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Ob Berlin, New York, Toronto oder Paris - weltweit demonstrierten Schwule und Lesben. Hauptthemen waren die Homo-Ehe und Aids.

Von Dennis Klein

Dank der Fußball-WM verzögert sich in Deutschlands Metropolen die CSD-Saison etwas. Nur der "Transgeniale Christopher Street Day" in Berlin-Kreuzberg ließ sich durch die angeblich schönste Nebensache der Welt nicht beirren: Unter dem Motto "Keine Privatsache" nahmen nach Polizeiangaben rund 2.400 Schwule und Lesben an der von linken und alternativen Gruppen organisierten Demonstration teil. In der Kritik standen besonders die Hartz-IV-Reformen, die zur Verarmung führten, und die homophoben Übergriffe in Osteuropa. "Wir sind keine reine Kuschelparade wie der offizielle CSD", so ein Redner. "Wenn man den eigenen Kampf nicht mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbindet, wird man davon überholt. Exklusives Lobbying für Homorechte führt in eine Sackgasse. Die Homo-Ehe ist ein gutes Beispiel dafür", zitiert die "taz" eine der Organisatorinnen.

Der transgeniale CSD versteht sich als nichtkommerzielle Ergänzung zum "traditionellen" Berliner Christopher Street Day. Werbefreiheit war allerdings auch bei den Alternativen nur ein frommer Wunsch: "Zu starken Unmut unter den Teilnehmern führte das Auftreten einer Werbekolonne der PDS", berichtet der Journalist Jörg Fischer. Die Linkspartei brachte zu der Demonstration ein "übergroßes Werbetransparent" mit, das erst nach mehrmaliger Aufforderung der CSD-Leitung entfernt wurde. "Pluspunkte haben sich die Genossen mit ihrem Auftreten nicht gesammelt – eher im Gegenteil", so Fischer. Der offizielle Berliner CSD findet am 22. Juli unter dem Motto "Verschiedenheit und Recht und Freiheit" statt.

Paris will die Homo-Ehe, New York gedenkt der Aids-Toten

Die Öffnung der Ehe war ganz im Gegensatz zum Kreuzberger Event die zentrale Forderung des Pariser CSD - des letzten vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr. Unter den je nach Schätzung 400.000 bis 800.000 Teilnehmern befand sich auch politische Prominenz wie Sozialisten-Chef François Hollande, Bürgermeister Bertrand Delanoë und der ehemalige grüne Minister Yves Cochet. Der CSD stand unter dem Motto "Pour l’égalité en 2007" ("Für Gleichheit im Jahr 2007"). Die Demonstranten, die vom Place Montparnasse zum Place de la Bastille zogen, forderten lautstark, endlich heiraten zu dürfen. Die wahrscheinliche sozialistische Kandidatin hatte letzte Woche bereits angekündigt, sich im Falle eines Wahlsieges für die Homo-Ehe einzusetzen (queer.de berichtete). Die regierende konservative UMP lehnt das dagegen kategorisch ab.

Hunderttausende kamen am Wochenende auch zur "Gay Pride Parade" nach New York. Die Fifth Avenue glich einem Meer aus Regenbogenfahnen. Hier erinnerten die Teilnehmer an den Ausbruch von Aids vor 25 Jahren. Der republikanische Bürgemermeister Michael Bloomberg forderte in einer Radioansprache die Bürger dazu auf, sich HIV-Tests zu unterziehen. Unter dem Motto "The Fight for Love and Life" ("Der Kampf für Liebe und Leben") erinnerten sie sowohl an die 90.000 Aids-Toten allein in New York und mahnten zudem gleiche Rechte an. In den letzten Jahren mussten sich Schwule und Lesben in den USA mancher Herausforderung stellen. So versuchte Präsident George W. Bush wiederholt, ein Verbot der Homo-Ehe in der Verfassung festzuschreiben (queer.de berichtete) - bisher erfolglos. In mehreren Staaten gibt es allerdings bereits Eingetragene Partnerschaften, in Massachusetts wurde sogar die Ehe geöffnet. Zudem sind Schwule und Lesben in großen Teilen des Landes gesetzlich vor Diskriminierung geschützt.

San Francisco feiert mit Dykes on Bikes, Toronto mit Standesbeamten

Auch in San Francisco und Chicago demonstrierten und feierten Menschenmassen den CSD. In der Schwulenhochburg San Francisco führten die Dykes on Bikes den Zug an. Auch hier forderten die Teilnehmer die Öffnung der Ehe. "Wenn du keine Homo-Ehe willst, dann heirate eben nicht", hieß es auf einem Plakat. Im kommenden Jahr soll die Homo-Ehe vor dem obersten Gerichtshof in Kalifornien behandelt werden. In Chicago galt die Parade als Vorbereitung auf die Gay Games, die im kommenden Monat in der Metropole stattfinden werden.

In Toronto waren 1,2 Millionen CSD-Teilnehmer auf der Straße. Die Demonstration richtete sich hauptsächlich gegen Premierminister Stephen Harper, der die bereits vollzogene Öffnung der Ehe wieder rückgängig machen will (queer.de berichtete). Die Standesämter mussten am Wochenende wegen der vielen Hochzeiten Überstunden machen. Insbesondere US-Amerikaner, die in ihrem Heimatstaat nicht heiraten können, gaben sich in der Hauptstadt von Ontario das Ja-Wort.

Unzählige CSDs europaweit

In mehreren anderen Städten demonstrierten Schwule und Lesben für gleiche Rechte: In Rom verlangten tausende Menschen die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften. Die im April ins Parlament gewählte Drag Queen Vladimir Luxuria versprach, dass dies der letzte CSD in der italienischen Hauptstadt vor Einführung der Homo-Ehe sei. In Lissabon verlangten 400 Menschen die Öffnung der Ehe wie im Nachbarland Spanien, in Athen setzten sich 1.000 CSD-Teilnehmer für einen besseren Schutz von Homos ein. Rund 1.500 versammelten sich in Budapest. 200 Mutige gingen in Zagreb auf die Straße und wurden von ebenso vielen Polizisten vor rechtsradikalen Gegendemonstranten geschützt. Außerdem wandten sich in Dublin 5.000 CSD-Teilnehmer gegen gewalttätige Überfälle sowie Mobbing in Schulen und verlangten auch hier die Einführung der Homo-Ehe.

26. Juni 2006



16 Kommentare

#1 OlafAnonym
  • 26.06.2006, 14:12h
  • Interessant, dass sich die Schwulen und Lesben weltweit so auf die Ehe konzentrieren. Das war doch einst eine konservative Einrichtung, mit der man nichts zu tun haben wollte.

    Den transgenialen CSD sehe ich noch als ein Relikt der 70-er und 80-er, als die Homosexuellen noch die ganze Welt verbessern wollten. Ist schön, aber wird natürlich jetzt gnadenlos parteipolitisch ausgenutzt, wie man sieht.
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#2 danielAnonym
#3 GerdAnonym
  • 26.06.2006, 14:47h
  • CSD Kreuzberg: "Exklusives Lobbying für Homorechte führt in eine Sackgasse. Die Homo-Ehe ist ein gutes Beispiel dafür"

    Wie bitte? Die Homoehe war doch ein Riesenerfolg! Nicht-EU-Partner werden endlich anerkannt, um nur einen der Vorteile zu benennen. Nur gegen Hartz 4 zu wettern ist ein recht dürftiges Programm!
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#4 Holga-WaldaAnonym
  • 26.06.2006, 15:56h
  • ....hier 6 videoclips zum transgenialen
    csd....
    kanalb.org/topic.php?clipId=101,

    bei dem vom jounalisten jöerg fischer wahrgenommenen starken unmut über das
    auftreten der pds, kann ich mir gut vorstellen, dass an einem solchen tag , seine genossinnen und genossen der wasg und der trotzkistischen gruppe SAV eine gereizheit
    verspüren, die die "gefühlte" grösse eines transparents übermächtig erscheinen lässt.
    der zoff zwischen PDS und WASG/SAV ist in berlin leidig bekannt.
    das denken ausgeglichener schwuler lässt sich auch durch diesen stoff nicht trüben.
    das herr fischer die interessen seiner genossen wahrnimmt ist legitim.
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#5 SaschaAnonym
  • 27.06.2006, 01:30h
  • @Gerd: Ja, die Homo-Ehe war ein Riesenerfolg für diejenigen, die Diskriminierung bis zum Sankt Nimmerleinstag fortschreiben wollen!

    Wenn man also schon in kleinbürgerlich-konservativer Manier meint, eine Gesellschaft allein auf diesem formaljuristischen Wege verändern zu können (dabei ist das nur eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung), dann sollte man sich zumindest nicht mit Konstrukten zweiter Klasse abspeisen lassen!
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#6 OlafAnonym
#7 holga-waldaAnonym
  • 27.06.2006, 14:47h
  • @ olaf

    mein bester freund hat keinen computer und schweissfüsse.
    in welcher print-ausgabe finde ich
    den bild-artikel ?
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#8 joshAnonym
  • 27.06.2006, 18:11h
  • wenn ich mir dies mit der homo-ehe durchlese, komme ich mir langsam vor, wie bei einem angriff der borg und fühle mich assimiliert. (sorry wer kein star trek kennt). mit dieser homo-ehe geben wir den etwas linker stehenden rechtskonservativen nun die möglichkeit uns zu intergrieren (siehe bild). endlich sind wir genauso wie sie, mit einem kleinen unterschied, naja aber das geht ja vielleicht. prüfen wir es in einer langzeitstudie.
    mensch da habe ich doch einen vorschlag, wie wärs wenn wir uns gemeinsam mit den rechten in reih und glied in halbe meinetwegen hinstellen und in schwarzen uniformen der SS gedenken. da werden wir vielleicht ganz schnell noch schneller wertvolle mitglieder der gesellschaft, oder?
    mir scheint diese homo-ehe ist von vielen (auf beiden seiten) auch das gewünschte eingangstor in die normalgesellschaft. ist da sonst gar nichts mehr?
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#9 Captain JanewayAnonym
  • 27.06.2006, 18:23h
  • @josh

    Nein, wieso auch? Wir sind leider nun mal nicht aufregender und klüger als Heteros, noch sind wir das "auserwählte Volk".
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#10 joshAnonym
  • 27.06.2006, 18:36h
  • @captain janeway:
    die geschützte institution der ehe diskriminiert selbst in ihren besten fällen durch ihre blosse existenz andere formen des zusammenlebens. es geht nicht um das auserwählte volk oder so ein quark.
    anstatt die gesellschaftliche öffnung dieses tabubereiches für eine qualitative verbesserung zu benutzen, freuen wir uns nun endlich dazu zu gehören. anstatt die trennwand zwischen vermeintlich normalen und nicht angepassten einzureissen oder dies wenigstens zu versuchen, erfreuen wir uns an der aussicht "auf der anderen seite zu stehen", da wo die angepasste mehrheit steht. anstatt die solidarität mit anderen diskriminierten (und davon gibt es mehr als genug) zu suchen, wollen wir nur von der opfer zur täterseite wechseln. und das liebe kathrin janeway würden dein virtuelles literarisches ebenbild niemals tun, nicht wahr?!
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