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  • 25. Juli 2006, noch kein Kommentar

"Blue" galt seit 1971 als verschollen. 35 Jahre später sorgt das Werk für frischen Wind in der Karriere von Diana Ross.

Von Jan Gebauer

Manchmal frage ich mich, wie lange ein Album unentdeckt in den Archiven schlummern muss, um endlich das Licht des Tages erblicken zu dürfen. Das fertig produzierte Jazz-Album "Blue" von Diana Ross sollte 1972 den Erfolg von "Lady Sings the Blues" fortsetzen. Der ungefähr zeitgleich aufgenommene Soundtrack zum gleichnamigen Film hatte die Diva mit ihrem einzigen US-Nummer-eins-Album versorgt und hervorragende Kritiken eingebracht. Doch Motown-Mastermind Berry Gordy wollte die Ross nicht zu sehr in der Jazz-Ecke sehen und ordnete stattdessen die Aufnahmen zu "Touch Me In The Morning" an – 1973 Platz eins in den Single-Charts der USA und ein fantastischer Pop-Evergreen. "Blue" bekam den Stempel "zu riskant" aufgedonnert und verschwand in der Schublade des Plattenbosses. Über die Jahrzehnte blieb nicht mehr als ein Gerücht von den Aufnahmen übrig. Dabei dokumentieren die Stücke teilweise die besten Gesangsleistungen der Soullegende, die in den frühen 60er Jahren mit den Supremes eine beispiellose Weltkarriere startete.

Gerüchten zufolge wollten Berry Gordy und sein Plattenlabel Motown "Blue" erst dann veröffentlichen, wenn Ross den Oscar für "Lady Sings the Blues" gewonnen hätte. Alleine die Nominierung war schon eine riesige Ehre für die Sängerin gewesen – 1973 ging die größte Auszeichnung der Filmindustrie aber an eine andere Homo-Ikone: Liza Minnelli (für "Cabaret"). Mit "Blue" hätte Ross natürlich nicht den immens wichtigen Single-Markt abdecken können – Jazz und Standards waren seinerzeit kaum gefragt. Als Album-Künstlerin wurde sie allerdings über die Jahre kaum von den Kritikern wahrgenommen – ein Umstand, der sich eventuell mit "Blue" geändert hätte. Ihre Stimme klingt so präsent, einfühlsam und samten wie selten zuvor und noch weniger danach. Nuanciert jongliert sie mit Jazz-Klassikern wie "Smile", "Love Is Here To Stay" und "Solitude", als ob sie nie etwas anderes gesungen hätte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich nach all den Jahren auch ein Publikum für diese brillanten Aufnahmen findet. Vielleicht erlangt "Blue" ja einen ähnlichen Kultstatus wie "Nana Mouskouri in New York", mit dem der griechische Weltstar viel an Respekt und Credibility zurück gewann. Zu wünschen wäre es der großartigen Künstlerin auf jeden Fall.

25. Juli 2006