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Sie verkaufen mehr CDs als Robbie Williams und schrieben einen Hit für Kylie. Die derzeit erfolgreichste Band Englands im Interview.

Von Jan Gebauer

Diese Band räumt derzeit mächtig in Großbritannien ab: Die Scissor Sisters (Deutsch: Scherenschwestern) aus den USA mischen Glam-Rock und Disco und verkaufen auf der Insel deutlich mehr Platten als etablierte Langzeitstars wie Robbie Williams oder Madonna. Kein Wunder, dass schon Kylie Minogue und Elton John mit der Gruppe gearbeitet haben. In Wien präsentierte die Band mit Homo-Mitgliedern Mitte August ihr kommendes Album "Tah-Dah!" der Presse und begeisterten die verwöhnten Journalisten aus ganz Europa. Der absolute Kracher war dabei die neue Single "I Don’t Feel Like Dancing", einem fetzigen Disco-Retro-Stück, bei dem auf der CD Elton John Hand am Piano anlegte. Wir sprachen im Anschluss des Konzerts mit den beiden schwulen Mitgliedern Babydaddy (29) und Del Marquis (26) über ihre Musik, die Homo-Kultur der USA und deutsche Männer.

Ich habe für Euch eine Ausgabe des Magazins "Männer Aktuell" mitgebracht – Deutschlands größtes Homo-Magazin. Wie gefallen Euch die Typen?

Babydaddy: Wow, das Cover ist schon mal ganz schön schmutzig! (auf dem Cover streckt Porno-Darsteller Eddie Stone seinen nackten Hintern dem Leser entgegen) Wird das im Innenteil noch schmutziger? (lacht)

Ja, aber nur auf manchen Seiten.

B.: Heiße Action! Lustig, ich muss mir das Magazin auch besorgen. (sein Blick fällt auf einige SM-angehauchte Bilder, die er seinen Band-Kollegen frotzelnd zeigt) Aber ganz ehrlich, diese Typen, muskulös und total rasiert, sind nicht so mein Fall. Ich stehe eher auf Typen mit Behaarung. Und dann macht Eddie Stone dieses "gay face" – er posiert mit seinen Lippen krampfhaft auf Wirkung. Das finde ich irgendwie nicht männlich. Ich mag meine Männer ganz einfach: Groß, stämmig und behaart. Ist mein Freund vielleicht hier drinnen? Vielleicht ganz hinten. (lacht und blättert erfolglos weiter im Magazin) Mensch, ihr habt ja nichts für mich drin?!

Du kannst Dir ja einen prominenten Star aussuchen. Wen würdest Du gerne mal vernaschen?

B.: Da gibt es einige. Tim McGraw zum Beispiel – Amerikas größter Country-Star. Der Mann von Faith Hill. Country-Sänger mag ich sowieso. Es scheint so, dass die wenigstens noch vernünftig essen und was auf den Rippen haben.

Im Magazin sind viele typisch amerikanische Modelle. Findet Ihr Euch da wieder?

B.: Nicht wirklich. Wir sind auch überhaupt nicht typisch amerikanisch. Dieser Look interessiert uns auch nicht. Mich langweilt diese "typische schwule Kultur".

Was haltet Ihr von deutschen Männern?

Del: Also man muss erstmal die Berliner Sex-Kultur und den Rest von Deutschland unterscheiden. (lacht) Berlin ist ziemlich "kinky". Dort fahren die Jungs voll auf die Fetischschiene ab. Skater, Sneaker, Sportler, usw. In Deutschland scheint das besonders stark aufzutreten und ich weiß nicht warum. Aber wir kategorisieren nicht gerne. Egal wohin man kommt, es gibt immer Dinge, die man sexy an Typen findet. Aber wir haben nie genug Zeit in anderen Ländern verbracht, um exakt sagen zu können, was uns an bestimmten Nationalitäten anzieht. In der US-Szene gab es übrigens so eine Art kleine Revolution. (lacht) Plötzlich sagten unzählige Männer, dass sie sich nicht mehr die Brust rasieren wollen. Ich glaube, das geht noch um die Welt.

Wie schneiden denn die Homo-Szenen im Vergleich ab?

B.: Tja, ich kann Dir sagen, was beide Szenen gemeinsam haben: zu viel Partyfeiern und Zügellosigkeit. Ich finde mich dort nicht unbedingt wieder.

D.: Wir suchen alle unsere Identität – besonders wenn man "schwul aufwächst". Man braucht seine Zeit, um sich zurechtzufinden. Es ist leicht, sich dort zu verlieren oder zu entfremden. Man trifft andere schwule Männer und lernt zahlreiche Nischen kennen: Lederszene, Sportler usw. Nach all dem Dating und Sich-zurechtfinden sollte man aber über das "schwule Ghetto" hinauswachsen. Sich selber finden und sich nicht von einer Community vereinnahmen lassen. Das mag ich auch bei Männern: Keine Stereotype, sondern eigenständige, "normale" Menschen. Außerdem ist es doch toller, wenn dich jemand wegen deiner Individualität mag und sexy findet.

In den letzten Jahren gab es eine Menge "neuer" offen schwuler Künstler, die große Erfolge gefeiert haben. Rufus Wainwright, Antony & the Johnsons und viele andere. Ist es gerade "modern", ein schwuler Popstar zu sein?

B.: Uhhh! Das glaube ich nicht! Wir haben nur eine neue Generation von schwulen Acts, die sich heutzutage mehr trauen können. Dazu gehören wir schließlich auch. Wir haben immer schon offen schwul gelebt und es stellte sich am Anfang unserer Karriere nie die Frage, ob wir etwas verheimlichen müssen. So war es sicher auch bei den von Dir genannten Künstlern. Es gibt viele andere, die müssen ein Doppelleben führen, weil sie eventuell aus einer Generation kommen, in der es noch nicht so leicht war, dieses offen schwule Leben zu führen. Sie führen quasi ein anderes Leben hinter verschlossenen Türen und die Öffentlichkeit ist natürlich ganz heiß darauf herauszufinden, was dort wirklich vorgeht. Das Problem haben wir nicht: Wir haben von Anfang an das Feuer aus dieser Sache herausgenommen.

Auffällig ist die Tatsache, dass ihr weitaus mehr Erfolg in Großbritannien habt als in den USA. Ist Eure Homosexualität ein Grund oder Eure Musik?

B.: Dafür gibt es eine Menge Gründe. Wenn wir genauso wie Mariah Carey klingen würden, hätten wir vielleicht auch mehr Erfolg. (verdreht die Augen) Aber das ist völlig okay. Wir tun genau das, was wir wollen. Und es ist ja nicht so, als hätten wir in den USA nicht tolle, treue Fans. Weißt Du, die Frage ist sehr kompliziert und nicht einfach zu beantworten. Wir müssten wahrscheinlich auch das Radio fragen, denn dort haben wir es viel schwerer als in England. Das hat viel mit der musikalischer Sensibilität zu tun.

Babydaddy, Du bist in Kentucky geboren worden. Später zog es Dich nach New York. Wie war es denn, als Schwuler in Kentucky aufzuwachsen?

B.: Ich war nicht sonderlich schwul in Kentucky. (lacht) Es war mit Sicherheit ein Problem, vor allen Dingen, weil ich bis zu meinem 19. Lebensjahr keinen anderen kannte, der schwul ist. Lexington war keine sonderlich offene Stadt, aber in den zehn Jahren, die nun vergangen sind, hat sich einiges getan. Es gibt mehr Akzeptanz. Aber einfach war es wirklich nicht, als "jemand anderes" aufzuwachsen, sich verstellen zu müssen.

Ihr habt mittlerweile mit einigen schwulen Stars, aber auch mit der einen oder anderen Homo-Ikone zusammengearbeitet. Kylie Minogue zum Beispiel.

B.: Das war ganz einfach: Sie suchte Leute, die mit ihr Songs für ihr "Greatest-Hits"-Album schreiben. Wir sind Fans und haben einfach angefragt. Sie war begeistert und dann haben wir ein paar Tage mit ihr verbracht und raus kam "I Believe in You". Kylie ist außergewöhnlich. In der schwulen Szene der USA ist sie absolut angesagt – ein Kultstar.

Auch Elton John wollte mich Euch arbeiten.

D.: Er ist wirklich ein großer Fan von unserer Musik. Wir wollten für das neue Werk etwas Inspiration haben und baten Elton, ob er uns nicht unterstützen wolle. Er sagte sofort zu. Also fuhren wir nach Las Vegas und arbeiteten mit ihm zusammen. Du kannst ihn am Piano auf unserer neuen Single "I Don’t Feel Like Dancing" hören. Um ganz ehrlich zu sein, haben wir noch eine lange Liste von Leuten, mit denen wir gerne zusammen arbeiten möchten. Wir sind da sehr offen.

Ihr könntet es doch vielleicht wie die Pet Shop Boys machen. Die haben in den 80er Jahren Dusty Springfield und Liza Minnelli aus der Versenkung geholt und produziert. Rettet doch vielleicht Donna Summer!

B.: Haha, ja, das ist eine gute Idee! Sie ist außergewöhnlich. Das würden wir sofort tun.

Ich habe sogar eine Donna-Scheibe dabei. "Love to Love You Baby" – was fällt Euch dazu ein?

B.: Super-Scheibe! Die habe ich auch. Sie befriedigt sich auf dem Cover offensichtlich selbst. Und solche abzeichnenden Nippel würde man heutzutage wohl auch nicht mehr auf einer Mainstream-Veröffentlichung sehen.

D.: Toll, sie hat ganz natürliche Möpse, nicht diese komischen Silikon-Teile, wie sie viele Stars heute haben. Sie schaut sehr natürlich aus – sehr sexy!

Bei Eurer neuen Single standen wohl auch einige große Namen Pate. Neben Elton John hört man da ein bisschen Leo Sayer heraus.

B.: Findest Du? Ich habe das schon einmal gehört – aber weißt du was? Ich kenne Leo Sayer überhaupt nicht.

Ich singe spontan "You Make Feel Like Dancing" und "When I Need You" vor, doch Babydaddy geht kein Licht auf.

B.: (überlegt lange und ist schon etwas verzweifelt) Hey, hat er nicht auch "Ooh, What a Night" gesungen?

Nein, das waren Frankie Vallie und die Four Seasons.

B.: Aber diesen Vergleich haben wir auch schon gehört. Was soll ich sagen? Auf dem ersten Album gab es den Vergleich mit 10CC und wir kannten diese Band zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir haben das Ganze dann recherchiert und am Ende mochten wir 10CC sehr. Ich sage mal, solche Vergleiche sind manchmal frustrierend, aber wir kommen damit klar. Solange man uns mit Leo Sayer vergleicht und nicht mit Beyonce. (lacht) Nichts gegen sie, aber ich interessiere mich nicht für ihre Musik.

28. August 2006



#1 seb1983
  • 29.08.2006, 02:23h
  • Jetzt weiß ich endlich was ich da heute mittag im Radio gehört und spontan runtergeladen habe.... ;-)) Kannte die Gruppe gar nicht
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#2 Dirk JungAnonym
  • 30.08.2006, 23:24h
  • Hey Jan, ich musste beim ersten Anhören des Songs auch sofort an "You Make Feel Like Dancing" von Leo Sayer denken.. und erfuhr erst danach den Titel des Songs.. Die lügen doch, wenn sie sagen, sie würden ihn nicht kennen;-)) Gruß, Dirk
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#3 FrankieAnonym
  • 13.12.2006, 11:47h
  • Es ist wie mit allem, am Anfang witzig und dann nervt es ziemlich schnell.
    Mich wundert, wie wenige vorher von dieser Combo hier gehört haben.
    Sie waren mal gut, jetzt isse zu ner Art US Rosenstolz Kommerz verkommen.
    Schade...
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