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Eine unsportliche Glosse zum WM-Finale.

Von Jürgen Friedenberg

Hauptsache, er ist drin! Der Fußball natürlich - im Tor des Gegners. Dann jubeln die Fans und die Jungs auf dem Rasen dürfen sich endlich einmal ohne Scheu voreinander und vor dem sittenstrengen Publikum so richtig umarmen. Da hat selbst der Papst nichts dagegen, der ja seine Brüder in Christo bei jeder sich bietenden Gelegenheit ebenfalls herzlich umarmt. Oder wenigstens so tut, als ob. Und die ihm dann aus lauter Dankbarkeit für diese so lange entbehrte leibhaftige Zuwendung seinen Ringfinger küssen.

Manche Sportshelden verteilen oder empfangen vor laufenden Fernsehkameras sogar zärtliche Streicheleinheiten. Auf diese Weise testen sie vorsorglich ihre Eignung als jugendliche Liebhaber in künftigen TV-Familienopern, denn man kann ja dem Ball nicht ewig nachrennen. Und an der Art, wie der erfolgreiche Torschütze sich nach dem Treffer seines T-Shirts entledigt, erkennen Experten bereits, ob der Kerl erforderlichenfalls auch einen spritzigen Strip hinlegen könnte.

Dass man als Mann ausnahmsweise auch mal ein paar Tränen vergießen kann, ohne deshalb als Weichei zu gelten, ist unter Fußballern eine neue Erkenntnis, für die man der WM 2006 nicht genug danken kann. Küsse hingegen, wenn man von den blutleeren Kusshändchen absieht, die die Akteure ihren Anhängern großzügig zuwerfen, Küsse sind nach wie vor verpönt. Obwohl sich doch auch der Papst in aller Öffentlichkeit küssen lässt. Allerdings nur auf seinen Ring, und meist hat er auch noch Handschuhe an – richtige aus Stoff oder Leder, keine Gummihandschuhe! Die wären zwar hygienischer und ließen sich nach den vielen Handküssen rasch wechseln. Aber Gummi erinnert doch sehr an die vom und im Vatikan geächteten Kondome, denn die kommen in der Bibel – leider - noch nicht vor.

Fußball meines Wissens auch nicht. Aber das macht nichts. Denn die von der FIFA verkündeten Regeln sind mindestens so streng wie die biblischen zehn Gebote und werden genau soviel oder sowenig befolgt. Nicht immer folgt die Strafe der Untat auf dem Fuße. Manches Foul bleibt ungesühnt, auch wenn die Fernsehaufzeichnung eindeutig eine Rüpelei nachweist. Das ist halt wie im richtigen Leben: Frechheit siegt. Und: Wer angibt, hat mehr vom Leben. Zum Beispiel, wenn er gestolpert ist und nun so geschickt fällt, als hätte sein Gegner ihm ein Bein gestellt. Gelbe Karte!

Ja, mit der Manndeckung hat so mancher Sportsfreund seine Probleme. Auf dem Fußballplatz, sonst natürlich nicht. Oder hat man schon mal was von einem schwulen Profi-Fußballer gehört? Ach so, den gibt es ja gar nicht. Belieben zu scherzen, ihr Weltmeister der Herzen!

9. Juli 2006



#1 seb1983
  • 10.07.2006, 13:01h
  • Dem Artikel fehlt es masssiv an Biss finde ich.

    Fußballer als Seifenopernstars? Eine Umarmung zeigt gleich schwule Gefühle?
    Papst und Fußball?

    Und neben Tränen und Umarmungen gibts es eben auch solche Aktionen wie gestern von Zidane. Die will hoffentlich niemand als "typisch schwul" bezeichnen.
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#2 schmimonAnonym
  • 10.07.2006, 16:59h
  • also ich finde den artikel einfach so richtig sinnlos.......die grundidee hätt ja was werden können....aber die umsetzung is ja numa gar nix
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#3 EieieiAnonym
  • 11.07.2006, 11:18h
  • Das tut weh...entweder ich schreibe einen Artikel über die WM oder über den Papst. Immer wieder den Papst und andere homo-typische Feindbilder mit reinzuquetschen langweilt auf die Dauer. Wie wär's mal zur Abwechslung mit einem Artikel voll von wirklich interessantem Inhalt? Bei derartiger Unterhaltung schaue ich mir lieber ein Spiel der 2. Bundesliga (als Nicht-Fussballbegeisterter!) an.

    Gääähn und gute Nacht, auf zu den interessanten Nachrichten und Artikeln im WWW :-)
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#4 SaschaAnonym
  • 11.07.2006, 11:37h
  • Entgegen meinen Vorrednern muss ich sagen:

    Kompliment für diese "Glosse", die bei aller Massenhysterie nicht aus den Augen verliert, dass der Fußballsport:

    1. eine ganz bestimmte gesellschaftliche Funktion erfüllt - Männer dürfen Männer beobachten, wie sie sich körperlich abchecken, ja sogar Zärtlichkeiten austauschen, ohne dafür - wie sonst üblich und nicht zuletzt von Papst und katholischer Kirche vermittelt - von der Gesellschaft sanktioniert zu werden.

    2. aber eine nach wie vor extrem homophobe Veranstaltung ist, die Homosexuelle auf aggressive Weise ausgrenzt.

    Ein scheinbarer Widerspruch? Eben nicht, weil die Funktion des Fußballs ja gerade darin besteht, versteckte Neigungen auf einer subtilen, eben auch versteckten Ebene zu befriedigen. Deshalb wird dieser Sport auch so brutal gegen jede Präsenz offener Homosexualität verteidigt.

    Meiner Meinung nach ist es dem Autoren sehr gut gelungen, einige der mehr als fragwürdigen und verlogenen Aspekte des Volkssports Nummer Eins in aktuellem Kontext aufzuzeigen. Die vorstehenden Reaktionen belegen, dass es dafür in Zeiten kollektiver Hysterie einer gehörigen Portion Mut bedarf!
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#5 madridEUAnonym
  • 11.07.2006, 13:16h
  • @sascha: Hervorragender Beitrag zum ebenfalls gelungenen Kommentar der @Redaktion ! Bedauerlich, dass Scharfsinnigkeit nicht von allen auf gleiche Weise verstanden wird. Ich dachte immer,
    dass unsereins dafür eine besondere Antenne haben müsste ????
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#6 seb1983
  • 11.07.2006, 19:45h
  • Allen Schwulen Antennen anzudichten ist ne Pauschalisierung die ich so nicht mitmachen würde.

    Der "Witz" an der ganzen Sache ist ja grade auch dass Umarmung und Co. nur funktionieren solange es eben NICHT irgendwie sexuell gemeint ist. Und tatsächlich einer der ganz wenigen Bereiche in denen Männer das mal dürfen.
    Da gehts eben und ein Gemeinschaftsgefühl dass in einer Manschaft aufgebaut werden soll, auch beim Militär wird damit gearbeitet (Kamerad)

    Wenn 2 Freundinnen Hand in Hand üder die Shopping Meile stolzieren dann denkt ja auch niemand dass sie lesbisch sind.
    Frauen dürfen das. Männer nicht. Warum??
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#7 madridEUAnonym
  • 12.07.2006, 10:14h
  • @seb1983: Mag sein, dass pauschal heute nichts mehr subtil verstanden wird, weil wir in einem egozentrischen
    Umfeld nur noch auf virtuelle Dinge reagieren.
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#8 LuxuriaAnonym
  • 13.07.2006, 19:39h
  • Ja, unter Spielern und Fans herrscht teilweise eine homophobe Stimmung, die daraus resultiert, dass man im Fußball dinge tut für die man sich sonst schämen würde.

    Aber ich, der ich tatsächlich Fußballfan bin, konnte bisher auch offen gut leben. Ich habe bisher nie verschwiegen, dass der Anruf der mich in der achzigsten Minute ereilt von meinem Lebensgefährten stammt.

    Homophobe Reaktion der anderen Fans? Fehlanzeige.
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#9 CarhelanAnonym