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Die Nichte des kubanischen Präsidenten Fidel Castro will 47 Jahre nach der Machtübernahme der Kommunisten eine sexuelle Revolution einleiten.

Von Dennis Klein

Schwule und Lesben hatten in den letzten Jahrzehnten auf Kuba keinen guten Stand: In den 60er und 70er Jahren wollte das kommunistische Regime Homosexualität noch ausmerzen. Vor allem weiblich wirkende Männer wurden ohne Anklage oder Verfahren in Arbeitslager gesteckt - aus denen viele nicht mehr lebend entkamen. Eltern mussten zudem ihre Kinder anschwärzen, falls sie sich fürs gleiche Geschlecht interessierten. Zwar hat sich die Lage inzwischen verbessert. 1979 wurde Homosexualität dem Gesetz nach erlaubt - allerdings sind seitdem Schwule und Lesben häufig wegen "antisozialen Verhaltens" inhaftiert worden.

Jetzt setzt sich ausgerechnet die Nichte des kubanischen Herrschers Fidel Castro für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ein. Die 43-jährige Mariela Castro führt das staatlich finanzierte Zentrum für Sexualkunde (CENESEX). Sie sagt nun, sie wolle die Revolution auch auf das Feld der Sexualität ausweiten. "Ich will die Menschlichkeit der Revolution auf die Aspekte des Lebens ausweiten, die sie wegen alter Vorurteile bisher nicht erreicht hat", so Castro zur Nachrichtenagentur Reuters. Sie habe die Unterstützung ihres Vaters - des 75-jährigen Verteidigungsministers Raúl Castro, der im Falle von Fidels Tod dessen Nachfolger wäre. Derzeit sind Homo-Gruppen oder -Zeitschriften sowie CSDs verboten. Homo-Paare genießen keinerlei rechtliche Absicherung - die Ehe ist ausdrücklich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Die Machismo-Kultur tut ihr übriges.

Mariela Castro hat nun als erstes ein Gesetz vorgeschlagen, das Transsexuellen eine kostenlose Hormontherapie bietet mit der Option auf eine unentgeltiche Geschlechtsanpassung. Dazu soll die Veränderung des Geschlechts in offiziellen Dokumenten problemlos sein. Sollte dieses Gesetz, das Ende diesen Jahres beraten werden soll, wirklich in Kraft treten, wäre es wahrlich eine revolutionäre Abkehr von der alten Geschlechtsdefinition des kommunistischen Regimes. Bisher hat Mariela Castro bereits mit ihrer Unterstützung für die Telenovela "Die dunkle Seite des Mondes" für Aufsehen gesorgt: Hier verlässt ein Bauarbeiter seine Frau und Kinder für einen anderen Mann. Im März sorgte diese Handlung - die im Vergleich zu europäischen oder US-Seifenopern eher harmlos und verklemmt daherkommt - für helle Aufregung.

Noch will die streitbare Politikertochter nicht verraten, welche Gesetze ihr vorschweben, um die Situation von Schwulen und Lesben weiter zu verbessern: "Wir wissen noch nicht, was wir vorschlagen werden. Es kommt darauf an, was für Homosexuelle und Lesben am besten ist", so Castro. "Die Ehe ist hier in Kuba nicht so wichtig wie in anderen, katholischeren Ländern. Was zählt ist Liebe." Die erhalten Homos gerade von ihrer Umwelt nicht: Der letzten Umfrage aus dem Jahre 2002 zufolge sagten über die Hälfte der kubanischen Städter, Schwule und Lesben seien "Leute mit Problemen". Besonders hoch ist die Ablehnung gegen weibliche Homosexuelle: 85 Prozent gaben an, sie würden Lesben nicht mögen.

3. Juli 2006



22 Kommentare

#1 PierreAnonym
  • 03.07.2006, 16:48h
  • Schon beachtenswert, dieses Wandlung.
    Wenn das so weitergeht, dann sind in Kuba die Menschenrechte besser aufgehoben, als in den USA.
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#2 holga-waldaAnonym
#3 OlafAnonym
  • 03.07.2006, 17:25h
  • Es ist ein Fortschritt, dass sich sogar etwas in Diktaturen wie in Kuba tut. Man sollte aber erst einmal abwarten, wie weit die gute Frau das treiben kann.

    Pierre, in den USA gibt es mehr Gay Pride Parades und mehr schwule und lesbische Zeitungen und Zeitschriften als irgendwo sonst auf der Welt. In Kuba ist das alles verboten. Da sehe ich schon noch einen riesengroßen Unterschied.
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#4 Wir sind Deutschland:-)Anonym
  • 03.07.2006, 21:23h
  • Worin der Unterschied besteht? USA mag eine Demokratie sein mit Gayprides und Schwulen und Lesben aber trotzdem treten Sie die Menschenrechte! Über das Glück , das man in vielen Teilen der USA als offen Schwuler leben kann , sollten wir nicht vergessen, das die USA trotzdem auch ein Hort gegen die Menschenrechte ist zumindest unter ihrem derzeitigem Präsidenten!
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#5 No E-PatentsAnonym
  • 04.07.2006, 06:52h
  • Gut, das ist zumindest ein Anfang.

    Kleiner Tip: Der Kubanische Film "Erdbeer & Schokolade" ist sehr sehenswert.

    Und, vielleicht nicht nur drüber reden, sondern auch mal hinfliegen, nicht immer nur nach Mykonos, Ibiza & Fort Lauderdale!!
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#6 Hallo?Anonym
  • 04.07.2006, 10:39h
  • Während in der Bundesrepublik der §175 noch bis 1994 galt, wurden homosexuelle Handlungen auf Cuba bereits 1979 straffrei gestellt. Selbst die Verfolgung in den 60er Jahren war weitaus weniger exzessiv als in der Bundesrepublik, wo sich unter Adenauer die Zahl der Strafverfahren im Vergleich zur Zeit des Nationalsozialismus mehr als verdoppelte.
    Und vergleicht man die Lebenssituation Schwuler innerhalb der lateinamerikanischen Staaten, was redlich wäre, schneidet Cuba am wenigsten schlecht ab.

    So ist es, diese fiese kommunistischen Regime in Lateinamerika.. Garantiert die beste gesundheitliche Verorgung, die höchste Alphabetisierungsrate, die niedrigste Kindersterblichkeit in Lateinamerika.

    Gut, dass queer.de da nicht drauf reinfält und schonungslos das Cuba-Regime mit dem Frieden-und Freiheits-Staat USA vergleicht! Guantanamo lebe hoch!
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#7 holga-waldaAnonym
  • 04.07.2006, 10:43h
  • @ olaf

    genau so sehe ich das auch.
    wichtig ist natürlich zu beobachten,
    in welcher geschwindigkeit dieser prozess in die fläche geht, sonst bliebe er
    netter metropolen-schnick-schnack.

    meines wissens begann die frau ihr treiben im letzten jahr, anlässlich der schwulen filmwoche in havanna.
    im massenblatt 'rebelion' hielt sie den zeitpunkt für gekommen in kuba, trotz der lat.-amerik. macho-kultur, das verständnis für die homosexualität zu fördern.

    begleitet war das ganze mit einer plakataktion. auf den postern war ein vater mit seinem sohn zu sehen.
    text: "er gleicht dir nicht in allem, aber das macht ihn nicht anders. achte die sexuellen vorlieben deines sohnes, hör nicht auf, in ihm die wundervolle person zu sehen, die du geformt hast. es liegt in deiner hand, ihn zu verstehen und zu akzeptieren."

    das projekt 23 des ICAIC (cubanisches institut für filmkunst und filmindustrie) organisierte diese filmwoche in einem zentral gelegenen kino im zentrum havannas. weithin sichtbar war das motto:
    sexuelle vielfalt.

    jahre zuvor stellte ein spielfilm neue besucherrekorde in kuba auf: »Erdbeer und Schokolade« von tomás gutiérrez alea (mit unterstützung von juan carlos tabío) lief drei monate in den kinos von havanna und wurde auch im ausland ein richtiger hit. mit etlichen preisen wurde »Erdbeer und Schokolade« bedacht, sogar auf eine oscar-nominierung brachte er es in der kategorie »Bester ausländische Film«.

    gutiérrez alea (1928 bis 1996) hatte stets die revolution befürwortet und desto mehr an ihr gelitten: »Der Sozialismus ist ein sehr gutes Drehbuch, aber die Inszenierung ist ein Desaster.«

    cuba hat etwas mehr als 11 millionen einwohner, ca. 6500 hiv-positiv, 5200 davon sind männer, 68 % derer hatten homosexuelle beziehungen.

    über weitere "menschenrechtsentwicklungen" in cuba werden wir, so oder so, von immer grenzenloseren reportern auf dem laufenden gehalten:

    ... Besonders fällt allerdings die Militanz gegen Kuba...auf...

    www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20052/1.html
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#8 holga-waldaAnonym
  • 04.07.2006, 11:41h
  • @ hallo ?

    du bringst es auf den punkt: mieses fieses
    stalinistisches terror-regime, das mit salsa, cuba libre und cohibas, die westliche wertwelt zersetzt. scheinbar wühlen castros inselmaulwürfe jetzt schon auf der britischen:

    "Die meisten Briten sehen Amerika als grausame, vulgäre, arrogante Gesellschaft, die in Klassen und Rassen geteilt ist, von Verbrechen gebeutelt wird, besessen ist vom Geld und geführt wird von einem inkompetenten Heuchler",

    77 Prozent der Befragten, für sie seien die USA "kein Hoffnungssymbol". Nur noch 12 Prozent der Briten glauben demnach, dass die Amerikaner klug auf der internationalen Bühne agieren.

    81 Prozent der an der Umfrage Beteiligten glaubten, wie die Zeitung schreibt, dass Bush "seine Rhetorik über die Förderung der Demokratie in der Welt lediglich als Deckmantel für die Förderung nationaler amerikanischer Interessen benutzt". Mehr als zwei Drittel waren gar der Meinung, die USA seien im Grunde eine imperialistische Macht, die nach Weltherrschaft strebe.

    An der Umfrage waren in der Zeit vom 26. bis 28. Juni fast 2000 erwachsene Briten beteiligt. Die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe entsprach nach Angaben der Zeitung dem demographischen Profil Großbritanniens.

    www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,424841,00.html
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#9 GerdAnonym
  • 04.07.2006, 11:48h
  • Ich wundere mich jedes Mal, wie hier bei den Kommentaren Kuba als Vorbild gepriesen wird und dabei alle Menschenrechtsverletzungen geduldet werden. Wenn in den USA alle CSDs verboten werden würden, wäre hier der Aufschrei groß. Wenn das in Kuba passiert, regt sich niemand auf.
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#10 holga-waldaAnonym
  • 04.07.2006, 12:55h
  • @ gerd

    niemand, hat hier kuba als vorbild gepriesen.
    jeder hier will gay-prides in diesem kuba. deine vermutungen brauchen unrealistische fiktionen und unredliche unterstellungen.
    warum verzerrst du ? stilmittel ?
    was erträgst du nicht ?
    geht es dir um die gesamtheit der menschrechte, unteilbar (?), auf diesem inselchen ?
    geht es dir um die menschen dort ?
    ich habe den eindruck, dass dir jeder fortschritt auf dem inselchen bei den gegenwärtigen besitz- und verteilungsverhältnissen ein grauen ist.
    das ist o.k., dann sag das doch aber klar,
    anstatt den vorrednern unredlichkeit zu unterstellen.
    propagiere z.b. das modell brasilien, geh den menschrechtskatalog ganz durch, setz das prozentual um, und sag dann, ich, hier, halte das für besser, das wäre eine saubere herangehensweise.
    dein, wer nicht für uns( usa ?) ist, ist gegen uns (gay ?), hat was bushiges.
    manchmal habe ich den eindruck, dass das verschwinden der sowjet-union
    bei leuten, bei denen man es nicht gedacht hätte, schmerzhafte lücken hinterlassen hat.
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