Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?5449

Nach jahrelangem Kampf um ihre Songs ist Julia Neigel zurück. Mit queer.de sprach die Sängerin auch über Homo-Themen.

Von Jan Gebauer

Jule Neigel heißt jetzt Julia, der Nachname ist geblieben: Jahrelang lag ihre Karriere durch Rechtsstreitigkeiten auf Eis. Mit "neuem" Namen will es die Rockröhre noch einmal wissen. Mit ihrer rauchigen, überaus erotischen Sprechstimme gibt sie mir bereits einen ersten Vorgeschmack auf das aktuelle Live-Album "Stimme mit Flügel(n)". Die Hintergründe zu ihrem Prozess, die neue Musik und ihre Gedanken zu diversen schwulen Themen lest ihr in unserem Interview.

Von Jule zu Julia – warum hast Du Deinen Vornamen geändert?

Julia ist mein richtiger Name, der auch in meiner Geburtsurkunde steht. Ich hatte das schon seit Jahren vor, mir fehlte aber der richtige Anlass. Schon als ich als Kind von Russland nach Deutschland kam, wurde ich ganz unterschiedlich genannt. Manche sagten Jule, Julia, sogar Juliana. Die Presse dichtete auch ständig herum. Das fand ich irgendwann richtig nervig. Nun ist der perfekte Zeitpunkt, nach Pause und Ruhe, mit meinem richtigen Namen wieder an die Öffentlichkeit zu gehen.

Acht Jahre ohne Platten liegen hinter Dir. Viel war in den Medien über den Rechtsstreit bezüglich Deiner Songs zu lesen. Ist nun alles überstanden?

Nein, um Gottes Willen, es geht noch weiter. Ich habe jetzt erstmal 75 Prozent von der Komposition "Schatten an der Wand" (Julias größter Hit, Anm. d. Red.) gerichtlich zugesprochen bekommen – den Text hatte ich ohnehin selbst geschrieben. Aber als Komponistin wurde ich bis vor drei Monaten nicht einmal genannt. Vor Gericht habe ich mich mit Axel Schwarz (Ex-Band-Kollege) auf einen Vergleich geeinigt. Der besagt aber, dass ich nicht mehr über den Prozess sprechen darf. Ich habe dazu okay gesagt, immerhin darf ich ja über die anderen 69 Songs reden. Der Punkt ist: Mir wurde lange suggeriert, dass ich als Melodistin, die keine Noten schreiben bzw. ein Instrument spielen kann, keine Anrechte auf GEMA-Gelder habe. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass die Melodie der Song ist, alles andere ist vollkommen egal. Somit sind bei allen sechs vorherigen Alben die Angaben falsch gemeldet worden, was wiederum zum Prozess führte. Tja, und die Staatsanwaltschaft ermittelt natürlich weiter wegen der anderen Lieder.

Dann musst Du Dich auf viele weitere Jahre vor Gericht gefasst machen?

Selbst wenn das so sein sollte - für mich ist das nicht mehr relevant. Das wird jetzt nur noch ein Nebenschauplatz sein. Bis vor ein paar Monaten sah das noch anders aus. Aber nun habe ich Recht bekommen, ein Präzedenzfall wurde geschaffen und die anderen Prozesse können nicht viel anders ausgehen. Nun kümmert sich mein Anwalt um die ganze Sache.

Hast Du in der Zeit auch mal ans Aufhören gedacht?

Immer wieder. Aber nie ernsthaft. Es ist mein Traumberuf und ich habe mich in jungen Jahren dafür entschieden, weil ich es liebe. Mir war aber immer bewusst, dass nur ein rechtskräftiges Urteil Frieden und Ruhe bringen würde, damit ich wieder mit den alten Songs auf die Bühne gehen kann. Jetzt weiß ich auch, dass mir das Geld zufließt, das durch die Songs eingespielt wird. Und dass die Menschen zur Verantwortung gezogen werden, die vorher abgestritten haben, dass ich die Kompositionen verantwortet habe. Ich will ja nicht als ewige Sklavin meiner beiden Ex-Kollegen arbeiten. Nun steht die Tür zu meiner beruflichen Freiheit wieder offen.

Was hat Dir in der Zeit Kraft gegeben, das alles durchzustehen?

Meine Freunde, meine Mutter und der Glaube an Gerechtigkeit. Und Wut – Wut über das Geschehene. Außerdem das Wissen, wenn ich aufgebe, die anderen zum Sieger zu erklären. Natürlich hat mir auch Mut gegeben, als prominente Person einen Präzedenzfall zu schaffen, der auf lange Sicht auch anderen Musiker zeigt: "Lasst Euch nicht alles gefallen!" Viele jungen Menschen haben doch gar nicht das Geld oder die Kraft, sich gegen eine Gruppe zu wehren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man Rechte verlieren kann.

Werden junge Musiker heute noch so stark ausgenutzt?

Ich bezweifele das in keiner Sekunde.

Gerade in Zeiten von Casting-Shows und Co.?

Ich kann das in dem Fall nicht richtig beurteilen. Ich weiß aber aus vielen Gesprächen mit Kollegen, dass in den letzten Jahrzehnten rechtliche Regelungen in der Musikbranche viel zu kurz gekommen sind. Das muss sich ändern. Es geht nicht nur um ein Produkt, sondern um Menschen, um ganze Karrieren. Damit muss man sehr sorgsam umgehen. Wir brauchen in Deutschland eine gewisse Seriosität in der Musikbranche – wie sie zum Beispiel in Frankreich oder Italien existiert.

Wie ist es für Dich, wenn Du die ersten Songs anhörst. Die LP "Schatten an der Wand" klingt heute sehr 80s-lastig und poppig. Später wurdest du rockiger, bluesiger.

Ich fühle mich frischer und energetischer als damals. Reifer, kräftiger – meine aktuellen Songs entsprechen dem und gefallen mir am besten. Aber das ist immer so. Die neuen Songs sind gerade passiert, sind frisch und aktuell. Mein persönliches Lieblingsalbum ist aber "Herzlich Willkommen". Bei "Schatten an der Wand" hatte ich keinen Einfluss auf die Präsentation, Cover, Arrangement, usw. "H. W." ist von mir komplett delegiert worden. Ich habe über die Produktion entschieden. Und alle Lieder, die auf diesem Album enthalten sind, haben einen harten Kampf hinter sich. Ich musste mich schon damals gegen meine beiden Kollegen behaupten, meinen Sound durchsetzen. "H. W." war für mich authentischer und letztendlich das erfolgreichste Album meiner Karriere.

Wie wird Dein nächstes Studioalbum aussehen? Wird es mit den Songs auch eine Art "Abrechnung" geben?

Ich habe rund 30 Songs fertig. Im textlichen wird es aber nicht wirklich eine Abrechnung mit den Ex-Kollegen geben. Es wird sicherlich Studien über meine Gefühle beinhalten. Es wird Empfindungen aufzeigen, die ich vorher so noch nicht ausgedrückt habe. Liebe ist aber nach wie vor noch das wichtigste Thema in meinen Texten – egal welcher Art.

Julias Blick fällt auf die aktuelle "Männer Aktuell". Interessiert blättert die Sängerin in dem Magazin.

Ich habe schon von dem Magazin gehört, aber nie darin geblättert. Sieht interessant aus. Ich habe viele schwule, aber auch lesbische Freunde. Auch einige, die geheiratet haben. Das ist für mich ganz normal. Nichts Besonderes. Im Prinzip nicht der Rede wert, weil es so selbstverständlich ist. Wir reden über alles ganz offen, über die Beziehung, über Probleme. Aber auch über die ersten Outing-Erfahrungen oder die individuellen Lebensstile. Ich bin sehr froh über jeden einzelnen dieser Freunde, weil sie liebenswürdig sind. Was ich in meinem persönlichen Umfeld spannend finde, ist die Vermischung von unterschiedlichen Altersgruppen, sexuellen Neigungen, unterschiedliche Berufsgruppen, biederen Normalos, die gar kein aufregendes Leben führen – aber alle kommen untereinander sehr gut aus. Das genieße ich sehr.

Was sagst Du zu den vielen leckeren Typen im Magazin? Wie stehst Du überhaupt zur männlichen Aktfotografie und was zieht Dich an Männern an?

(Julia blättert überaus interessiert weiter) Die gefallen mir, sehr ästhetische Männer. Ich könnte aber keinen bestimmten Typus nennen, das kommt auf den Mann und seine Ausstrahlung an. Es gibt sicher optische Aspekte, die mir gefallen, zum Beispiel wenn jemand lange Haare hat, kräftig ist und ein attraktives Gesicht hat, birgt das einen gewissen Reiz. Aber ich hab auch schon Gegenteiliges toll gefunden. Was mich aber wirklich reizt, sind eher andere Dinge. Ist er attraktiv in seiner Gepflegtheit? Ist er charismatisch? Hat er etwas Besonderes? Charakterliche und moralische Integrität sind ebenso wichtig wie Ehrlichkeit! Eine gewisse Bildung, gute Manieren. Ein charmanter Gentleman hat immer gute Chancen bei mir.

Julia blättert länger im Magazin und schaut sich insbesondere die vielen sehr muskulösen und trainierten Aktfotografien an.

Hier wird ein Schönheitsideal gezeigt, dass nur den wenigsten Schwulen wirklich entspricht. Genauso wie die Ideale in Frauenzeitschriften: Unbedingt über 1,75 Meter, so und so große Brüste, etc. Ich empfinde solche Schemata als unnötig. Da begeben sich solche Magazine auf die gleiche Schiene wie die Schönheitsindustrie der Heteros. Ich persönlich bin dagegen. Welcher Mann läuft denn wirklich so rum? (Julia deutet auf einen extrem muskelbepackten Pornodarsteller der Firma Colt) Ich mag keine Männer, die so aufgepumpt sind – ich mag lieber das Echte.

Ich habe gestern in einem Forum gelesen: Schwule sind ja okay, aber CSD und dieses Zurschaustellen muss nicht sein.

Das ist mir eigentlich egal. Es wäre, glaub ich, auch nicht mein Fall. Allerdings muss man berücksichtigen, hier wird etwas zelebriert, was über Jahrzehnte unterdrückt oder unter Strafe gestellt wurde. Wenn ich alleine daran denke, wie viele Homosexuelle Hitler hat umbringen lassen, dann verstehe ich sehr wohl, dass man diese sexuelle Freiheit auch feiern möchte. Was da vorgefallen ist, finde ich genauso kriminell wie jede andere Form von ethnischer, politischer oder sozialer Säuberung. Aber für mich persönlich ist der CSD nicht interessant. Ich muss bei so was nicht mitmachen, um zu zeigen, wie tolerant ich bin. Aber warum sollten Schwule und Lesben nicht genauso große Feste feiern wie Heteros. Es ist eben ein traditionelles Fest der Schwulenbewegung, das etwas mit deren Emanzipation zu tun hat.

23. August 2006



#1 RabaukeAnonym
  • 24.08.2006, 14:31h
  • Das ist ja Hammergeil! Julia Neigel ist wieder da. Mit dieser Mucke bin ich aufgewachsen. Ich bin richtig froh! Das neue Album ist der Hammer. An die User sei gesagt: Kaufen, Kaufen Kaufen!!!!!!

    Ganz dolle, prima , Klasse-Gibts nüscht zu meckern:)
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KlausAnonym
  • 27.08.2006, 02:42h
  • Klasse Scheibe, hammer diese Stimme, diese Frau. Endlich
    ist sie wieder da. Julia Neigel fegt noch immer Alles von den
    deutschen Bühnen, was sich nicht angeschnallt hat. Hört
    Euch das an!

    Gruß Klaus
  • Antworten » | Direktlink »
#3 KlausAnonym
  • 27.08.2006, 02:42h
  • Klasse Scheibe, hammer diese Stimme, diese Frau. Endlich
    ist sie wieder da. Julia Neigel fegt noch immer Alles von den
    deutschen Bühnen, was sich nicht angeschnallt hat. Hört
    Euch das an!

    Gruß Klaus
  • Antworten » | Direktlink »
#4 danielAnonym
  • 07.12.2006, 01:38h
  • Hammerfrau. ich komme gerade von einem Konzert von Ihr.
    Sie ist ja momentan auf Deutschlandtour. Die ist echt eine
    Wucht, sowas hab ich noch nie erlebt. Große Klasse
  • Antworten » | Direktlink »