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  • 18. August 2006, noch kein Kommentar

Der neue Lover ist super - anfangs. Doch wie kann man die erste Euphorie der Liebe in den Beziehungsalltag hinüberretten?

Von Eric Hegmann/gay-PARSHIP

Wenn Menschen sich ineinander verlieben, dann sehen sie meist nur die positiven Seiten des anderen. Mit der Zeit wird sich dieser Blickwinkel jedoch ändern, und häufig sehen wir statt der Dinge, in die wir uns verliebt haben, vor allem die Dinge, die uns stören. Wer diese Erfahrung häufig gemacht hat, sollte einmal einen Trick versuchen, den die amerikanische Beziehungsforscherin Sandra Murray (Sandra Murray: "The Benefits of Positive Illusions", 1996) als "positive Illusion" bezeichnet hat. Sie fand nämlich heraus, dass eine Überschätzung des Partners gut für die Beziehung ist: Wer denkt, er habe den Richtigen gefunden, ist ganz klar zufriedener.

Positivität gegenüber der Beziehung

Wichtig dabei ist, seinen Partner positiver wahrzunehmen, als dieser sich selbst und als seine Umgebung ihn sieht. Vielleicht hat er nicht den Körperbau eines Zehnkämpfers, aber dafür ein weitaus gewinnenderes Lächeln. Bestärken Sie ihn in seinen Vorzügen und stellen Sie diese auch heraus! Beim Kennenlernen eines potenziellen Partners bedeutet das, sich auf dessen positive Eigenschaften zu konzentrieren und der Versuchung zu widerstehen, sich sofort auf Fehler zu stürzen, die man womöglich bei vorherigen Partnern bemerkt hat oder die man bei sich selbst vermutet. Nach der eigentlichen Kennenlernphase sollte man versuchen, sich die positiven Aspekte immer wieder vor Augen zu führen und die negativen ganz bewusst herunterzuspielen. Ihr Partner wird es Ihnen danken - solange Sie dabei nicht unrealistisch werden. Zum Problem kann diese Taktik bei einem Gegenüber mit geringem Selbstwertgefühl werden, denn der Betreffende glaubt Ihnen die rosarote Brille vermutlich nicht und fühlt sich rasch überschätzt oder nicht ernst genommen.

Ist die Brille rosarot - oder rabenschwarz?

Wie Sie testen können, ob Ihr positiver Blick noch stimmt: Rufen Sie sich zurück, wie es war, als Sie Ihren Partner kennen gelernt haben. Sind Ihre Erinnerungen positiv - oder bewerten Sie im Nachhinein diese Erfahrungen als negativ? Fallen Ihnen zuerst die Schmetterlinge ein, die in Ihrem Bauch erste Flugversuche starteten, oder kommt Ihnen zunächst die Diskussion über die Höhe des Trinkgeldes nach dem gemeinsamen Abendessen in den Sinn? Paare, die in Studien ihre Kennenlern-Erinnerungen negativ bewerteten, hatten bereits erste Trennungsgedanken. Dagegen unterschätzen die glücklichen Paare häufig die Probleme, die zu einer Trennung führen könnten. Es gibt also neben der rosaroten Brille genauso eine schwarze Brille. Bis zu einem gewissen Punkt können Sie selbst entscheiden, mit welcher von beiden Sie Ihren Partner sehen wollen. Beide liefern kein wirklichkeitsgetreues Abbild der Welt, sondern nur Ihre eigene subjektive Wahrnehmung. Sie sollen sich aber auch nicht selbst belügen, deshalb halten Sie Ihre Ansprüche schön hoch!

Ansprüche auf die Beziehung richten statt auf den Partner

Nur wer weiß, was er will, kann gezielt danach suchen. Überlegen Sie sich also genau, worauf es Ihnen in einer Partnerschaft ankommt, und schrauben Sie Ihre Ansprüche dabei nicht zurück. Hohe Ansprüche an eine Beziehung sind gut und motivierend. Jetzt gilt es, einen Partner zu finden, mit dem sich genau diese Ansprüche erfüllen lassen. Je früher Sie Ihre Ansprüche an eine Beziehung formulieren, umso eher kann Ihre neue Bekanntschaft sich mit diesen auseinander setzen - und gegebenenfalls auch den Rückzug antreten. Allerdings müssen Sie deutlich formulieren, dass Sie Ihren Partner nicht so formen und hinbiegen möchten, dass er Ihren Ansprüchen gerecht wird, sondern dass Sie einen Partner suchen, der mit Ihnen gemeinsam diese Ansprüche an eine Beziehung umsetzt.

Zwei in einem Boot

Ein Bespiel: Sie wünschen sich einen Partner, der mit Ihnen viele Dinge gemeinsam unternimmt. Sie schwimmen gerne - also suchen Sie gezielt nach jemandem mit dem Hobby Schwimmen. Wenn Sie aber stattdessen den Schwerpunkt auf gemeinsame Aktivitäten setzen, lassen Sie offen, ob Sie sich nicht vielleicht durch einen neuen Partner von dessen Hobby anstecken lassen, das Ihnen sonst gar nicht in den Sinn gekommen wäre ... Was sich wie Haarspalterei anhört, sind zwei völlig unterschiedliche Ansätze: Wer seinen Partner respektiert, wird ihn nicht verändern wollen. Wer aber an seiner Beziehung arbeiten möchte, der holt dazu seinen Partner ins Boot, und beide ändern gemeinsam, was ihrer Meinung nach an der Beziehung zu verbessern wäre.

18. August 2006