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Die Show "It’s a Kind of Magic" wird in ganz Europa aufgeführt. queer.de sprach mit Peter Freestone, Mercurys engstem Freund.

Von Jan Gebauer

Kaum einer kannte den Queen-Sänger Freddie Mercury (1946-91) so gut wie Peter Freestone (51), sein jahrelanger Assistent. Der mittlerweile in Prag lebende Engländer sprach mit queer.de über das Leben mit Freddie Mercury, dessen private Seite und die neue Show "Queen – It’s a Kind of Magic", die Freestone mit großem Enthusiasmus unterstützt.

Wann haben Sie Freddie Mercury das erste Mal getroffen?

Das erste Mal war im Rainbow Room im englischen Kensington. Es muss 1972 gewesen sein und ich nahm mit meiner Freundin gerade eine Tasse Tee zu mir. Da trat Freddie mit einem Fuchsfellmantel bekleidet und Mary Austin an seinem Arm in den Laden ein. Seinerzeit war er noch keine Berühmtheit, aber er hatte schon eine großartige Präsenz. Er war nicht groß, auch nicht gut gebaut, aber alle Köpfe drehten sich zu ihm hin, als er den Raum betrat. Das nächste Mal, als ich Freddie begegnete, war einige Jahre später bei einer Charity-Gala im Londoner Coliseum. Ich hatte Gelegenheit, einige Minuten mit ihm zu sprechen. Zwei Wochen später rief sein Manager bei meinem Boss an und fragte, ob ich für Freddie arbeiten könne. Das habe ich dann bis zu seinem Tod am 24. November 1991 getan. Ich war sein Assistent und engster Vertrauter.

Freddie war einer der größten Rockmusiker aller Zeiten. Nicht viele wissen, wie er privat war.

Auf der Bühne war er der große Showmann, aber privat wollte er nicht aus der Menge herausragen. Als wir in New York lebten, standen wir einmal in einer Schlange an und Freddie wollte lieber dort warten, als mit dieser "Wisst ihr nicht, wer ich bin"-Attitüde an allen vorbei zu marschieren. An manchen Orten wie Brasilien oder Argentinien konnte er das nicht machen, weil die Hysterie zu groß war – da musste er in Nachtclubs eskortiert werden. Darum liebte er es, in Manhattan und München zu leben. In München lebten seinerzeit viele Stars und man ließ sie in Ruhe. Mit seiner guten Freundin Barbara Valentin konnte er beispielsweise unbehelligt nach allen beruflichen Verpflichtungen noch alleine durch die Clubs ziehen. Mich hatte er da schon ins Hotel geschickt. Zuhause war Freddie sowieso ganz anders als auf der Bühne oder in den Videoclips. Er war schüchtern und gegenüber Fremden sehr zurückhaltend. Außerdem tat er alles, um so normal wie möglich zu wirken. Wenn wir alleine zu Hause waren, hing er einfach nur ganz locker rum und schaute TV. Kam aber Besuch setzte er seine "Entertainermaske" auf. Er war der Meinung, dass es sehr wichtig sei, sich selber um seine Gäste zu kümmern. Im Gegensatz dazu konnte er bei Pressekonferenzen oder allgemein den Medien gegenüber sehr arrogant und harsch auftreten. Das war wahrscheinlich das, was die Menschen von Freddie erwarteten und was er ihnen auch geben wollte.

Ich habe gelesen, dass Freddie privat ein sehr großzügiger Mensch gewesen sein soll.

Freddie war ein Mensch, der nur gegeben hat. Die größte Freude in seinem Leben bestand darin, anderen ein Geschenk zu machen und die Reaktion zu sehen, wenn sie es erhielten. Wenn Freddie beispielsweise ein Parfüm wollte, ging er in einen Laden, kaufte eines für sich und 20 weitere, die er dann unter seinen Freunden und Angestellten verteilte. Das Gleiche galt auch für seine Musik: Er glaubte daran, auf der Bühne alles geben zu müssen. Er sagte oft, dass die Band immer nur so gut sei wie ihr letzter Auftritt. Er war ein Perfektionist.

Selbst in der Zeit, als er bereits krank war?

Ohja, gerade da. Bezüglich seiner Krankheit wollte Freddie nie, dass diese sein Leben veränderte. Und als sie es schließlich tat, tat er alles, damit sie nicht die völlige Kontrolle über sein Leben bekam. Freddie bemerkte erstmals 1987, dass etwas nicht mit ihm stimmte. Er fand Flecken auf seiner Haut, konsultierte dann einen Arzt und bekam die Diagnose, dass er Aids hat. Er sagte mir erst einige Monate später die Wahrheit und im gleichen Atemzug, dass es nicht wieder erwähnt werden würde. Er wollte nicht wie ein kranker Mann behandelt oder deswegen bevorzugt werden. Natürlich änderte sich das ein wenig über die Jahre. In den letzten Monaten haben Joe Fanelli und ich uns intensiver um ihn gekümmert, damit das nicht fremde Krankenschwestern übernehmen mussten.

Doch Freddie hat bis zum Schluss gearbeitet, richtig?

Genau. Er stand bis zuletzt im Aufnahmestudio und arbeitete an neuen Liedern. Das war im Schweizer Montreux. Als er nach London zurückkehrte, sagte er uns, dass er keine lebenserhaltenden Medikamente mehr zu sich nehmen wolle. Er würde nur noch Schmerzmittel einnehmen. Von da an wussten wir, dass Freddie genug hatte und sein Ende plante. Es hatte jedoch zwei weitere Wochen benötigt, bevor er uns allen für immer "auf Wiedersehen" sagen konnte.

Er muss am Ende viel mehr als nur ein Arbeitgeber gewesen sein.

Freddie war mein Freund. Er war der loyalste, großzügigste und liebevollste Freund, den sich ein Mensch nur wünschen kann. Wir, die uns zu seinen Freunden zählen durften, wussten, was das für ein Privileg war. Er konnte eigensinnig, schlecht gelaunt und richtig boshaft sein – aber er sorgte sich stets um seine Freunde!

Und "Queen – It’s a Kind of Magic" ist nun eine Art Hommage. Stehen Sie auch auf der Bühne?

Nein, das überlasse ich anderen. (lacht) Ich sehe meine Aufgabe eher darin, die Show zu promoten. Ich erzähle über Freddie und die alten Zeiten. "It’s a Kind of Magic" ist der perfekte Name für diese Show, denn so fühlte es sich an, wenn man ein Queen-Konzert verließ – magisch. Die Show ist nicht irgendeine Cover-Veranstaltung, sondern man merkt deutlich die Liebe und Hingabe zur Musik, die auf der Bühne reproduziert wird. Es gab nur einen Freddie Mercury, aber Craig Pesco macht einen verdammt guten Job, meinen unvergessenen Freund auf der Bühne würdig zu vertreten. Ich habe einige Male echte Gänsehaut bekommen, als er gesungen hat. Dabei konnte ich Freddies Musik die ersten Jahre gar nicht anhören – das hat sich zum Glück geändert.

Weitere Infos unter: www.queen.itsakindamagic.com

1. September 2006