Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?5465

Happy Birthday, Bravo!

Deutschlands größte Jugendzeitung "Bravo" wird runde 50 Jahre alt. Wir gratulieren.

Von Carsten Weidemann

Alles begann 1956 mit einem Cover, auf dem Sex-Symbol Marilyn Monroe entgegen strahlte: Die "Bravo" war geboren. Zuerst als Jugendblättchen für Filme und Leinwandstars mit dem Untertitel "die Zeitschrift für Film und Fernsehen" veröffentlicht, nahm die die Zeitung über die Jahre auch Gesangsstars auf – später kamen Sportler, Moderatoren und andere Prominente hinzu. Die am 26. August 1956 erschienene Erstausgabe kostete ursprünglich 50 Pfennig. Heute muss man 1,30 Euro hinlegen. Kaum ein Mensch in Deutschland, der nicht irgendwann einmal in seinem Leben mit der "’Bild’ für Jugendliche" in Berührung kam. Vor allen Dingen die Aufklärungsseiten sorgten ab dem Ende der 60er Jahre – der sexuellen Befreiung sei Dank – für Gesprächstoff unter den Teenagern. Während in den 70er und 80er Jahren viele quasi durch das Magazin aufgeklärt wurden, ließ das Interesse an der Zeitung ab Mitte der 90er Jahre dank der neuen Medien wie dem Internet stark nach. Die Startauflage des ersten Heftes lag bei 64.000 Exemplaren, in den Siebzigern überschritt man die Eine-Million-Grenze. Heute landen immerhin noch rund 500.000 Hefte am Kiosk und in den Briefkästen der Abonnenten.

"Die ‚Bravo` hat sich natürlich verändert, sowohl optisch als auch inhaltlich", sagt Alex Gernandt, stellvertretender Chefredakteur des Jugendmagazins gegenüber dem "Donaukurier". "In Zeiten des Internets muss ,Bravo’ mehr bieten als andere Medien. Heutzutage sind Neuigkeiten sehr schnell draußen. Wir müssen die exklusivsten Geschichten haben, denn die Kids sind heute sehr mediengebildet und auch sehr anspruchsvoll." Auch viele Schwule sind mit dem Magazin aufgewachsen und haben oftmals gerade hier erste Coming-out-Geschichten und ein tolerantes Bild gegenüber Homosexuellen vorgefunden. "Jede Generation hat ähnliche Fragen", sagt Eveline von Arx, seit drei Jahren Leiterin des Dr.-Sommer-Teams. Mehr als 400 Briefe bekommt die Redaktion wöchentlich – viele bis zu fünf Seiten lang. Schwulsein ist dabei nicht selten ein Thema. Die 1969 eingeführte Rubrik von Dr. Sommer habe dazu beigetragen, dass sexuelle Spielarten wie Homosexualität und Selbstbefriedigung heute nicht mehr als perverse Praktiken gelten. Dieser Meinung ist Pädagogikprofessor Joachim H. Knoll, der mehrere Bücher über die "Bravo" mit herausgegeben hat.

Im Interview mit dem "Tagesspiegel" meinte Knoll, dass sich die Sorgen unterschiedlicher Generationen ähneln. Alle Jahre wieder beantwortet das Dr.-Sommer-Team Fragen wie "Ich fühle mich von meinem besten Freund angezogen, bin ich jetzt schwul?" oder "Werde ich durch Selbstbefriedigung homosexuell?". Knoll erklärte dies damit, dass Jugendliche die "Bravo" im Schnitt nur zwei Jahre lesen und immer wieder neue Lesergeneration nachrücken, deren Probleme mit Erotik und Sexualität nicht wesentlich anders seien.

Dagegen wechseln die Idole und Stars jährlich aufs Neue. Standen 1956 noch Namen wie James Dean, Elvis Presley, Marianne Koch oder Romy Schneider hoch im Kurs, sind es heute Tokio Hotel, Eminem oder Christina Aguilera, die das Blut in Wallungen bringen. Schwule Popstars wie Elton John, die Pet Shop Boys, Erasure oder auch George Michael zierten bereits in den 70er bzw. 80er Jahren die Seiten der "Bravo" und fanden durch unzählige Poster auch Einzug in die Kinderzimmer dieser Welt. "Damit wurde vielen Jugendlichen auf musikalische Art und Weise Toleranz beigebracht", ist sich die Kölner Pädagogin Elvira Schwenker sicher, die auf 30 Jahre Schularbeit zurückblickt. "Sicher ist die Sprache und der Inhalt nicht immer auf einem hohen Niveau, aber dennoch hat das Magazin mit dem ganz selbstverständlichen Portrait von lesbischen und schwulen Jugendlichen dazu beigetragen, Hemmschwellen abzubauen."

25. August 2006



#1 SaschaAnonym
  • 26.08.2006, 14:57h
  • "Sexuelle Spielarten wie Homosexualität oder Selbstbefriedigung..."

    Homosexualität ist nicht irgendeine sexuelle "Spielart", sondern eine sexuelle IDENTITÄT. Oder bezeichnen wir Heterosexualität in Zukunft auch als "Spielart" und stellen sie auf eine Stufe mit Masturbation oder Sado-Maso?

    Solche Aussagen lassen doch erheblich an der Kompetenz und am angeblichen Respekt vor der sexuellen Vielfalt seitens der hier zitierten "Experten" zweifeln.

    Eine jahrgangs- und fächerübergreifende, grundlegend reformierte Sexualerziehung an den Schulen mit speziellen zusätzlichen (z.B. schulpsychologischen) Angeboten für junge Homosexuelle kann eine "Bravo" indes ohnehin niemals ersetzen!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 No E-PatentsAnonym
  • 26.08.2006, 17:31h
  • Habe ich mal anfang der neunziger noch gelesen, so bis 92/93. Dann kam das interesse mehr auf andere seiten. Aber was ich immer gut fand, waren die aufklärungsseiten...

    Herzlichen Glückwunsch!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 RakiAnonym
  • 27.08.2006, 00:10h
  • mal abgesehen von dieser unglücklich formulierten Rede, Homosexualität sei eine "Spielart", muss man doch eingestehen, dass der Herr...jetzt hab ich seinen Namen vergessen...na also diese Person Recht hat: Die Bravo machte Homosexualität salonfähig ("diskotauglich" - wie man dem Alter der leser entsprechend schreiben müsste)

    Und ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage: man oh man - manch ein schwules Herz schlug höher, wenn es in den Ausgaben der 90er den komplett entblösten Körper eines Twinks bewundern konnte. (Schön, die "models" im Adamskostüm waren wohl meist heterosexuell veranlagt, aber nackt blieb nackt)

    Aber es ist doch schon ein komischer zufall, dass Tokio hotel in diesem Artikel fast in einem Atemzug mit Elton John und wie unsere liebreizenden Schwestern alle heißen genannt werden: Ach Bill, zur Feier des Jubileums ein kleines Outing, wie james dean es seinerzeit vermied???
  • Antworten » | Direktlink »
#4 SaschaAnonym
  • 27.08.2006, 12:11h
  • @Raki:

    Was für eine Gesellschaft ist das denn, in der Homosexualität durch die BRAVO "salonfähig" gemacht werden muss?

    Und wenn ich mir die teils extreme Homophobie unter pubertierenden Jugendlichen ansehe, dann muss ich sagen: Dieses hochtrabende Ziel hat das Blatt (verständlicherweise) NICHT erreicht!

    In Wahrheit propagiert auch die BRAVO eine insgesamt homophobe Pop-Kultur und klassifiziert - wie oben in bezeichnender Weise geschehen - Homosexualität maximal als "Spielart"...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 HampiAnonym
  • 28.08.2006, 01:46h
  • ...die BRAVO finde ich faszinierend,es gibt ja nicht viele andere Zeitschriften die fünfzig Jahre lang bestehen konnten,der Stern vielleicht noch und der Spiegel,aber dann...? Und warum regen sich hier die Schwestern auf wenn von sexuellen Spielarten die Rede ist? Identität ist ok,aber schon bei der bisexuellen Identität wirds doch heikel....homo und hetero zugleich,also zwei Identitäten in einer einzigen Person vereint,was ist das denn? Etwa schizophren? Jedenfalls ist es sicher nicht homophob, oder ist es auch homophob, zu behaupten,dass die Schwulen ihren biologischen Auftrag als Mann, nämlich Kinder zu zeugen,nicht erfüllen? Dies gibt bei Hetero-Paaren schon etliche Probleme wenn ein Mann kein Kind zeugen kann, und Schwule wollen keine eigenen Kinder zeugen,oder? Diese Feststellung ist doch auch nicht homophob, überhaupt bedürfte der Begriff Homophob einmal einer gründlichen Deutung. Ok, meine Mutter ist sicher homophob, denn wenn jemand über Schwule sprechen will in Gegenwart ihrer Enkelkinder,dann fährt sie dem über den Mund und sagt "also, bitte nicht dieses Thema vor den Kindern!" (die drei sind jetzt 15,13 und 9).
  • Antworten » | Direktlink »
#6 MichaAnonym
#7 SaschaAnonym
  • 28.08.2006, 14:02h
  • @Hampi:

    Die Alm ruft!

    Aussagen wie die deinigen sind der beste Beweis für die dringende Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Sexualerziehung in den Schulen!

    Dann schaffen es in Zukunft vielleicht auch Leute wie du, gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu hinterfragen und ihre unterschwelligen oder offensichtlichen Minderwertigkeitskomplexe endlich abzulegen...
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Tux2006Anonym
#9 seb1983