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Neu Delhi (queer.de) - Prinz Manvendrasinh Gohil (40), Sohn einer ehemaligen königlichen Familie Indiens, wurde von seinen Eltern verstoßen, nachdem er sich in einem Magazin offiziell geoutet hatte. Dieser Schritt in die Öffentlichkeit war seinen Eltern zuviel, denn von der Homosexualität an sich wussten diese schon seit vier Jahren. Die Familie von Gohil, der sich seit einiger Zeit als Aktivist für die Recht von Homosexuellen einsetzt, herrschte einst über die Region Rajpipla im Bundesstaat Gujarat. In den 70er Jahren wurden den letzten Königshäusern Indiens die Titel und Königreiche aberkannt. Homosexualität ist für Inder allgemein kein Thema. Der Paragraph 377 des Indischen Strafgesetzbuches kriminalisiert alle "unnatürlichen" Formen sexuellen Verkehrs und geht auf koloniale Zeiten zurück. Das britische Empire hatte den "Offences Against the Person Act" (1861) nicht nur in England sondern auch in allen Kolonien eingeführt. Folgt man dem Wortlaut des Textes ist jegliche Form von Sexualität strafbar, die nicht zur Zeugung von Kindern führt. Demnach würden auch die meisten Ehepaare immer wieder gegen den Paragraphen verstoßen. Die meisten Inder verstehen das Gesetz in der Regel aber als eines gegen Kindesmissbrauch und vor allem gegen Homosexualität. (jg)



#1 SaschaAnonym
  • 28.06.2006, 16:27h
  • Länder und Kontinente zu kolonialisieren, sie auszubeuten und dann ihrem Schicksal zu überlassen kann wohl kaum eine verantwortbare globale "Entwicklungsstrategie" sein, aber sie ist historische und aktuelle Realität.

    Wo sind die Imperialisten, wenn es darum geht, Menschenrechte gerade auch für die Ärmsten durchzusetzen?
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#2 HegreAnonym
  • 28.06.2006, 23:02h
  • Ich frage mich wie man bei diesem Thema auf den Imperialismus kommen kann?!

    Wenn man bedenkt, daß in den ehemals sozialistischen Staaten und immer noch sozialistischen Staaten, Homosexuelle einer stärkeren Repression ausgesetzt sind/waren, als in jedem kapitalistischen Staat.
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#3 SaschaAnonym
  • 29.06.2006, 12:31h
  • @Hegre:

    Es geht hier nicht um eine ideologische Debatte Kapitalismus vs. Sozialismus, deren Ergebnis in Bezug auf Menschenrechte auch keineswegs so eindeutig wäre, wie du unterstellst (Die größte Gefahr für die Demokratie ist derzeit der zügellose globale Kapitalismus! Und die globalisierte Weltwirtschaft in ihrer derzeitigen Form ist nichts anderes als eine Fortschreibung des Imperialismus via WTO, IWF und Weltbank).

    Daher frage ich nach der Verantwortung der einstigen Imperialisten, die in ihren ehemaligen Kolonien Menschen verachtende Strukturen und "Rechtsordnungen" installiert haben und sich leider nur selten für deren Beseitigung interessieren.
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#4 HegreAnonym
  • 29.06.2006, 20:12h
  • @ Sascha

    "Es geht hier nicht um eine ideologische Debatte Kapitalismus vs. Sozialismus"

    ... schriebst du - völlig zurecht.

    Doch warum führst du sie dann weiter?
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#5 Wir sind Deutschland:-)Anonym
  • 30.06.2006, 20:03h
  • Hallo es geht ausschließlich um die Intolernaz des indischen Kasten und Staatssystem gegen Minderhieten. Das ist weder kolonial, noch System ähnlich entstanden. Das Problem ist schon älter!
    Und in dem noch sehr stark familiär und technokratischem orientierten System Indiens leider so! Dagegen sollte man was machen oder ?!
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#6 holga-waldaAnonym
  • 30.06.2006, 20:49h
  • @ herge u.a.

    ich vermute, sascha möchte auf den den export, der "christlichen" sexualmoral z.b.viktorianischer prägung in alle länder ehemaliger kolonialreiche hinweisen. zu recht weißt er auf den nachhall dieses
    exportes, der wirklich den oftmals gelasseneren
    umgangs mit formen der sexualität erwürgte, hin. dankenswerter weise macht dies auch dennis klein. eine weiterer schub der diskriminierung, erfolgte in der neokolonialen phase auf den kontinenten afrika und asien, als dort die in europäischen eliteunis studiert habenden sprosse der nationalen eliten, die ächtung der homosexualität mit der moderne gleichsetzten. in diese stapfen traten dann des weiteren nationalrevolutionäre offiziere in vielen ländern.
    dieser idiotische transfer geschah in china über die "kommunistische sexualmoral" der sowjetunion(kriegssex)
    mit recht weißt sascha daraufhin, dass solche entwicklungen und weiterentwicklungen nur differenziert und wohl an der geschichte des jeweiligen landes korrekt "aufzudröseln" ist.
    gutes beispiel sind die in echtzeit zu verfolgenden widersprüchlichen tendenzen in der vr china. wellenlinie, aber tendenz aufwärts.
    warum er das macht, tja vielleicht will er, dass wir nicht dumm sterben, auch wenn
    einige wollen, dass wir das arm tun.
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#7 Wir sind Deutschland:-)Anonym
  • 01.07.2006, 00:02h
  • Oder andere wollen das Fehlinformationen das Wissen zerstören. In Indien war es auch vor der britischen Regentschaft schon so, daß Homosexualität nicht geduldet wurde. Obwohl wie ift in solchen Staaten sie sehr wohl praktiziert wurde!
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#8 cosmopolitanAnonym
  • 01.09.2006, 18:05h
  • @Wir sind Deutschland:

    Deine Behauptung, dass Homosexualität auch vor der Zeit der britischen Regentschaft nicht geduldet wurde, ist grundsätzlich falsch.

    Ich bin selber ein bisexueller Inder und habe aus persönlichen Gründen mich über das Thema Homosexualtität in Indien informiert, und habe daher vor langer Zeit Infos zum Thema von Uni-Dozenten des Faches Indologie sowie aus Übersetzungen von altindischen Schriften bezogen und habe folgendes herausgefunden:

    In altindischen Schriften, wie z.B. im Kamasutra (entstanden schon um 300 n. Chr.) wird berichtet, dass Homosexualität von Region zu Region abhängig entweder nicht geduldet oder sogar toleriert wurde und als normal galt. Es gab aber allgemein keine genaue gesellschaftliche Definition wie heute, wie man mit Homosexualität umzugehen hatte. Allgemein lehrten die alten Schriften, dass Sexualität nicht nur der Zeugung von Kindern dient, sondern die Leidenschaft, die daraus entsteht, eines der wichtigsten Ziele des Menschen sein sollte. Daher wurde Sexualität im alten Indien sogar zu einer Kunstform erhoben. Die Kurtisanen, die sexuelle Fähigkeiten als Dienstleistung anboten, genossen ein sehr hohes ansehen. Aus heutigen Augen betrachtet waren sie Prostituierte, aber damals waren sie ehrbare Frauen. Eben weil jede Form von Sex (zwischen erwachsenen natürlich) etwas positives war und die Menschen damals locker damit umgingen.

    Tatsächlich war es so dass erst die britischen Kolonialherren jede Form von Sexualität, die nicht zur Zeugung von Kindern diente, als unnormal deklarierten und Sexualität zur reinen Kinderzeugungsmaschinerie degradierten. Sie bezeichneten Homosexualität als Sodomie und stellten sie unter Strafe.

    Religiös hatten die alten Inder eine klare eindeutige Einstellung zu Homosexualität:
    Alte religiöse Schriften berichten darüber, dass eine Eheschließung die Bindung zweier Seelen besiegelt und eine Seele sei weder männlich noch weiblich, denn bei einer Wiedergeburt entscheidet sich eine Seele nicht immer für das gleiche körperliche Geschlecht. Nur die Körper ordnen sich einem Geschlecht zu, was aber wegen der Endlichkeit eines menschlichen Körpers nicht ausschlaggebend sein sein sollte, wenn zwei Seelen zueinander finden. Nach diesem Grundsatz handeln sogar heute noch einige hinduistische Priester und vollstrecken "inoffizielle Homo-Ehen". Richtig gelesen, religiös geschlossene Homo-Ehen im heutigen Indien.

    Ob man an die Wiedergeburt glaubt sei heute jedem selbst überlassen, nur finde ich dass diese Einstellung der alten Inder zu Homosexualität weitaus moderner ist, als in der heutigen - angeblich modernen - Welt. Insbesondere wenn man sich das Theater der heutigen Politiker und Moralapostel um das Thema Homo-Ehe ansieht.

    Wie auch immer, die Einstellung zu Homosexualität oder die zu jeder Form von Sexualität der alten Inder ist verloren gegangen, da die Inder eine Menge von der viktorianischen britischen Denkweise übernommen haben. Das ist eine Tatsache.

    @ Wir sind Deutschland: ein gut gemeinter Tip: Bevor du Behauptungen aufstellst, solltest du erst mal überprüfen, ob diese überhaupt der Wahrheit entsprechen.

    @ Sascha: Ich stimme mit dir überein dass die Lebenseinstellung, die die Kolonialherren mitgebracht haben, von ihnen auch wieder korrigiert werden sollte. Es waren z.B. auch die Briten die das erste Mal in der indischen Geschichte Homosexualität unter Strafe stellten. Als die Briten abzogen haben die Inder viele Gesetze, u.a. dieses EINFACH ÜBERNOMMEN.

    Aber diese Aufgabe, kolonialistische Denkstrukturen wieder abzulegen, liegt in erster Linie bei den Menschen in den ehem. Kolonien selbst und das schafft man nur, wenn diese sich zurück besinnen auf die Dinge und Einstellungen, die noch vorhanden waren, bevor die Kolonialherren da waren. Viele Inder freuen sich bis heute über die Freiheit von den Briten aber nehmen sich keine Sekunde Zeit um zu überlegen, wie sehr sie bis heute stark von der kolonialistischen Lebens- und Denkweise beeinflusst sind. Und hier sollte man ansetzen, meiner Meinung nach, und da wird das Land sicher noch viel Zeit brauchen.

    Gerade viele indische Fürsten lebten früher während der britischen Kolonialherrschaft als deren Verwalter für gewisse Regionen und lebten höchst persönlich unter der Abhängigkeit der Briten und standen in engem Kontakt zu ihnen im Gegensatz zur Bevölkerung. Daher glaube ich, dass besonders indische Fürstenhäuser viel von den Briten übernommen haben und u.a. das dazu führte, dass der o.g. Prinz verstoßen wurde. Aber das ist jetzt nur Spekulation meinerseits.

    Man kann im heutigen Indien an vielen Stellen schon eine offenere Einstellung zu Homosexualität erkennen, zum einen wegen vielen Hindu-Priestern, die im Gegensatz zu radikalen nationalistischen Kollegen, die Homosexualität als "Kolonial-Import" sehen, sich die Mühe machen und altindische Schriften studieren und deren Essenz praktizieren. Oder durch wachsende Schwulengruppen, die immer mehr Anlaufstellen für Schwule in Indien bietet. Aus meiner Sicht heraus ist das Land zwar auf einem steinigen, aber guten Weg.

    Mehr Infos über Homosexualität im Laufe der indischen Geschichte:

    www.galva108.org/hinduism.html

    (Hieraus habe ich auch das Beispiel der Hindu-Priester, die gleichgeschlechtliche Ehen schließen, entnommen)

    Mehr Infos über Sexualität im allgemeinen im alten Indien: da suche man sich eine gute Übersetzung des Kamasutra! (Am besten die von Wendy Doniger und Sudhir Kakar) Man wird staunen wie unverkrampft und einfach die alten Inder mit Erotik und Sexualität umgegangen sind! Ich kam jedenfalls zum Schluss dass die damaligen Menschen in Bezug auf Sexualität viel moderner waren als die heutigen Möchte-gern-Modernen.
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#9 madridEUAnonym
  • 01.09.2006, 18:35h
  • @cosmopolitan: Hervorragender Beitrag eines indischen Experten, der auch @saschas dankenswerten Kommentar bestätigt . Es bleibt die bescheidene Einsicht, dass wir Europäer überhaupt keinen Grund haben, uns nicht geläufige Gesellschaftsformen zu kritisieren.
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