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  • 23. Juni 2006, noch kein Kommentar

Diese Woche beglücken uns Country-Ladys auf Abwegen (Dixie Chicks, LeAnn Rimes) sowie ein starker, neuer Soulsänger.

Von Jan Gebauer

Dixie Chicks – "Taking the Long Way"

In den USA schon lange Superstars, bei uns immerhin schon über den Geheimtipp-Status hinaus und durchaus ein Charts-Thema. Die Dixie Chicks haben den Country-Markt der Staaten mächtig aufgewirbelt – zuerst mit den astronomischen Millionenverkäufen ihrer Alben "Wide Open Spaces" (1998), "Fly" (1999) und "Home" (2002), dann mit dem legendären Kommentar von Leadsängerin Natalie Maines bei einem Konzert 2003 in London: "Ich bin schäme mich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt". Die ebenfalls in Texas geborene Maines spielte damit u. a. auf den von George Bush angezettelten Krieg gegen den Irak an. Danach folgten Boykott im Radio, Todesdrohungen und ein Medienwirbel erster Rangordnung. Die Pause bis zum nächsten Album wurde immer länger, die Chicks waren bitter enttäuscht, insbesondere von der ablehnenden Haltung der Country-Community ihnen gegenüber.

Darum ist das neueste Werk "Taking the Long Way" nicht nur prophetisch betitelt, sondern auch eine dezente Abwendung vom Country-Genre, hin zu Pop und Rock. Das kann leicht Punktabzüge bei Charme und Originalität bedeuten, allerdings nicht bei den Dixie Chicks. Auch wenn die Bluegrass-Einflüße aus "Home" schmerzlich fehlen, sind es die fantastische Stimme von Maines, die perfekten Harmonien ihrer Kolleginnen Emily Robison und Martie Maguire und die durchweg ausgefeilten Kompositionen, die "Taking the Long Way" weit über den Durchschnitt vergleichbarer Produktionen heben. Zudem wurden alle Songs von den Ladys selber verfasst – und ein gewisser Rootstouch ist bei den meisten Titel durchaus vorhanden. Ob Liebeslied ("Everybody Knows"), Abrechnung mit dem Bush-Wirbel ("Not Ready to Make Nice") oder Zukunftshymne ("I Hope"): "Good to Have You Back, Dixie Chicks!"

Offizielle Homepage der Dixie Chicks

LeAnn Rimes – "Whatever We Wanna"

Auch LeAnn Rimes (23) gehört zu den erfolgreichsten Country-Künstlern der USA. Ihr letztjähriges Album "This Woman" wandte sich demonstrativ an die Fans dieser Musikrichtung, wurde in Deutschland aber gar nicht erst veröffentlicht. Mit "Whatever We Wanna" versorgt das Stimmwunder, das 1996 im Alter von 14 Jahren bereits einen Grammy als beste Newcomerin erhielt, die Fans, die eher noch "Can’t Fight The Moonlight" und vor allen Dingen "How Do I Live" im Ohr haben. Mit der ersten Single "Strong" hat das neue Album dann auch gleich eine solche Bombastschnulze am Start – toll gesungen, perfekt arrangiert. Hier sind echte Profis am Werk. Der Presse wurden insgesamt nur sechs Songs aus der neuen CD auf einem Sampler zugespielt. Das fehlende Country-Feeling macht sich im Gegensatz zu den Dixie Chicks deutlich bemerkbar. Man fragt sich beim Anhören zwangsläufig, wo LeAnn Rimes hin will? Kürzlich saß sie noch bei Viva auf der Couch und erzählte äußerst fröhlich von ihrer Musik und den Erfolgen der letzten Jahre. Das Problem ist allerdings, dass ihre Songs viel zu reif und erwachsen wirken, um damit ein Teenager-Publikum zu bezirzen. Natürlich nahm man auch die ein oder andere Nummer auf, die eher dieses Klientel ansprechen soll, aber lauten, völlig überproduzierten Durchschnitt wie den Titelsong hätte sich Rimes wirklich sparen können. Da geht selbst ihre überragende Stimme unter. Dann lieber "Some People": Verträumte Melodie, feinfühlig gesungen – so lieben wir die auch optisch mittlerweile bildschöne Lady aus den USA.

Offizielle Homepage von LeAnn Rimes

Jeff Cascaro – "Soul of a Singer"

Mit Country hat der reife Newcomer Jeff Cascaro wahrlich nichts zu tun, dafür mit groovenden, pulsierenden Soul-Sounds der alten Schule. Eins hat er aber mit den Chicks und LeAnn Rimes gemeinsam: Man hört ihm gerne zu, denn seine Stimme ist ein Genuss. Voll und sexy klingt Cascaro, der zuletzt als Vocal-Coach bei "Deutschland sucht den Superstar" vergeblich versuchte, manchem Kandidaten die richtigen Töne beizubringen. Was soll’s – auf seinem Album "Soul of a Singer" sitzt jedenfalls jeder Ton. "Meine Einflüsse sind Soul und Funk, von Marvin Gaye über George Benson, Johnny Guitar Watson bis hin zu den Crusaders. Ich war zehn und saß im Autoscooter, als mich 'Upside Down' von Diana Ross umgehauen hat", sagt Cascaro über seine Musik. Das ist erfreulich, denn Männer mit Geschmack sind hier gerngesehen. Acht Tage haben die Aufnahmen zu "Soul of a Singer" nur gedauert – herausgekommen ist ein frisches, aus einem Guss klingendes Album. Jazzig, soulig, entspannt und stets äußerst souverän groovend. Eben so, wie der ultimative Song für den gerade schön aufblühenden Sommer: "Summerlove". Für so ein lässiges Lied würde selbst Lisa Stansfield töten.

Offizielle Homepage von Jeff Cascaro

23. Juni 2006