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  • 13. Juli 2006, noch kein Kommentar

Der Streit um die Homo-Spiele ist erstmal vergessen: In Chicago und Montréal beginnt in Kürze der schwul-lesbische Wettkampf um Medaillen.

Von Dennis Klein

Nach der Fußball-WM dürfen sich nun die Homo-Sportler messen: In Chicago beginnen am Samstag die siebten Gay Games, zu denen 12.000 Athleten aus 56 Ländern erwartet werden. Sie wollen in 35 Disziplinen und Medaillen kämpfen. Erstmals stehen die Gay Games dieses Jahr in Konkurrenz zu den neuen Outgames, die vom 26. Juli bis zum 5. August im kanadischen Montréal stattfinden. Hier sollen sich sogar 16.000 Sportler aus 109 Ländern messen.

Beide Austragungsorte haben sich für den Besucheransturm herausgeputzt. Chicagos Bürgermeister Richard Daley hat die schwul-lesbischen Besucher bereits offiziell willkommen geheißen. "Wir sind sehr stolz auf die Gay-Community in unserer Stadt", so der Demokrat bei einer Veranstaltung in der Roosevelt Universität. "Bei allen Themen, die die Lebensqualität betreffen, haben sich Schwule und Lesben stets als großartige Anführer gezeigt - und das ist ein weiteres Beispiel." Der Bürgermeister appellierte gleich noch an die Staats- und Bundesregierung, Homosexuelle endlich auch im Recht gleichzustellen - dazu gehöre auch die Öffnung der Ehe, wie sie bereits in Massachusetts und Kanada vollzogen wurde.

Allerdings gibt es auch im liberalen Chicago Proteste gegen das Homo-Event. Christliche Gruppen wollen unter Führung des so genannten Illionois Family Institute (IFI) eine "Liebes- und Wahrheitsoffensive" starten. Für die Eiferer heißt das: Sie wollen die sportlichen Schwulen zum Sprint ins heterosexuelle Spielfeld bewegen. Dazu präsentieren sie auf einer Pressekonferenz am Wochenende zwei ehemalige Homo-Aktivisten, die jetzt verheiratet und glücklich seien. "Wir wollen eine alternative Message für die Gay-Games-Teilnehmer aussenden, die jeder Unvoreingenommene hören kann", so IFI-Chef Peter LaBarbera. "Mit Jesus muss niemand 'schwul' sein".

Wegen solch puritanischer Tendenzen haben sich viele Sportler aus Europa und dem Rest der Welt entschieden, diesmal den Outgames in Montréal den Vorzug zu geben. Immerhin herrscht in Kanada kein generelles Einreiseverbot für HIV-positive Ausländer wie in den USA - obwohl das für die Dauer der Gay Games aufgehoben wurde (queer.de berichtete). Aber auch die Kanadier gehen nicht gerade zimperlich mit einreisewilligen Homo-Sportlern um. So gab es jüngst Beschwerden, dass Visa an Schwule und Lesben nur sehr schleppend vergeben werden. Die Organisatoren gaben bekannt, dass 250 von 315 speziell eingeladene Teilnehmer aus armen Ländern wie Kongo oder Brasilien - deren Aufenthalt hundertprozentig von den Outgames finanziert werden - noch immer keine Einreisevisa erhalten hätten - und das knapp zwei Wochen vor dem Start der Spiele. Oppositionspolitiker sprechen bereits von Diskriminierung gegen Schwule und Lesben und fordern Immigrationsminister Monte Solberg auf, ein Machtwort zu sprechen.

Dass zwei Olympiaden stattfinden, hängt mit einem Streit aus dem Jahr 2003 zusammen: Es war entschieden worden, dass die Gay Games in Montréal stattfinden sollten. Allerdings konnten sich die regionalen Veranstalter und das Organisationskommittee dann nicht auf die finanziellen Rahmenbedingungen einigen. Darum vergab die Federation of Gay Games (FGG) die Spiele ins amerikanische Chicago. Montréal wollte allerdings nicht zurückstecken - und richtet nun eigene Spiele unter dem Dach der neu gegründeten Gay and Lesbian Sports Association (GLISA) aus. Beide Verbände konnten sich bislang noch nicht auf einheitliche Homo-Olympiaden einigen. Die nächsten Outgames sollen daher 2009 in Kopenhagen stattfinden, während die Gay Games 2010 in Köln ausgetragen werden.

13. Juli 2006