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  • 31. August 2006, noch kein Kommentar

Die transsexuellen Eunuchen in Indien führen ein besonders Leben mit eigenen Ritualen und Hierarchien. Eine faszinierende Doku.

Von Carsten Weidemann

"Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht zwischen Mystik, Spiritualität und Prostitution" dokumentiert die Bemühungen der Fotografin Anita Khemka, dem Leben der Hijras, der Eunuchen Indiens, näher zu kommen. Sie leben dort als Außenseiter am Rande der Gesellschaft ein Dasein voller Widersprüche: Hijras sind unfruchtbar, trotzdem haben sie in den Augen vieler Inder die Gabe, Fruchtbarkeit zu spenden. Und obwohl sie kastriert sind, ist die Erotik in ihren Leben omnipräsent. Drei dieser besonderen Menschen begleitet "Between the Lines":

Laxmi, eine laute und auffällige "Femme fatale", lebt in der Vorstadt von Bombay ein Doppelleben: ein Teil ihrer Persönlichkeit ist Raju, ein scharfsinniger junger Bollywood-Choreograf, der noch bei seinen Eltern wohnt. Und dann gibt es Laxmi, die sich in der Hierarchie der Hijras einen Platz an der Spitze einer Gruppe von Eunuchen-Prostituierten erkämpft hat.

Mit ihrer weichen Haut, den langen schwarzen Haaren und den verführerischen Augen sieht Rhamba aus wie aus einem Modemagazin. Sie lebt in einem Tempel und bettelt auf den Straßen von Bombay. Tatsächlich ist sie ein Mann, der im Alter von 10 Jahren kastriert wurde. Nachts arbeitet Rhamba als Go-Go-Tänzerin in einem Tanzclub. Sie hofft, dort genügend Geld verdienen zu können, um mit dem Geld auf dem großen Eunuchenfestival im südindischen Koovagam ihren Freund heiraten zu können.
Nach 17 Jahren der Prostitution streift Asha heute an den Stränden Bombays umher und "segnet" verliebte Paare, die bereit sind, dafür zu zahlen – alle anderen werden von ihr verflucht.

Als Frau und Inderin gelingt es Anita Khemka, den Hijras sehr nahe zu kommen. Der deutsche Dokumentarfilmer Thomas Wartmann hat sie quasi vorgeschickt und sich mit der Kamera still daneben gesetzt. Mit einem unglaublichen Gespür für unaufdringliche Inszenierung schafft Wortmann es, ein poetisches und anrührendes Porträt der liebenswerten Menschen zeichnen. "Between The Lines" hat im Frühjahr 2006 beim schwul-lesbischen Filmfestival in Turin den Publikumspreis bekommen.

31.08.2006