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  • 04. Juli 2006, noch kein Kommentar

... aber gewaltig! queer.de war am 1. Juli bei der Regenbogenparade im "Freilichtmuseum" Wien dabei.

Von Jan Gebauer

Nein, wenn man mehrfach die CSDs in Köln oder Berlin erlebt hat, dann ist man für einen Trip zur Wiener "Regenbogenparade" etwas zu verwöhnt. Die Kölner finden ohnehin immer einen Grund zum Feiern, schließlich sind in der Karnevalshochburg rund vier Monate nur für diese "närrische Zeit" gebucht. Kein Wunder, wenn dort also Vater, Mutter, Kind neben Oma und Opa den Homos zuwinken und kräftig mitfeiern. In Wien lässt man es etwas gemächlicher angehen. Der Sprung auf einen der Wagen ist recht unkompliziert. Die meisten Jungs und Mädels haben sich nicht sonderlich aufgedonnert – wilde Kostüme oder ausgefallene Klamotten sind durchaus vorhanden, bilden aber eher die Ausnahme. Das Publikum gibt sich zurückhaltend. Kaum einer winkt, wackelt oder ruft etwas Verzücktes, was nicht heißen soll, dass die Wiener missmutig drein schauen. Nein, die Zuschauer wirken durchaus freundlich, aber sehr zurückhaltend. Vielleicht kommt hier die wienerische Mentalität durch. "Passt schon", sagt unser österreichischer Reisebegleiter Martin lakonisch, wenn er einen organisatorischen Triumph gelandet hat. Eins nach dem anderen, bloß keine Hektik.

Die Parade beginnt um 15 Uhr – da haben andere CSD-Züge bereits vier Stunden laute Schlagermusik, House-Gewummer und kreischende Schwuppen hinter sich. Vom Stadtpark geht es traditionsgemäß gegen die Fahrtrichtung über Kai und Ring bis zum Heldenplatz. Die Route führt über Urania, Schwedenplatz, Ringturm, Universität, Rathausplatz und Parlament bis zum berühmten Heldenplatz, wo die Schlussveranstaltung ("Celebration") stattfindet. Was weder Köln noch Berlin beim CSD zu bieten hat, ist die atemberaubende Kulisse (wenn man mal vom Kölner Dom absieht). Die historischen Gebäude sind unschlagbar für die Atmosphäre und geben dem Ganzen mehr Glamour als jede pailettenüberladene Transe dieser Welt. Das Abschlussfeiern reißt das Ruder auch stimmungstechnisch herum. Zwischen den üblichen Ständen und Fressbuden wird ausgelassen getrunken, gefeiert und herumgezickt. Das ist wahrscheinlich bei allen Christopher Streets Days, Pride-Veranstaltungen oder Regenbogen-Feiern gleich. Auf der Bühne startet ein Stimmungsfeuerwerk mit schwulen Schuhplattlern, einer ABBA-Revival-Band, Ex-Magic-Affair-Sängerin Franca Morgano und 80s-Ikone Jimmy Somerville. Dessen schwarzer durch Bodybuilding gestählter Background-Sänger lässt mich wie in Trance ganz nach vorne an die Bühne tanzen. Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse.

Gegen 22 Uhr ziehe ich mit dem schwulen bzw. lesbischen Volk dann langsam in Richtung der Läden, die jetzt mit Party-Alarm zum gepflegten Abtanzen einladen. In Wiens einziger Gay-Disco "Why Not" gibt es Pop-Klassiker, House-Beats und die ein oder andere Schlagerschmonzette. Das alternative CSD-Programm dudelt im "WUK": harter Techno und Rock abseits des Mainstreams wartet hier auf die Besucher. Da nicht jeder auf das Drängen und Schieben in Discos abfährt, bietet Wien allerdings auch etliche spannende Szeneläden, die natürlich am Wochenende immer knackig voll sind: Felixx, Cafè Savoy oder Village Bar bieten sich an. Wer noch poppenderweise zum Zuge kommen will, findet im Eagle Bar und Sling garantiert das Passende. Zumindest tat das zum Abschluss des Abends einer meiner Pressekollegen. Tja, wie würde der stets höfliche Wiener sagen: "Passt schon!"

4. Juli 2006