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Brasilia (queer.de) - In den letzten zehn Jahren sind in Brasilien über 2.500 Schwule und Lesben wegen ihrer Sexualität umgebracht worden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der brasilianischen Vereinigung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen (ABGLT), meldet die Nachrichtenagentur AFP. Der ABGLT-Generalsekretär verkündete die Zahlen in einer Anhörung des Parlaments in der Hauptstadt Brasilia. Homo-Gruppen versuchen schon seit Jahren die Regierung dazu zu bewegen, Homophobie und daraus resultierende Verbrechen schärfer zu bestrafen. Im Juni demonstrierten beim weltweit größten CSD 2,4 Millionen Menschen in São Paulo gegen homofeindliche Übergriffe. Die Parade stand unter dem Motto "Homophobie ist ein Verbrechen" (queer.de berichtete).



35 Kommentare

#1 WisczinskAnonym
  • 14.07.2006, 15:28h
  • Auch wenn jeder Toter etwas schreckliches ist, muß man hier natürlich auch ein wenig auf den Hintergrund eingehen. waren es homophobe Straftaten, waren es homointerne, waren es einfach Straftaten ohne Bezug zur Homosexulität? Wichtig wäre das schon .

    Trotzdem muß man sagen JEDER MORD ist nicht nur eine Straftat, sondern in Verbrechen!
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#2 MichaAnonym
  • 14.07.2006, 17:18h
  • Ergänzend noch. Wenn man den Angaben auf Wikipedia Glauben schenken darf, dann ist die Kriminalitätsrate Brasiliens im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt relativ hoch. Jährlich sterben in Brasilien an die 50 000 Menschen durch Mord oder Totschlag. Das wären dann in den besagten zehn Jahren 500.000 Verbrechen. Wie mein Vorschreiber schon ausführte, wäre es interessant zu wissen, ob die 2.500 Verbrechen an Schwulen deshalb stattfanden, weil die Opfer schwul waren, oder hatten die Übergriffe keinen homophoben Hintergrund, sondern waren z.B. Raubmorde oder ähnliches ohne dass der Täter explizit wusste, dass das Opfer schwul war.
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#3 holga-waldaAnonym
  • 14.07.2006, 18:51h
  • die opfer- und umständesortiererei bringt gar nix. die verbände können nur zählen, um den großteil zu erfassen.
    zwischen den brasilianischen realitäten und dem simulierten brasilienbild sind galaxien.
    ich konnte mich dort ausschnittsweise in einigen milieus bewegen. in begleitung von
    ex-militärpolizisten mit gardemass in favelas in rio, in slums in sao paulo und zwar in den ganz derben gegenden, bis hin
    zu den schwerbewachten villen der vw-manager in sao bernado. in provinzstädten
    und den betulichen örtchen der nachkommen deutscher auswanderer, und selbst dort wurde in einem, eine woche vor meiner ankunft, ein mensch mit revolver wegen geldstreitigkeiten ins jenseits befördert.
    d a s brasilien gibt es nicht.
    brasilien wird es aber auf allen kontinenten immer mehr geben.

    de.wikipedia.org/wiki/Brasilianisierung
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#4 SaschaAnonym
  • 15.07.2006, 00:57h
  • Immerhin muss man zur Differenzierung des hier vermittelten Bildes von Brasilien festhalten, dass die gesellschaftspolitische Entwicklung unter der Regierung der Arbeiterpartei (PT) von Präsident Lula insgesamt positiv zu bewerten ist.

    Die Homo-Bewegung hat in den letzten Jahren enorm an Stärke und Sichtbarkeit gewonnen, und zahlreiche Abgeordnete der PT arbeiten bereits seit einiger Zeit an Gesetzesvorhaben für eine Homo-Ehe sowie für ein Antidiskriminierungsgesetz. Die extreme soziale Ungleichheit sowie ein immer noch nicht vollständig von kolonialen und autoritären Strukturen beseitigtes Rechtssystem erschweren selbstverständlich den gesellschaftlichen Fortschritt in Bezug auf Minderheitenrechte.

    Dennoch gibt es sehr beachtliche Ansätze zur Förderung einer Kultur des Respekts vor der sexuellen Vielfalt, u.a. durch teilweise vorbildliche Modellprojekte der Sexualerziehung an den öffentlichen Schulen der großen Metropolitanregionen des Landes.

    Gerade in einem Land, das von einer über mehrere Jahrhunderte akkumulierten sozialen Schuld geprägt ist, sollte man positive Veränderungen um so mehr würdigen. Die Tatsache, dass unter der amtierenden Regierung Lula in den letzten drei Jahren der Mindestlohn so stark angestiegen ist wie noch nie zuvor seit Inkrafttreten der demokratischen Verfassung von 1988 und im vergangenen Jahr eine beachtliche Zahl neuer und v.a. formeller Arbeitsplätze entstanden ist, damit die extreme Armut und die Armut zum ersten Mal seit langem wieder abgenommen haben, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

    Die Beseitigung der extremen sozialen Ungleichheit wird eine unabdingbare Voraussetzung für den gesellschaftlichen Fortschritt in anderen Bereichen sein. Immerhin sind mit Lula und der Arbeiterpartei zum ersten Mal in der Geschichte des Landes Repräsentanten aus dem Volke und der breiten Masse, die über starke Verbindungen zu sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen verfügen, in der Regierungsverantwortung. Die grundsätzlich sehr offene und Vielfalt als positiven Wert begreifende brasilianische Kultur bietet gute Voraussetzungen dafür, dass sich Brasilien bei einem neuerlichen Wahlsieg der Arbeiterpartei im Oktober zum Vorreiter in Sachen Minderheitenrechte in Lateinamerika entwickelt.
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#5 holga-waldaAnonym
#6 seb1983
  • 15.07.2006, 14:09h
  • bei 2500 Toten Homosexuellen hat Brasilien noch einen verdammt langen Weg vor sich, egal wie toll die Regierung auch ist.
    Die große Koalition wird vielleicht nicht viel bewegen in homo Fragen, aber dafür sterben bei uns keine Menschen wie in Brasilien
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#7 SAMAnonym
  • 15.07.2006, 19:57h
  • @holgawalda: was natürlich dein Spaziergang durch Brasiliens " deiner Meinung Realität" Mit Morden und morden zu tun hat, fragt man sich schon!

    Wenn jemand überfallen wird, weil der Gangster sein Geld haben will, interessiert den das Geld und nicht vorrangig die geschlechtliche Ausrichtung!

    Und vielleicht sollte der Holga mal durch die Realitäten spazieren gehen, dann hätte gemerkt, daß die Mordrate sehr whl sehr hoch! In einem hat er Recht und würde man das hier öfteres mal sagen " das Brasilien " gibt es nicht! Und das gilt für jede andere Diskussion auch!
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#8 holga-waldaAnonym
  • 16.07.2006, 12:14h
  • @ SAM

    versuchs mal damit:
    die ex-militärpolizisten waren "kumpels" eines verwandten, man nimmt in brasilien für diesen job, nach wie vor gerne die 1.90m-abkömmlinge deutscher auswanderer.
    einer von denen hat´s nicht gepackt und landete mit seinem "fachwissen" als bewohner in einer favela, mitunter nüchtern. die konstellation war für mich ein glücksfall, nenn´s voyeurismus, aber ich musste dort hin, und nur mit diesem begleitschutz ging das.
    den mittelstandskram kannte ich schon.
    die leiden der vw-manager auch.
    ansonsten, sehr treffend und lesenswert:

    www.ila-bonn.de/brasilientexte/homosexuelle.htm

    eine weitere verwandte ist direktorin eines
    gymnasiums und abgeordnete der pt.
    ein schwuler sohn studiert in florianopolis.
    klar, ohne die verwandten, dort geboren und aufgewachsen, wär´s ein spaziergang gewesen.
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#9 SaschaAnonym
  • 16.07.2006, 14:07h
  • Weder habe ich behauptet, dass die brasilianische Regierung "so toll" ist noch bestritten, dass insbesondere die Schaffung eines funktionierenden Rechtsstaates inklusive Minderheitenschutz eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Hätten wir in Deutschland mit vergleichbaren historisch bedingten Strukturen und Problemen, noch dazu in einem Land mit kontinentalen Ausmaßen, zu kämpfen wie in Brasilien, würde die Problemlage bei uns mit Sicherheit nicht anders aussehen.

    Daher ist es wichtig, bei der Bewertung zu differenzieren und die positiven Aspekte der gesellschaftspolitischen Entwicklung hervorzuheben. Im Vergleich zu anderen "Entwicklungs-" oder "Schwellenländern" ist Brasilien hinsichtlich der Situation von Homosexuellen als fortschrittlich einzustufen. Wer einmal längere Zeit in einer Stadt wie Rio de Janeiro verbracht hat, wird nicht bestreiten können, dass Homosexuelle sich dort sogar offener und selbstbewusster in der Öffentlichkeit zeigen, als dies in Deutschland der Fall ist. Und in aller Regel muss man ganz sicher nicht befürchten, deswegen das Opfer homophober Gewalt zu werden.
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#10 TorstenAnonym
  • 16.07.2006, 16:59h
  • Ich bin halb deutscher, halb argentinischer Abstammung. Die Gesellschaften Argentiniens, Uruguays und eben auch Brasiliens sind viel weniger homophob als man meinen sollte (wegen dem großen Anteil an Katholiken zum Beispiel), in anderen Ländern Lateinamerikas, vor allem in der Karibik, sieht die Situation schon anders aus. Natürlich ist die Anzahl der Morde an Homosexuellen erschreckend, verwundert mich aber auch nicht weiter und sollte auf keinen Fall zum Anlaß dienen, Brasilien als ein homofeindliches Land zu stigmatisieren. In Brasilien ist, vor allem im Raum Rio de Janeiro-Sao Paulo-Porto Alegre, die Anzahl der Morde sowieso sehr hoch, allerdings wohnen dort auch die meisten Brasilianer. Diese Gegend ist aber generell auf gar keinen Fall homophober als Köln, London etc. Die Anzahl der Straftaten liegt aber bedeutend höher als irgendwo in Europa, daher finde ich diese Zahl auf gar keinen Fall aussagekräftig, wenn man einmal nicht weiß, warum diese Leute umgebracht wurden, und zweitens nicht die Anzahl der Morde insgesamt nennt.
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