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Von Dennis Klein

Nach dem Willen der Demokraten in New Hampshire soll Senator John Kerry den ungeliebten Präsidenten Bush aus dem Amt jagen. Bei den Vorwahlen in dem Ostküstenstaat lag Howard Dean, der von den meisten schwul-lesbischen Aktivisten unterstützt wird, mit 13 Prozent Rückstand auf dem zweiten Platz. Obgleich Dean weiterhin Chancen hat, bei den Vorwahlen in den nächsten Wochen doch noch die Nominierung zu ergattern, gilt Kerry nun als haushoher Favorit.

John Kerry ist schon seit 1984 Abgeordneter im 100 Mitglieder zählenden US-Senat. In schwul-lesbischen Belangen hat sich der 60-Jährige aus dem Neuengland-Staat Massachusetts stets als einer der liberalsten Abgeordneten erwiesen. So brachte er 1985 einen Gesetzentwurf ein, der Diskriminierung von Schwulen und Lesben am Arbeitsplatz verhindern sollte – und das während der Reagan-Regierung, die Aids als Strafe für einen unmoralischen Lebenswandel ansah. 1996 kam er in die Schlagzeilen, weil er als einer von lediglich 14 Senatoren gegen das "Gesetz zum Schutz der Ehe" stimmte; darin ist festgelegt, dass die Zentralregierung die Homo-Ehe von Bundesstaaten nicht anerkennen müsse. Für Kerry damals ein gefährliches Unterfangen, da seine Wiederwahl anstand und die Mehrheit der Bevölkerung das Gesetz unterstützte. Der andere Senator im Rennen um die demokratische Nominierung, der in New Hampshire viertplatzierte Joe Liebermann, stimmte 1996 für den Ehe-Bannstrahl gegen Homos. Mit der Arbeit Kerrys ist die schwul-lesbische Gruppe Human Rights Campaign zufrieden: Die Organisation verlieh ihm in der letzten Wahlperiode die Auszeichnung "100 Prozent homofreundliches Abstimmungsverhalten".

Mit der Einführung der Homo-Ehe in Vermont ist Howard Dean, der ehemalige Gouverneur des lediglich 600.000 Einwohner zählenden Bundesstaates, zum Star der Homo-Aktivisten mutiert. Der Arzt wurde 1991 Gouverneur und unterzeichnete als eine seiner ersten Amtshandlungen ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben am Arbeitsplatz. Im Jahr 2000 beging Vermont Neuland, als es als erster Bundesstaat "Civil Union"-Hochzeiten ermöglichte. Dean boxte das Gesetz nur wenige Monate vor den Gouverneurswahlen durch – gegen Widerstände im Parlament und gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Dennoch wurde er wiedergewählt, wenn auch mit 50,5 Prozent äußerst knapp. Als er für einen Präsidentschaftswahlkampf Spendengelder sammelte, wurden 2002 und 2003 die Mehrheit der so genannten "Fundraiser"-Veranstaltungen von der schwul-lesbischen Community organisiert.

Dean-Anhänger sehen ihren Mann nach wie vor als Sieger – und kritisieren Kerry als Opportunisten: "Als es populär war, liberale Ansichten zu haben, hat Kerry auch im Senat so abgestimmt", so Jay Carson, Sprecher der Dean-Kampagne, "als es populär war, für den Irak-Krieg zu sein, war er das." Kerry hatte den Angriff auf den Irak im Senat unterstützt, nach wenigen Monaten aber seine Meinung geändert. Das könne auch mit Homo-Themen so gehen, warnen schwul-lesbische Aktivisten. Kerry hingegen kritisiert Dean als politischen Leichtgewicht, da er seine gesamte politische Erfahrung als Gouverneur eines "Mini-Staates" gesammelt hatte. Außerdem könnte Kerry als Vietnam-Veteran viel eher unter den traditionell republikanisch wählenden Soldaten punkten als Dean als der Kriegsgegner der ersten Stunde.

Obwohl beide Kandidaten um die Stimmen von Schwulen und Lesben buhlen, müssen sie sich an die Konventionen im Wahlkampf halten, um wählbar zu bleiben: Beide betonen in der Öffentlichkeit, wie perfekt ihre heterosexuelle Ehe ist. Dean hatte zwar zunächst seine Frau Judith Steinberg aus dem Wahlkampf herausgehalten. Als sich aber die Boulevardpresse über das Privatleben des Schwulenfreundes wunderte, berichteten beide in einem Interview über ihre glücklichen Ehe - natürlich händchenhaltend zur Hauptsendezeit im US-Fernsehen. Kerry und Dean verbindet auch, dass sie gegen eine völlige Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben sind, denn dann könnte Bush als "Retter der traditionellen Familie" punkten. Und die ist in der amerikanischen Öffentlichkeit nach wie vor heilig.

28. Januar 2004, 14:45 Uhr

John Kerry

Howard Dean



#1 BastianAnonym
  • 01.02.2004, 17:11h
  • sehr gut geschrieben Dennis...

    der belgische Verteidigungsminister hat öffentlich verlauten lassen das `wenn er amerikaner wäre niemals bush zu wählen... gewagtes statement! `...aber ist das nicht das wichtigste... er muss weg egal wie...der Preis für den Krieg haben schon zu viele bezahlt

    nicht nur die us-gays müssen vor diesem mann geschützt werden...ich auch :)

    in freudiger erwartung auf den august verbleibt

    Bastian
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#2 BastianAnonym
  • 01.02.2004, 17:11h
  • sehr gut geschrieben Dennis...

    der belgische Verteidigungsminister hat öffentlich verlauten lassen das `wenn er amerikaner wäre niemals bush zu wählen... gewagtes statement! `...aber ist das nicht das wichtigste... er muss weg egal wie...der Preis für den Krieg haben schon zu viele bezahlt

    nicht nur die us-gays müssen vor diesem mann geschützt werden...ich auch :)

    in freudiger erwartung auf den august verbleibt

    Bastian
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#3 ibuensnetAnonym
  • 04.02.2004, 06:58h
  • Hoffentlich passiert bis zum August nichts, was Wahlen in den USA verhindert. Über Anschläge, auf die eine Militärdiktatur folgen würde, wird immerhin orakelt.
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