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Ab jetzt nur noch alles gemeinsam?! Trotz Sehnsucht nach Partnerschaft ist Angst ein großer Beziehungskiller

Von Eric Hegmann/gay-parship.de

"Alles hat prima angefangen", erklärt Mario (36) aus Hamburg. "Wir verstanden uns hervorragend und unternahmen die ersten Monate alles zusammen. Doch dann hatte ich das Gefühl, kein eigenständiges Wesen mehr zu sein. Ich musste einfach wieder raus, andere Männer sehen." Marios Beziehung wäre beinahe zerbrochen, bevor sie richtig begonnen hatte. Der Grund: Nach dreijährigem Singledasein versetzte die plötzliche Überdosis Nähe Mario in Panik.

Viele Singles projizieren Glück und Unglück ihrer aktuellen Lebenssituation auf einen potenziellen Partner: "Wenn ich erst wieder eine Beziehung führe, wird es mir auch besser gehen", sagen häufig vor allem Menschen, die bereits länger auf der Suche sind. Die Gefahr hierbei ist, dass die Erwartungen nicht an die Beziehung, sondern an den Partner immens werden. In der Folge fühlt sich der Neue nach einer sehr intensiven Startphase schnell eingeengt und bedrängt. Ihm bleibt womöglich nur noch die Flucht oder der Rückzug.

Ein anderes Phänomen: die aktiven und die passiven Beziehungsverweigerer. Jeder hat vermutlich schon einmal nach einer euphorischen Kennenlernphase den niederschmetternden Kommentar gehört: "Weißt du, das ist toll, so wie es ist. Aber eine Beziehung möchte ich nicht." Bei einem solchen aktiven Beziehungsverweigerer weiß man zumindest, woran man ist. Anders bei den passiven Beziehungsverweigerern. Die sagen zwar, sie wünschten sich eine Beziehung, doch sie tun unbewusst alles, um diese zu verhindern. Beispielsweise, indem sie sich in kleine, oft auch nur scheinbare Fehler des Partners hineinsteigern.

Jeder hat Angst vor Nähe, mancher mehr, mancher weniger. Zähneputzen während der Partner nebenan unter der Dusche steht, ist für einige die Erfüllung, für andere ein unerträglicher Eingriff in die Intimsphäre. Eine Diskussion darüber verletzt vor allem leicht den Partner, der Nähe sucht. Denn aus seiner Perspektive ist der Wunsch nach Freiraum häufig eine persönliche Zurückweisung. Wichtig ist, sich der eigenen Ängste vor zu viel Nähe bewusst zu werden und diese mit dem Partner offen anzusprechen. Nur so können Missverständnisse vermieden werden. Gerade zu Beginn einer Beziehung, wenn die gemeinsame Kommunikationsebene noch entwickelt wird, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse an die Partnerschaft so zu formulieren, dass der Partner dies nicht als Kritik an seiner Person versteht.

Woher kommt die Beziehungsangst?

Jeder will einerseits seine Persönlichkeit entfalten und sich gleichzeitig geborgen fühlen. Diese Bedürfnisse auszubalancieren, ist ein entscheidender Faktor innerhalb einer Beziehung. Unsere Grundhaltung für den Umgang mit Nähe und Distanz wird in der Familie gelegt, von der wir Verhaltensmuster übernehmen. Kinder, die sich von ihren Eltern distanzieren, erleben als Reaktion darauf beispielsweise Stolz oder große Verunsicherung seitens die Eltern. Gerade negative Erfahrungen können sich problematisch auf Beziehungen im Erwachsenenalter auswirken. Viele Menschen suchen sich wegen solcher Bindungsprobleme einen Partner, der ihnen in einer Beziehung nun das geben soll, was sie bei sich selbst nicht finden können. Anfangs klappt das hervorragend, doch nach einer Weile entwickelt sich aus der anfänglichen Wertschätzung eine gegenseitige Abwertung. Extreme Gegensätze passen hierbei genauso wenig wie völlige Gleichheit, denn ohne Spannung wird eine Beziehung rasch als langweilig erlebt.

Entscheidend für eine Beziehung ist eine von beiden Partnern als ausgewogen empfundene Regulierung von Nähe und Distanz. Das spiegelt sich beispielsweise in der Art und Weise wider, wie das Paar mit dem Faktor Selbstständigkeit umgeht. Die Partner müssen sich sicher sein können, mit ihren individuellen Nähe- und Distanzwünschen respektiert zu werden. Wenn das nicht gelingt, droht nach einem euphorischen Start eine schnelle Trennung.

24. Juli 2006



16 Kommentare

#1 ssj3 vegotenksAnonym
  • 23.07.2006, 21:32h
  • hmmm.... guter artikel :> durchaus ausbaufähig, aber sonst gut :) enthält für mich durchaus einige erklärungen...

    cya v3g0
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#2 AlexanderAnonym
  • 24.07.2006, 16:08h
  • Den Artikel finde ich sehr gut. :-) Prima, daß hier mal so etwas veröffentlicht wird.
    Ich denke, das spiegelt die Ängste und Situation Vieler in Partnerschaften oder beginnenden Beziehungen wider.
    In vielem erkenne ich mich auch selbst.
    Der Artikel ist ein guter Anstoß, sich mit diesem Problem bewußter auseinanderzusetzen und für sich eine individuelle Lösung zu suchen.
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#3 hwAnonym
  • 24.07.2006, 16:22h
  • ja, so seh ich´s auch.
    bräuchte aber hilfe bei "schwule",
    habe ich was übersehen ?
    das kenne ich auch von freundinnen und freunden, egal wie die sexuell drauf sind.
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#4 thomasAnonym
  • 24.07.2006, 16:23h
  • der artikel triff gerade voll in meine situation. nach langem singledasein habe ich endlich meinen schatz gefunden. in der tat, ich geniesse es, wenn er duscht während ich mir die zähne putze. ich hoffe, dass diese beziehung sehr lange halten wird. nähe-distanz-probleme sind sehr individuell - und ich denke, dass sie auch individuell gelöst werden können.
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#5 seb1983
#6 SAMAnonym
  • 24.07.2006, 19:06h
  • Sicherlich passt das besonders auf den schwulen Menschen, aber auch auf jede andere Sexualität. Die angst vor Bindungen und dem Miteinander halten viele davon ab. Dabei spielt es heute eher keine Rolle mehr welcher sexuellen Ausrichtung sie anhängen!

    Allerdings gilt es sich mehr für Schwule das ist unbestritten, nicht weil Sie mehr Angst haben sich zu binden, sondern weil Sie mehr Freiheiten für sich beanspruchen!
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#7 PierreAnonym
  • 24.07.2006, 20:06h
  • Das einzige Geheimnis zusammen zu bleiben, ist, die Gewohnheit zu akzeptieren.
    Immer wieder das Kribbeln im Bauch erneut zu spüren, verführt zum ständigen Partnerwechsel.
    Also, wenn der Sex nach nem halben Jahr nachlässt, sich auf andere gemeinsame Dinge konzentrieren.
    Das nennt man auch Alltagstrott.
    Wenn dann dafür die 'echte' Liebe wächst, hat man schon gewonnen.
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#8 WisczinskAnonym
  • 24.07.2006, 21:43h
  • @7: Wenn in deinen/deiner Beziehung nach einem halben Jahr schon alles Trott war, dann ist das sehr phantasielos! Wir sind 10 Jahre zusammen und es ist immer wieder nicht alltäglich- dazu gehört natürlich gemeinsame Arbeit!
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#9 seb1983
  • 24.07.2006, 22:18h
  • Da gibts auch genug Fachliteratur zu.

    Das mit dem "wenn das Prickeln nachlässt macht man Schluss" nennt man die "Emotionalisierung von Beziehungen"

    Früher war das egal, man war verheiratet, Scheidungen waren nicht anerkannt, also gab man sich etwas mühe und hat sich zusammengerafft auch wenn es nicht mehr das Herzklopfen gab wenn man die Tür aufschließt.

    Heute sind die Ansprüche höher, man will jeden Tag den neuen emotionalen Kick mit dem Partner, wenn das nicht klappt macht man Schluss und sucht den nächsten, bloß nichts investieren. Und das trifft jetzt besonders auf Schwule zu.
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#10 ManuAnonym
  • 24.07.2006, 23:23h
  • Interessanter Artikel - sehr wissenschaftlich, aber interessant... Aber man kann das Kind auch ruhig beim Namen nennen....

    Männer sind nunmal Schwanzgesteuert, und wir Schwulen wohl noch mehr als Heteros.... Die meisten sind einfach nicht (mehr) in der Lage feste Beziehungen zu führen weil sie nicht kompromissfähig sind und nicht bereit sind auch wirklich etwas in eine Beziehung zu investieren.

    Sobald nach ein paar Wochen/Monaten die rosarote Brille abgesetzt wird und der Alltag in einer Beziehung einkehrt lässt man es dann doch lieber bleiben.... warum soll man sich mit dann auftretenden Zwischenmenschlichen Problemen auseinandersetzen, wenn der nächst-bessere vielleicht schon Parat steht?

    Manche sollten sich auch wohl erstmal auf der Suche nach sich selbst machen bevor sie jemand anderes suchen...

    Man sucht, man findet, man bindet.... oftmals leider nicht aufgrund der wichtigen Werte... die Angst vor dem Alleinsein rechtfertigt wohl für viele das eingehen einer Partnerschaft... das nennt man Wohl Beziehung aus niedrigen Beweggründen...
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