, schläft Victor erschöpft am Tisch einer Bar ein. Es scheint, als würde die Nacht noch vor Sonnenaufgang von ihm abfallen, da betritt Cecilia den Raum. Die wunderschöne Bekanntschaft aus früheren Tagen setzt sich zu ihm, beginnt eine Unterhaltung und scheint sich des Rastlosen anzunehmen. Als er ihr von seinen nächtlichen Erlebnissen erzählt, weist sie daraufhin, dass diese Nacht Allerheiligen ist: Die wenigen Stunden, in denen die Liebenden aus dem Totenreich zurückkehren, um die Geliebten zu holen…

22.06.2006